Nachruf

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Adolf Friedrich von Schack: Nachruf (1854)

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Lässest du allein mich so,
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Der ich manchen Abend froh
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Hier mit dir gesessen?
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Deiner längst zum Zwiegespräch
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Harr' ich; und hierher den Weg
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Hast du nun vergessen?

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Unten rauscht wie sonst der Rhein;
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In dem Glase blinkt der Wein,
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Daß mein Karl ihn trinke;
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Und ich lausch' und lausche bang,
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Ob ich höre seinen Gang,
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Ob sich regt die Klinke.

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O die Zeit, wie froh sie war,
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Als so wie ein Blütenpaar,
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Hier des Lebens süßem Mai,
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Knospend, duftend unsre zwei
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Seelen sich erschlossen.

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Hier im schönen Seelenrausch
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Bei der Reden Wechseltausch
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Ihn zum Freund gewann ich;
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Jedes Wort, das ihm entquoll,
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Schien mir tiefer Weisheit voll,
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Lang darüber sann ich.

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Eh mit erstem Schein der Tag
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Durch das Rebengitter brach,
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Kam er, mich zu wecken,
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Und bei Lerchen-Morgensang
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Schritten wir den Rhein entlang
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Durch die Weißdornhecken,

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Sahen über Wiesengrün
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Fernhin alte Burgen glühn
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Auf den Felsenspitzen,
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Und die Thäler, feucht von Tau,
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Nach und nach durchs Dämmergrau
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Hell im Frühlicht blitzen.

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Dann, wenn in des Lernens Drang
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Einer mit dem andern rang
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Um den Sieg im Wissen,
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Stets von ihm mir, ob ich heiß
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Auch geworben um den Preis,
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Sah ich ihn entrissen.

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Ihm mit Staunen blickt' ich nach;
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Doch, wenn mir die Kraft gebrach,
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Um ihm nachzuringen,
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Dacht' ich bang: Genug! genug!
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Brechen müssen bei dem Flug
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Endlich seine Schwingen.

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Und es kam, wie ich gedacht;
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Um sein frühes Grab bei Nacht
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Flattert die Phaläne;
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Wo so oft er bei mir saß,
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Bleib' ich einsam, und ins Glas
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Rieselt eine Thräne.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Adolf Friedrich von Schack
(18151894)

* 02.08.1815 in Schwerin, † 14.04.1894 in Rom

männlich, geb. Schack

deutscher Dichter, Kunst- und Literaturhistoriker

(Aus: Wikidata.org)

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