Neidvollen Blickes

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Adolf Friedrich von Schack: Neidvollen Blickes Titel entspricht 1. Vers(1854)

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Neidvollen Blickes
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Empor zu euch schau' ich,
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Ihr hohen Unsterblichen,
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Die ihr auf Himmelsgipfeln,
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Einsiedler des Ruhms,
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Im ewigen Lichte wohnt,
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Und von den strahlenden Scheiteln
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Geschlechter auf Geschlechter der Menschen
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Mit eurer Werke Glanz erleuchtet!

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Weh dem Armen hier unten,
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Dem, gleich euch zu den heiligen Höhen zu klimmen,
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In die Seele der Trieb gepflanzt ist,
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Aber zu schwach die Kraft!
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Ewig ihm vor dem Geiste schwebt
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Die himmlische Schönheit,
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Die er in Formen bannen möchte!
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Doch nicht der Prometheusfunke
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Glimmt in der Brust ihm,
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Daß er das marmorentstiegene Bild
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Mit Schöpferglut beseele.
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In jeder Frühe
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Schwanken Schrittes eilt er zur Werkstatt,
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Und im Hoffen und Zweifeln und Zagen
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Zittert sein Herz,
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Während die Hand den Meißel führt;
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Aber starr bleibt der Stein;
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Statt daß er des Göttervaters Antlitz
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In olympischer Hoheit
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Ihm entsteigen sähe,
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Blicken verzerrte Züge
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Wie zum Hohn ihm entgegen.
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Da sinkt ihm ermattet die Hand;
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Und seufzend all derer gedenkt er,
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Die, wie er, gestrebt und gerungen –
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Und ruhmlos ins Grab gesunken.
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Ueber sich hin die Scharen
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Der Erlesenen sieht er ziehen,
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Der Göttersöhne,
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Die, von des Genius Flügeln getragen,
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Zu den sonnigen Gipfeln eilen;
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Aber um ihn hoch und höher
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Schwillt der Strom
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Des niederen Erdentreibens
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Und will hinweg ihn reißen von dem Altar,
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An dem er fruchtlos geopfert.

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O blickt mild auf ihn herab, ihr Unsterblichen!
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Gießt Mut und Kraft ihm ins Herz,
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Daß er ausharre im heiligen Amte!
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Einen Strahl eures Geistes
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Sendet hernieder zu ihm
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Und laßt, ob auch spät,
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Ein Werk, nur
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Das ein Denkmal auf Erden ihm sei,
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Auf daß er nicht gleich den andern
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Kindern des Staubes
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In den Wirbeln des Lebens
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Spurlos verschwinde,
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Und dessen, was er war, nicht alles
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Das gierige Grab verschlinge!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Adolf Friedrich von Schack
(18151894)

* 02.08.1815 in Schwerin, † 14.04.1894 in Rom

männlich, geb. Schack

deutscher Dichter, Kunst- und Literaturhistoriker

(Aus: Wikidata.org)

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