Welch Säuseln in der Linde Blätterdach?

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Adolf Friedrich von Schack: Welch Säuseln in der Linde Blätterdach? Titel entspricht 1. Vers(1854)

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Welch Säuseln in der Linde Blätterdach?
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Was stäubt zu mir herab wie Blütenregen
3
Und füllt mit Glanz und Düften mein Gemach
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Und treibt die Pulse mir zu schnellern Schlägen,
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Als kehrte neu der ersten Liebe Glück
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In dieses winteröde Herz zurück?

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Du bist's! Dich grüßt mit Freudenzährenschimmer
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Mein Auge, lang der Thränen schon entwöhnt;
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In meines Lebens tiefzerfallne Trümmer
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Trittst du noch einmal lächelnd und versöhnt,
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Du Einzige, die Treue mir bewahrt
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Auf dieser wechselvollen Erdenfahrt!

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Wie nenn' ich dich, die du die hohen Bahnen
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Dort oben neugebornen Sonnen zeigst
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Und in der Kinderseele stilles Ahnen
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Und in des Jünglings Traum herniedersteigst?
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Früh hab' ich dich gekannt, o Heilig-Große!
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Und spielte, wie der Mutter, dir im Schoße.

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So mild sahst du mich an, so wundersam!
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Aus deiner Augen himmlisch blauer Reine
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Umstrahlte noch mit morgenrotem Scheine
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Mich die Unendlichkeit, aus der ich kam,
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Und Himmelslieder sangst du mir – o nie
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Verklingen wird mir ihre Melodie!

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Oft, wenn ich einsam klomm auf Bergeshöhn
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Und mir vom Haupte troff des Frühlings Regen,
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In Waldesstille tratst du mir entgegen
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Und neigtest mir dein Antlitz, göttlich schön,
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Und in der Grotte auf das Moos gesunken
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Lag ich, dir lauschend, still und wonnetrunken.

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Und wer, o Freundin, nach der dunklen Stunde,
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Als ich, in sternenlose Nacht verirrt,
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Den letzten Odem sog von jenem Munde,
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Gleich dem mir keiner wieder lächeln wird:
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Wer war's, der aus des Abgrunds Finsternis,
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Von Grab und Tod empor die Seele riß?

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Du, Herrliche! Da alles vom Geschicke,
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Was in der Sterblichkeit mir teuer war,
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Geraubt mir worden, zeigtest du dem Blicke
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Die ew'ge Welt, wo immer hell und klar
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Die heil'ge Flamme lodert auf dem Herde,
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Die nur gebrochen dämmert dieser Erde.

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Sie ahnen wir, wenn Dantes Traumgesicht
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Ins Paradies uns trägt auf Strahlenwogen,
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Wenn Tizian zum Farbenregenbogen
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Den Glanz der großen Geistersonne bricht,
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Wenn unter Phidias' Hand, von ihr durchglüht,
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Der Marmorblock zum Götterbild erblüht.

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Wie Sonnenschein den Frost des Winters, brach
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Ihr Strahl das Eis in meines Busens Tiefen;
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Laut wieder ward es drinnen, Geister riefen
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In trunkner Werdelust einander wach
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Und jubelten, indes sich im Gesang
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Das Lied geflügelt aus der Seele rang.

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Und in die großen Arme der Natur
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Legtest du mich und öffnetest die Lippen
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Der Schweigenden, daß sie in Wald und Flur,
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Auf Bergeshöhen und an Uferklippen
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Mir Tröstung sprach und ihre Wonneschauer
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Sanft lispeln ließ in meines Herzens Trauer.

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O Göttliche, und dich im Menschenschwarm,
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Der wild und immer wilder mich umkreiste,
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Dich konnt' ich lassen? Einsam, freudenarm,
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Wie ohne dich ertrug es der Verwaiste?
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Doch sieh! du kehrst zurück, und ewig soll
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Mein Leben dir gehören ganz und voll.

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Bring meine Thränen mir und mein Entzücken,
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Der schlummerlosen Nächte bleiche Qual,
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Einsame Schmerzen, welche mehr beglücken
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Als alle Lust im lauten Freudensaal,
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Und meine wachen Träume, meine Lieder –
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Nichts sonst begehr' ich – Muse, bring mir wieder!

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Hinaus! Im Frühlingssturme braust der Wald,
74
In tausendstimm'gem Leben jauchzt die Erde;
75
Ich höre, wie der große Ruf des Werde
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Durch Thal und Flur und Berg und Abgrund hallt;
77
Die Harfe rauscht, und in dem mächt'gen Wehen
78
Fühl' ich auch meine Seele auferstehen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Adolf Friedrich von Schack
(18151894)

* 02.08.1815 in Schwerin, † 14.04.1894 in Rom

männlich, geb. Schack

deutscher Dichter, Kunst- und Literaturhistoriker

(Aus: Wikidata.org)

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