Der Tod der Nachtigall

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Adolf Friedrich von Schack: Der Tod der Nachtigall (1854)

1
Du, die unsterblich, vom Geschlechte
2
Der Feen und Elfen ich geglaubt,
3
O holde Freundin meiner Nächte,
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So hat der Tod dich mir geraubt!

5
Im weichen Mondlicht vom Balkone
6
Wie oft dir lauscht' ich andachtsvoll,
7
Wenn aus der grünen Blätterkrone
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Dein heil'ges Lied herüberscholl.

9
Auf horchte selbst das Seelenlose
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Den Tönen deiner Melodie;
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Die bleiche Lilie, die Rose
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In ihrem Schlummer hörten sie.

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Zu Abgrundtiefen bald versunken,
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Wo kein Gestirn des Lichtes kreist,
15
Bald von des Himmels Wonne trunken
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Schien im Gesang dein Sehergeist.

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Ein Hoffen quoll aus ihm, ein Ahnen
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Von Höherm, als die Erde giebt;
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Ein Hauch, so wollte mich's gemahnen,
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Der Liebe, die in allen liebt.

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Nicht schwieg dein Schmettern, dein Geflöte,
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Seitdem das Abendlicht verglüht;
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Erst spät beim Schein der Morgenröte
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Sank dir das Köpfchen schlummermüd.

25
Im Dunkel gestern auch zum Singen
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Auf deinem Zweig warst du erwacht;
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Gewölk stieg auf; verloren gingen
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Schlaftrunkne Donner durch die Nacht.

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Sanft glitt dein Lied, das leisgehauchte,
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Auf Rosen- und Jasminenduft,
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Der ringsher aus den Kelchen rauchte,
32
Zu mir durch sommerschwüle Luft.

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Doch stärker war der Aeste Sausen,
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Des Donnerkrachens Wiederhall;
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Laut, immer lauter durch das Brausen
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Des Sturms quoll deiner Stimme Schall;

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Und ob der Blitz mit lohem Strahle
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Hernieder auf die Wipfel fuhr,
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Hoch jauchztest du in dem Chorale
40
Der um dich jubelnden Natur.

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Mit Geistern war's ein Zwiesprachhalten,
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Ein Stürzen in das ew'ge Licht,
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Ein Schauen himmlischer Gestalten,
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Wie in Ezechiels Gesicht.

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Und, wo selbst der Prophet mit Zagen
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Den Blick gesenkt und heil'gem Graun,
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Wie wolltest du's, o Kleine, tragen,
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Die Gottheit unverhüllt zu schaun?

49
Beim Frührot rollte durch das Wetter
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Ein letzter, mächt'ger Donnerklang,
51
Durch den ein jubelndes Geschmetter
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In hohem, vollem Hymnus drang.

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Glorreich durchs Dunkel stieg die Sonne;
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Da sankst du zuckend erdenwärts;
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Der Donner schwieg; im Sturm der Wonne
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Gebrochen war dein kleines Herz.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Adolf Friedrich von Schack
(18151894)

* 02.08.1815 in Schwerin, † 14.04.1894 in Rom

männlich, geb. Schack

deutscher Dichter, Kunst- und Literaturhistoriker

(Aus: Wikidata.org)

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