An die Hausgeister

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Adolf Friedrich von Schack: An die Hausgeister (1854)

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Wieder in dem alten Gleise
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Rollt das Rad der Tage nun;
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Von des Lebens irrer Reise
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Kehr' ich, um in euerm Kreise
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Froh und glücklich auszuruhn.
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Meines Vaterhauses Laren,
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Mich vor Irrsal zu bewahren,
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Hütet mich bei Tag und Nacht,
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Wie ihr, euern Reigen schlingend,
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Süße Lieder leise singend,
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Meine Wiege schon bewacht!

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Nun aufs neu mit Glockenklange
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Weckt mich, wenn der Morgen graut!
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Bei der Schwalbe Frühgesange,
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Die sich an dem Bogengange
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Heimatlich ihr Nest gebaut,
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Sei ich in der Dämmerfrische
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An dem trauten Arbeitstische
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Von der Bücherwelt umringt,
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Während ihr mit lust'gem Klettern
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Aus den Schränken, von den Brettern
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Mir die lieben Bände bringt!

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Gern dann lausch' ich euren Spielen,
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Wenn – als ob vom Wind bewegt
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Leichte Blätter niederfielen –
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Auf den Treppen, auf den Dielen
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Trippelnd sich eu'r Fußtritt regt;
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Wenn ihr klingelt an den Schellen,
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Lachend, wie das lust'ge Gellen
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Auf dem Flur ein Echo weckt,
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Oder, mit den Händchen klappend,
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Durch das Morgendämmer tappend,
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Euch mit unsern Gnomen neckt.

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Oder nachts mit den Geschwistern
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Und den Freunden am Kamin
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Hör' ich in der Flamme Knistern
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Eure Stimmen leise flüstern;
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Aennchen sitzt auf meinen Knien
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Und erzählt uns schöne Märchen,
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Sei es vom verliebten Klärchen,
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Wie es sich im Wald verlief,
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Oder von der Dornenhecke,
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Wo im sicheren Versteckte
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Röschen hundert Jahre schlief.

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Spielend mit den blonden Locken,
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Küss' ich das geliebte Kind;
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Bertha sitzt indes am Rocken,
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Und das Spinnrad ohne Stocken
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Schnurrt im Kreise pfeilgeschwind;
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Von des Herbstes Blättertreiben
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Klirren oft die Fensterscheiben,
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Draußen rauscht der Eichenbaum,
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Und, zu meinen Füßen liegend,
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Bellt, sich fester an mich schmiegend,
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Oft das Windspiel auf im Traum.

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Aber von den Glockentürmen
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Mahnt zum Schlaf der zwölfte Schlag;
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Euch; ihr Laren, uns von Stürmen
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Und vor Flammennot zu schirmen,
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Euch befehl' ich dieses Dach!
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Wacht an unser aller Bette,
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Und auf jede Lagerstätte
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Gießt der Träume goldne Flut,
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Bis im Schlaf ein Lächeln sage,
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Wie das Herz vor Freude schlage,
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Das an dem der Heimat ruht!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Adolf Friedrich von Schack
(18151894)

* 02.08.1815 in Schwerin, † 14.04.1894 in Rom

männlich, geb. Schack

deutscher Dichter, Kunst- und Literaturhistoriker

(Aus: Wikidata.org)

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