Sei du mir treu, bis ich von hinnen muß

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Adolf Friedrich von Schack: Sei du mir treu, bis ich von hinnen muß Titel entspricht 1. Vers(1854)

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Sei du mir treu, bis ich von hinnen muß,
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Der durch die Welt du mich bisher geleitet!
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Wie für die Wonnen, die du mir bereitet,
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Soll ich dir danken, hoher Genius?
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Arm wär' ich ohne das, was du gegeben,
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Und, flöhest du, was gölte mir dies Leben?

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Als Knabe schon, wenn ich von den Genossen,
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Den lärmenden, zur Einsamkeit entfloh,
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In meiner Seele, allen sonst verschlossen,
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Empfand ich deinen Odem stolz und froh,
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Und leicht ward in der Jugend goldner Frühe
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Durch dich mir jede Pein und jede Mühe.

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Tief der Natur ins heil'ge Auge schauen,
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Ihr in des Herzens Allgeheimstes spähn
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Mich lehrtest du, und im Gewittergrauen
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Des Donners ernste Rede zu verstehn,
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Und in der Bergschlucht, wo die Wasser rauschen,
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Der großen Mutter Worte zu belauschen.

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Mit Wesen, die sich selber mein Gedanke
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Erschuf, den luft'gen Kindern meines Traums,
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War mein ein hohes Leben sonder Schranke
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In einer Welt jenseits des Raums,
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Und fort und fort mich nährtest du mit hehren
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Traumbildern und der alten Weisheit Lehren.

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Die durst'gen Lippen labte mir der Quell,
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Der nie versiegende, von Kunst und Dichtung,
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Und an den Geistern, welche aus Vernichtung
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Und Trümmern ihrer Welt zu uns noch hell
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Herüberstrahlen durch der Zeiten Nacht,
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Hab' ich des eignen Geistes Licht entfacht.

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Mit Indiens Weisen in den Siedelein,
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Wo Ganga rauscht an Wasserlilienbeeten,
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Mit Zoroaster bei des Feuers Schein,
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Des heiligen, zu dem die Parsen beten,
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Wie mit Arabiens kühnen Wüstensöhnen
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Sprach ich vertraut in ihrer Sprache Tönen.

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Und gleich dem Geist, nicht haftend an der Scholle,
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Schritt pilgernd auch mein Fuß von Land zu Land;
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Die Erde breitete wie eine Rolle
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Ihr Schönstes vor mir aus; bald hoch vom Rand
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Des Schiffs, bald von der Alpen steilstem Pik
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In ihren Wundern schwelgte mir der Blick.

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Für alles, was erhaben ist und groß,
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Ließ mir Italien die Seele flammen,
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An ihrer Brust erzogen, hehre Ammen,
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Sie die Sibyllen Michel Angelos,
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Und in des Tabor himmlischem Gesicht
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Trug Raffael sie auf zum ew'gen Licht.

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Ich sah beim Grab Achills am Meeressaum
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Die Welt Homers sich aus der Flut erheben,
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Und träumte mit dem hundertthor'gen Theben,
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An eine Sphinx gelehnt, den Urwelttraum,
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Bis übern Nil daher geheimnisvoll
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Der Morgengruß von Memnons Lippen quoll.

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Durchs Leben zog ich so, der Wolke gleich,
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Die sonnengolddurchglüht am Himmel gleitet;
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Selbst wenn sich Leidensnacht um mich gebreitet,
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Fühlt' ich mich stark durch dich und froh und reich;
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Du hast, erhabner Geist, ein Licht von oben
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In meine trübsten Stunden selbst gewoben.

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Und sei's! Führst du dereinst, o Genius,
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Die letzte mir herauf der Erdensonnen,
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Zum großen Gange gieb durch deinen Kuß
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Die Weihe mir! Unsterblich sind die Wonnen,
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Ich fühl' es, die mir deine Huld verlieh;
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Ins Jenseits auch hinüber nehm' ich sie.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Adolf Friedrich von Schack
(18151894)

* 02.08.1815 in Schwerin, † 14.04.1894 in Rom

männlich, geb. Schack

deutscher Dichter, Kunst- und Literaturhistoriker

(Aus: Wikidata.org)

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