Drei Dichter

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Adolf Friedrich von Schack: Drei Dichter (1854)

1
Nächtlich aus ihrer Ruhestatt
2
Steigen drei deutsche Dichter;
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Klagend schaun sie mich an und matt,
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Blasse Totengesichter.

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Deutsche Mutter, wie warst du so karg
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Deinen Söhnen im Leben;
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Nichts als die Wiege, den Gram und den Sarg
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Hast du den Edlen gegeben.

9
Dort den trauerverhüllten Geist,
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Kennst du ihn? Gieb mir Kunde!
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Ueber der mächtigen Stirne weist
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Er die klaffende Wunde.

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Kummer um dich, der sein Leben geknickt,
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Trieb ihn hinab zu den Toten;
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Stärker, wie er dich wieder erblickt,
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Rieseln die Tropfen, die roten.

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Und der zweite, die Locken zerrauft,
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Weiß die Mär zu erzählen,
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Wie du die eigenen Söhne verkauft
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An die Mäkler der Seelen.

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In den Wäldern des Westens voll Gram
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Irrte der Fremdling verloren;
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Selbst den Wilden verschwieg er vor Scham,
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Welches Land ihn geboren.

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Und der dritte mit starrem Blick,
26
Aber den Zügen der Griechen,
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Stammelt verstört: Warum, Geschick,
28
Mußt' ich in Deutschland siechen?

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Schon in der Wiege traf ihn der Fluch,
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Der sich am Jüngling erfüllte,
31
Bis mit des Wahnsinns Schleiertuch
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Mild ihn der Himmel umhüllte.

33
Das sind die drei, die im Trauerchor
34
Nächtlich den Reigen schlingen!
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Sage, wie tönt dir das Lied ins Ohr,
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Mutter, das sie dir singen?

37
Deutsche Mutter, verbirg dein Gesicht!
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Nicht mit marmornen Platten,
39
Und mit dem Lorbeer auf Gräbern nicht
40
Sühnst du die zürnenden Schatten.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Adolf Friedrich von Schack
(18151894)

* 02.08.1815 in Schwerin, † 14.04.1894 in Rom

männlich, geb. Schack

deutscher Dichter, Kunst- und Literaturhistoriker

(Aus: Wikidata.org)

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