Der Pokal

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Adolf Friedrich von Schack: Der Pokal (1854)

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Wär' ich noch der alte Lacher,
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Der ich war in jener Zeit,
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Da das Glück zu hundertfacher
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Lust uns jeden Tag geweiht;

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Wär' ich, wie in jenen Bonner
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Jahren noch des Frohsinns voll,
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Da bald säuselnd, bald wie Donner
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Unser Rundgesang erscholl:

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Sicher hätt' ich mit dem Danke,
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Teure Freunde, nicht gesäumt,
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Für den Becher samt dem Tranke,
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Der in seinem Kelche schäumt!

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Mich vergangner Lust zu mahnen,
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Schickt ihr diesen Festpokal,
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Jenen gleich, daraus die Ahnen
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Sich gelabt beim Freudenmahl.

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O fürwahr, der alten Zecher
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Ist der mächtig große wert;
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Frundsberg hätte solchen Becher
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Wohl auf

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Götz auch, dem der Wein nicht kärger
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Floß nach Fehde und Gefecht,
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Hat vielleicht im Heidelberger
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Hirsch aus solchem Maß gezecht.

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Doch, Geliebte, draus zu nippen
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Muß man froh wie jene sein;
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Ich mit meinen blassen Lippen
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Würde diesen Kelch entweihn.

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Nicht für mich der Kreis der Trinker,
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Wenn ums Haupt der Kranz sich schlingt
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Und zu Rechter und zu Linker
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Becher an den Becher klingt!

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Leert' ich doch die letzte Hefe
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In dem Wermutkelch des Seins;
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O, wie krönt' ich noch die Schläfe
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Mit dem frischen Grün des Hains?

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Die nicht, die aus grünem Moose,
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Aus der Blätter Fülle glänzt,
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Mir geziemt die weiße Rose,
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Daß sie meine Stirn bekränzt.

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Und so mahn' ich, liebe Geber,
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Euch in diesem trüben Dank
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An die Alten, die auf Gräber
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Gossen einen Opfertrank.

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Bald an meinem ernsten Male
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Türmt der Herbst sein welkes Laub;
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Gießt mir dann aus dem Pokale
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Eine Spende in den Staub!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Adolf Friedrich von Schack
(18151894)

* 02.08.1815 in Schwerin, † 14.04.1894 in Rom

männlich, geb. Schack

deutscher Dichter, Kunst- und Literaturhistoriker

(Aus: Wikidata.org)

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