Abendempfindung

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Adolf Friedrich von Schack: Abendempfindung (1854)

1
Wie süß im dämmerhellen Walde,
2
Wenn Harzduft von den Bäumen trieft,
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Zu ruhen an der Bergeshalde,
4
In alter Sänger Lied vertieft!

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Rings Stille, daß vom Lärm der Erde
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Kaum einen Ton dein Ohr vernimmt,
7
Als das Geläut der Ziegenherde,
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Die einsam an der Halde klimmt.

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Und, wie dich aus den alten Rollen
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Der Hauch vergangner Zeit umquillt,
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Versinkt das Heut mit seinem Wollen
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Und Thun dir wie ein Schattenbild.

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Ist diese Luft, die mir mit leisen
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Windhauchen um die Schläfe spielt,
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Nicht noch dieselbe, die den Weisen
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Chaldäas einst die Stirn gekühlt?

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Sah dem verglüh'nden Sonnengolde
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Im Westen dort nicht so wie du
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An ihres Tristans Arm Isolde
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Vom Waldesrande träumend zu?

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Unsterblich, wie vor tausend Jahren,
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Blühn noch die Fluren, grünt das Laub,
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Und die Geschlechter, welche waren,
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Sie wären Asche nur und Staub?

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Nein! in dem Werden und Entfalten
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Zieht immer das Gewes'ne nur
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Durch alle Formen und Gestalten
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Der rastlos kreisenden Natur.

29
Nicht anders lebst du selbst als jene,
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Die vor Jahrtausenden gelebt;
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Alt, wie die Erde, ist die Thräne,
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Die eben dir am Auge bebt.

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Du denkst es; schon am Waldessaume
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Erlosch die Glut des Abendscheins;
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Es dunkelt, und du wirst im Traume,
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Mit allen, die gewesen, eins.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Adolf Friedrich von Schack
(18151894)

* 02.08.1815 in Schwerin, † 14.04.1894 in Rom

männlich, geb. Schack

deutscher Dichter, Kunst- und Literaturhistoriker

(Aus: Wikidata.org)

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