Die erste Schwalbe

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Adolf Friedrich von Schack: Die erste Schwalbe (1854)

1
Nun der Himmel wieder lichter
2
Und die letzte Flocke schwand,
3
Kehrst du, wie dem Griechendichter,
4
Kehrst du mir vom Morgenland?
5
Unter Palmen und Eypressen,
6
Schöne Sängerfreundin, ward
7
Nicht der Freund von dir vergessen,
8
Der im Norden dein geharrt?

9
Grüßend unsre Nacht, die kalte,
10
Hat dich jener Strand geschickt,
11
Wo noch ungetrübt das alte
12
Flammenauge niederblickt,
13
Und du singst uns von den Küsten,
14
Die das heil'ge Meer umschmiegt,
15
Das an seinen Mutterbrüsten
16
Unsern ersten Schlaf gewiegt;

17
Von dem Land, das, eh die Blindheit
18
Unsern Geist mit Nacht umgraut,
19
Mit dem Seherblick der Kindheit
20
Wir in Träumen oft geschaut;
21
Wo wir, wenn die frische Quelle
22
Uns zu ihren Borden lud,
23
In des Erdenmorgens Helle
24
Mit den Hirten oft geruht.

25
Sing denn mit dem Ruf des Werde
26
Das erstorbne Leben wach;
27
Durch das große Herz der Erde
28
Laß es pulsen hundertfach,
29
Daß in Frühlingswonne klopfend
30
Es die Winterbande sprengt,
31
Und der erste Tau sich tropfend
32
An die erste Blüte hängt!

33
Ach! in seinen Schmerz versponnen
34
Schlief mein Herz den Winterschlaf,
35
Wo kein warmer Blick der Sonnen
36
Den verpuppten Träumer traf;
37
Alle meine muntern Geister,
38
Die sonst Lebenslust gesprüht,
39
Neigten starrend in beeister
40
Nacht die Häupter schlummermüd.

41
Doch bei deiner Stimme ersten
42
Klängen klopfte hoch mein Herz;
43
Wie aus Gräbern, wenn sie bersten,
44
Die Erstandnen himmelwärts,
45
Schwangen aus der Seele Tiefen
46
Wünsche, tief verhüllt vom Tod,
47
Hoffnungen, die lange schliefen,
48
Jubelnd sich ins Morgenrot.

49
Aus des Kummers Grabgespinste,
50
Ein befreiter Falter, brach
51
Meine Liebeslust und blinzte
52
In den goldnen Frühlingstag;
53
Um sie flatterten und summten
54
Freuden aus der Gruft empor,
55
Wirbelte der lang verstummten
56
Lieder muntrer Lerchenchor.

57
Sei denn, da der alte Härmer,
58
Da der Gram des Winters wich,
59
Sei der erste Sang der Schwärmer
60
Dir geweiht – wie nenn' ich dich?
61
Rettungsbotin dem Gefangnen,
62
Oder gottgesandter Geist,
63
Der vom Grabe des Vergangnen
64
Auf die bess're Zukunft weist!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Dieser Text könnte aus folgender Literaturepoche stammen:

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Adolf Friedrich von Schack
(18151894)

* 02.08.1815 in Schwerin, † 14.04.1894 in Rom

männlich, geb. Schack

deutscher Dichter, Kunst- und Literaturhistoriker

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.