Der Husar von Auerstädt

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Adolf Friedrich von Schack: Der Husar von Auerstädt (1854)

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Nach dem Tage war es von Auerstädt;
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Verloren die preußische Ehre;
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In alle Winde die Fahnen verweht;
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Zerbrochen Waffen und Wehre;
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Da lag bei Nacht in waldiger Schlucht
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Zu kurzer Rast nach ermattender Flucht
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Ein Trupp vom geschlagenen Heere.

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Beim erloschenen Feuer am Boden schlief
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So Offizier wie Gefreiter.
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Nur einer wachte, der seufzte tief,
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Ein Major der Blücherschen Reiter.
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Er starrte tief in das Dunkel hinein
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Und knirscht' in die Zähne: »Beim Ewigen, nein!
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Ich folge der Flucht nicht weiter!

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O daß mich keine der Kugeln traf,
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Und tausende hört' ich doch pfeifen!
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Nun läg' ich ruhig im ewigen Schlaf,
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Statt ehrlos weiter zu schweifen,
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Statt lebend zu schauen in Scham und Wut,
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Wie fränkische Schergen durch Schmach und Blut
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Mein Preußen zu Tode schleifen.«

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Da wiehert sein Roß; er schwingt sich empor
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Und spornt es zu rasender Schnelle.
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So führt ihn der Pfad an des Städtleins Thor
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Beim Dämmern der Morgenhelle;
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Und dort vor dem Wirtshaus macht er Halt:
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»schaff Hafer dem Gaul! Bring Wein alsbald!
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Was zögerst du, träger Geselle?«

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Groß starrt ihm der Wirt entgegen. »Major,
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Wo ließt Ihr Augen und Ohren?
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Ihr spielt ums Leben. Das Lannessche Corps
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Rückt eben herein zu den Thoren.«
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Doch der Reiter schwingt sich vom Sattel und ruft:
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»wein her! In der graulichen Morgenluft
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Ist mir das Blut wie gefroren.

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Stoßt an! Auf besser kommende Zeit!
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Daß ein Geist sie, ein neuer, durchzücke,
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Ein Geist, der vom Joch die Gemüter befreit,
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Von Selbstsucht, Dünkel und Tücke!« –
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Nun leert er das Glas; nun schenkt er es voll;
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Horch! Trommelwirbel, Kanonengeroll,
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Dumpf dröhnend über die Brücke!

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»um Gott, Herr, wenn ich Euch raten mag,
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Flieht, flieht, statt länger zu zechen!«
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Doch lauter ruft jener. »Ein Hoch dem Tag,
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Wo wir die Ketten zerbrechen,
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Wo das würgende Schwert die Franzosen frißt,
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Wo welsche Hoffart und welsche List
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Erstickt in blutigen Bächen!

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Und verströmen wir alle das Leben auch
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Aus klaffender Herzenswunde,
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Wir jubeln froh mit dem letzten Hauch
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Entgegen der rächenden Stunde:
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Heil, Deutschland, Heil! Steig auf verjüngt
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Aus dem Boden, mit unserm Blute gedüngt
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Und den Leichen der fränkischen Hunde!«

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»da sind sie!« jammert der Wirt totblaß,
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»o spaltete gleich sich die Erde!« –
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Doch der Reiter schleudert in Scherben das Glas
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Und steigt kaltblütig zu Pferde;
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Dann ruft er, die Doppelpistolen gespannt:
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»noch winkt dem Freien ein Vaterland!
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Laßt sehn, ob zu teil es mir werde!«

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Anrücken die Feinde mit klingendem Spiel;
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Er sprengt auf dem schnaubenden Tiere
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Der Front entgegen und wählt sein Ziel
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Und streckt auf den Boden viere.
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Da knattert die Salve; von Dampf umflort,
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Stürzt Roß und Reiter zumal, durchbohrt
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Von den Kugeln der Füsiliere.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Adolf Friedrich von Schack
(18151894)

* 02.08.1815 in Schwerin, † 14.04.1894 in Rom

männlich, geb. Schack

deutscher Dichter, Kunst- und Literaturhistoriker

(Aus: Wikidata.org)

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