Drei Hexen

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Adolf Friedrich von Schack: Drei Hexen (1854)

1
Nachts auf dem rauchenden Schutte Lyons, matt von den Schreckensthaten,
2
Die sie im Fron des Konvents vollbracht, lag ein Haufe Soldaten;
3
Müde ruhte das fressende Schwert, stumm die Würgerkanone;
4
Blutgeschwollen mit wirbelnder Flut rauschte vorüber der Rhone.

5
Allen die eisernen Sinne tief hielt der Schlummer gebunden;
6
Einer, ein junger Krieger, allein hatte nicht Schlaf gefunden;
7
Fort und fort, wie Schatten und Licht über die schäumenden Fluten,
8
Zogen Gedanken ihm über die Stirn, welche nicht wichen noch ruhten.

9
Da zu Häupten ihm unversehns standen drei Weibergestalten,
10
Bleich und blutlos das Angesicht, tief umdunkelt von Falten;
11
Hagere Hände streckten sie aus, ihre Stimme scholl heiser,
12
Und im Chore riefen die drei: »Heil dir, künftiger Kaiser.

13
Der du in Glut des Kampfes den Sinn früh zu Stahl dir geschmiedet,
14
Und ihn gehärtet in Strömen des Bluts, das auf dem Schlachtfeld siedet,
15
Dem die Seele kein Mitleid taut, die zu Eise gefroren,
16
Zu gewaltigem Werk dich hat unser Meister erkoren!

17
Hörst du des Kriegsvolks wüstes Geschrei? Sengen und Rauben und Morden
18
Ist den Wütenden wie die Luft, drin sie atmen, geworden.
19
Bändige du sie mit Stachel und Zaum, führe gekoppelt die Meute,
20
Und die Völker und Reiche der Welt wirst du erjagen als Beute!

21
Wer mag leichterer Fang dir sein, Fürsten oder Nationen?
22
Locke die einen mit gleißendem Wort; ködre die andern mit Kronen;
23
Auf die Bethörten dann brich ein, wie der Wolf auf die Herden,
24
Und nicht einer wird dir entgehn – du sollst herrschen auf Erden!

25
Menschen, thöricht tolles Geschlecht, das wir zum Spiel uns erlasen!
26
Sie entstehn und vergehen in nichts, wie auf dem Schaume die Blasen;
27
Schminke nur ist das Lebensrot, um den Tod zu verbergen;
28
Zu entlarven die Lüge, zieh aus mit dem Heere der Schergen!

29
Dringst du bei brennender Städte Schein durch das Grauen der Schlachten
30
Vor, bis wo die Nebel des Pols ewig die Welt umnachten,
31
Ueber Bergen Erschlagener dort und zertrümmerten Reichen
32
Magst du in Stolz erheben dein Haupt; wer kann dir sich vergleichen?

33
Und in Freude zum erstenmal wird die Seele dir schmelzen,
34
Und Gedanken, wie keiner gedacht, wirst du im Geiste wälzen:
35
Groß wie der eine, der drunten ist, unser Meister, zu werden!«
36
Also die drei, und sie tanzten um ihn: »Du sollst herrschen auf Erden!«

37
Bleich durch den Rauch und Blutqualm schon glomm die vierte der Stunden;
38
Trommeln wirbelten; schnell in Luft waren die drei verschwunden;
39
Ihnen starrte der Jüngling nach; aber im Heer ward's rege,
40
Und aufs neu zum Verwüstungswerk riefen ihn Trommelschläge.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Adolf Friedrich von Schack
(18151894)

* 02.08.1815 in Schwerin, † 14.04.1894 in Rom

männlich, geb. Schack

deutscher Dichter, Kunst- und Literaturhistoriker

(Aus: Wikidata.org)

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