»geht, Pater Ambros! Wenn man Euch gebraucht

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Adolf Friedrich von Schack: »geht, Pater Ambros! Wenn man Euch gebraucht Titel entspricht 1. Vers(1854)

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»geht, Pater Ambros! Wenn man Euch gebraucht,
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So pflegt man Euch vor sich zu laden.« –
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»ich muß Euch sprechen, Euch sprechen, Durchlaucht!
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Sonst nähme die Seele mir Schaden.
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Geschwiegen hab' ich von Opern, Balletts
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Und allem, was, Euch zu locken ins Netz,
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Der Teufel gebraucht als Köder;
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Nichts sagt' ich zum Spiele, wie arg Ihr's triebt,
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Nichts zu den Aktricen, die Ihr geliebt;
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Doch schwieg ich zu dem, was jetzt sich begiebt,
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Ein Judas wär' ich, ein schnöder.

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Mit Grausen hör' ich, verhandeln wollt
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Ihr selber, der Landesvater,
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Sechstausend Landeskinder für Gold,
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Zu bauen ein neues Theater;
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Ja derer, die ich zu Christen getauft,
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Zweihundert habt Ihr bereits verkauft,
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Verkauft an die britischen Werber;
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Sie gehen, verdorben durch Branntewein
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Und Ketzerlehren, zur Hölle ein,
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Und die Frucht von all meinen Litanein
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Pflückt nun für sich der Verderber.

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Brecht ab, bei Eurem ewigen Heil,
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Durchlaucht, den greulichen Handel,
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Und Absolution wird Euch zu teil
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Für den sonstigen Lebenswandel.«
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»nun? Geht es zu Ende mit Eurem Sermon?«
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Ruft zornig der Herzog; »Ihr hörtet es schon,
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Nicht läßt der Beschluß sich ändern;
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Alltäglich ist solcher Handel ja,
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Auch sehnen die Burschen, sobald sie erst da,
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Sich nicht mehr zurück aus Amerika
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Nach den glücklichen Vaterländern.«

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Er geht, da ruft noch hinter ihm her
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Der wackere Pater entrüstet:
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»durchlaucht, das thätet Ihr nimmermehr,
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Wofern Ihr die Folgen wüßtet!
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Nicht hab' ich's, bei aller Ehrfurcht, Hehl:
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Eh geht durch ein Nadelöhr ein Kamel,
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Als daß Ihr kämt in den Himmel!
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Die Teufel werden über dies Geld
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Mehr jauchzen, als wenn ein Engel fällt;
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Ich höre schon, wie die Hölle gellt
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Von Jubel und Freudengetümmel.«

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Vergebens. Vom Marktplatz Paar an Paar
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Fort ziehen die jungen Soldaten;
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Für jeden zahlten die Werber bar
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Zweihundert Holländer Dukaten.
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Im Saale neben dem Schlafgemach
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Zählt selber das Gold der Herzog nach
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In den Tonnen und Säcken und Truhen.
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Das funkelt und blitzt und schimmert und blinkt;
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Kein Anblick hat ihm so süß noch gedünkt;
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Erst spät, als schläfrig das Haupt ihm sinkt,
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Streckt er sich aufs Lager zum Ruhen.

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Kaum schläft er – was stört ihn mit einem Mal?
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Hat Traum den Sinn ihm umwoben?
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Von Tanzender Tritten hallt der Saal,
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Von Pauken und Stampfen und Toben.
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Schwer will er bestrafen die Ungebühr;
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Er stürzt nach dem Saal; er öffnet die Thür
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Doch taumelt zurück mit Schrecken;
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Der Teufel selber mit Hörnern und Schwanz,
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Umgeben von höllischem Mummenschanz,
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Schwingt hin und her sich in lustigem Tanz
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Auf den Tonnen und Rollen und Säcken.

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Es jubelt und lacht und tänzelt und schwirrt
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Durcheinander in tollem Reigen;
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Das Geld zu der Tanzenden Füßen klirrt,
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Und Flöten erschallen und Geigen.
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Auf der größten der Tonnen nimmt Lucifer Platz;
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Die Hand erhebt er und segnet den Schatz;
73
Trompetenfanfaren erklingen,
74
Und um ihn spielen die andern all,
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Asmodeus und Mammon und Belial,
76
Mit den Rollen und klingenden Säcken Ball
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Und hüpfen in lustigen Sprüngen.

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In kaltem Schweiß lag der Herzog die Nacht
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Und ächzte zum Gotterbarmen:
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»wenn ich so viel Freude dem Teufel gemacht,
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Weh meiner Seele, der armen!«
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Frühmorgens die Diener poltert er wach:
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»auf, schafft mir das Gold den Werbern nach!
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Schickt Boten aus in der Runde!
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Und geben sie sonst die Rekruten nicht los,
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So zahl' ich ein Reugeld doppelt groß.
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Schnell, schnell! Auch ruft mir den Pater Ambros,
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Denn beichten will ich zur Stunde!«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Adolf Friedrich von Schack
(18151894)

* 02.08.1815 in Schwerin, † 14.04.1894 in Rom

männlich, geb. Schack

deutscher Dichter, Kunst- und Literaturhistoriker

(Aus: Wikidata.org)

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