Antonio de Leyva

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Adolf Friedrich von Schack: Antonio de Leyva (1854)

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Rings von Pavias Mauerkranz
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Gewahrt man blitzend Speer an Speer;
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Ein Jahr umzingelt König Franz
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Die Wälle schon mit seinem Heer;
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Schon wüten Pest und Hunger drinnen,
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Und keiner ist, der Hilfe bringt;
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Doch, ob der Feind auch näher dringt,
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Es wanken nicht die Festungzinnen,
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So lang für Karl, dem er vereidigt,
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Antonio Leyva sie verteidigt.

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Da sendet Franz mit welscher List
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Verkappte Späher in das Thor;
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Durch Trug, wie er am feinsten ist,
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Bethören sie der Mannschaft Ohr;
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Auf Markt und Gassen, Wall und Türmen
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Schleicht durch das Heer der Teufel Gold,
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Bis Aufruhr in Pavia grollt
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Und Meutrer zu Antonio stürmen:
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»was, Feldherr, hilft das Widerstreben?
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Die Festung müßt Ihr übergeben!«

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Drauf Leyva: »Weicht aus diesem Saal!
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Eu'r Hauptmann einzig bleibe hier
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Und meld euch dann, was ich befahl!
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Nochmals hinweg! Was zögert ihr?«
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Der Hauptmann winkt und, zu vollführen,
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Was er gebeut, gehn jene stumm;
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Antonio aber schließt ringsum
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Des Saales feste Eisenthüren
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Und donnert in des Hauptmanns Ohren:
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»zieh, Schurke, zieh! Du bist verloren!

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Verräter nenn' ich dich an Gott
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Und an des Kaisers Majestät;
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Um Gold, von Franken ausgesät,
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Treibst du mit Ehr' und Treue Spott!
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Zieh, zieh! Kein Weg zur Flucht ist offen!«
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Auf den Bestürzten eilt er los,
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Hieb folgt auf Hieb und Stoß auf Stoß;
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»weh!« – ruft der Hauptmann – »weh! getroffen!«
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Zu Boden taumelt der Bethörte,
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Durchbohrt von Don Antonios Schwerte.

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Indessen tönt von unten schon
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Der Soldateska wüst Geschrei;
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Es wächst und schwillt die Meuterei;
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Den Hauptmann fordern sie und drohn
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Mit Lanzen und entflammten Lunten;
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Antonio aber tritt gefaßt
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Auf den Balkon vor dem Palast
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Und schleudert ins Gewühl nach unten
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Den kaum erblaßten Toten nieder.
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»ihr fordert ihn, da habt ihn wieder!«

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Und wild ertönt das Racheschrein
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Der Kriegerhaufen; voll von Wut
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Verlangen sie des Feldherrn Blut;
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Doch festen Schritts in ihre Reihn
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Steigt er hinunter. »Hört, ihr alle,
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Daß diesen für Verrat und Trug
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Ich in gerechtem Kampf erschlug!
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Die Leiche werft hinab vom Walle,
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Damit wir König Franz belehren,
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Wie seine Söldlinge wir ehren!

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Ihr bebt vor Pest und Hungersnot
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Und sagt dafür der Ehre ab;
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Seht hier – es ist mein letztes Brot,
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Ich werf' es in den Strom hinab;
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Und wollt ihr noch von Schande reden
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Und Uebergabe – nun, wohlan!
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Euch alle will ich Mann für Mann
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Im Kampf bestehn und werde jeden,
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Sobald er fiel von meinen Händen,
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Als Leiche den Franzosen senden.«

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Ein Murmeln ging, als so er sprach,
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Ein Staunen durch der Krieger Reihn;
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Nicht einer wollte so mit Schmach
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Befleckt vor seinem Feldherrn sein;
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Verzeihung sich erflehend, traten
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Sie um ihn her und schwuren neu,
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Zum letzten Atemzuge treu
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Sein wert zu sein durch Heldenthaten.
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Und König Franz verließ in Schnelle,
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Da er's vernahm, Pavias Wälle.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Adolf Friedrich von Schack
(18151894)

* 02.08.1815 in Schwerin, † 14.04.1894 in Rom

männlich, geb. Schack

deutscher Dichter, Kunst- und Literaturhistoriker

(Aus: Wikidata.org)

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