Matt flackert die Lampe; der Kurfürst ringt

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Adolf Friedrich von Schack: Matt flackert die Lampe; der Kurfürst ringt Titel entspricht 1. Vers(1854)

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Matt flackert die Lampe; der Kurfürst ringt
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Am Bette des Sohnes die Hände
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Und fleht, indes er den Liebling umschlingt,
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Daß Rettung der Himmel sende.
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O, muß ihm also zum erstenmal
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Sein Friedrich Kummer bereiten?
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Und immer noch will kein Hoffnungsstrahl
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Durchs nächtige Dunkel gleiten!
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Seitdem er am Lager des Kranken gewacht,
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Ist das die dritte, schrecklichste Nacht.

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Von Jubel hallen zur selben Zeit
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Des Schlosses Erkergemächer;
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Dort schwelgt, als höhnt' er des Vaters Leid,
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Prinz Rupert im Kreise der Zecher.
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Lust leuchtet in aller Gäste Blick;
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Stromweise gießen die Diener
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In die Römer das duftende Kirchenstück
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Und von Forst den goldnen Traminer,
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Und fröhlich erschallt bei Becherklang
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Das

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»du mögst nun trauern,« – ruft einer aus –
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»die droben im alten Turme
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Du einsam lange, o Fledermaus,
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Gehaust mit dem Bücherwurme!
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Bald ruht er, so kündet sein Horoskop,
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Im Staube mit seinen Pandekten;
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Uns aber stehen, dem Himmel sei Lob,
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Die Zeichen in guten Aspekten;
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Statt seiner, der Relegation uns schwur,
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Erbt unser Gönner, Prinz Rupert, die Kur.«

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»ja, Rupert,« erhebt ein andrer das Glas,
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»weiß echte Verdienste zu ehren;
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Laßt uns, ihr Freunde, das große Faß
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Aufs Wohl des Trefflichen leeren!« –
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»hoch Rupert, der Kronprinz!« scholl es dann;
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Die blinkenden Becher klangen,
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Und der Prinz stieß mit den Zechern an;
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Ihm glühten vom Weine die Wangen.
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Im Kreise schweifte sein Blick: »Warum
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Ist nur Graf Kuno so finster und stumm?«

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Zu Boden starrt der Jüngling noch lang,
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Umdüstert die Stirn und die Brauen;
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Vom Munde dann quillt ihm mit dumpfem Klang
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Die Stimme, zitternd von Grauen:
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»im Schloßhof gestern hielt ich die Wacht
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Zunächst dem verrufenen Saale;
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Trüb schimmerten durch die Dezembernacht
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Die Sterne mit mattem Strahle;
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Da drang – in Entsetzen fuhr ich empor –
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Ein Gleiten von Tritten mir an das Ohr.

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Auf die Klinke sah ich im Dämmergrau
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Eine bleiche Hand sich legen;
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Sie kam – sie war es – die weiße Frau
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Trat durch die Thür mir entgegen.
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Ich glaubte, scheu gepreßt an die Wand,
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Das Wehn ihres Odems zu spüren;
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Sie schritt mir vorbei mit erhobener Hand,
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Vorbei an den Hellebardieren,
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Und ein Flüstern ging von Mund zu Mund:
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Sie thut Prinz Friederichs Sterben kund.«

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Er schweigt. Erst schleicht ein banges Gemurr
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Durch die Reihen der Zecher leise;
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Bald dann
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Tönt's neu in dem jubelnden Kreise.
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»uns wählt, sobald er den Kurhut erbt,
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Der Prinz zu Ministern und Räten.«
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Doch sieh! mit wankendem Schritt, entfärbt,
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Ist Rupert ans Fenster getreten!
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Er sinkt zu Boden mit dumpfem Schrei,
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Und alle stürzen besorgt herbei.

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Starr liegt er; ihm fließt von den Lippen kein Laut;
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Sie tragen hinweg ihn erschrocken.
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Horch! eh noch im Osten es dämmernd graut,
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Was hallen vom Turme die Glocken?
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Prinz Rupert starb;
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Die weiße Frau verkündet;
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Als aber das leuchtende Morgenrot
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Den Tag an den Bergen entzündet,
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Hält freudeweinend der Kurfürst fest
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Ans Herz den genesenen Friedrich gepreßt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Adolf Friedrich von Schack
(18151894)

* 02.08.1815 in Schwerin, † 14.04.1894 in Rom

männlich, geb. Schack

deutscher Dichter, Kunst- und Literaturhistoriker

(Aus: Wikidata.org)

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