Malcolms Mörder

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Adolf Friedrich von Schack: Malcolms Mörder (1854)

1
Sie haben des schlummernden Königs Haupt
2
Gefällt durch tückischen Mord!
3
Mit dem Golde stürmen sie, das sie geraubt,
4
Aus dem Schlosse von Glamis fort.

5
»dicht wirbelt, vom Winde gefegt, der Schnee;
6
Verweht ist jegliche Spur;
7
Durch Nebel und treibende Flocken, weh,
8
Wie finden den Weg wir nur?«

9
Ins Antlitz starren sich John und Dick:
10
»o wär' es nimmer geschehn!
11
Sahst du, wie zum Himmel den brechenden Blick
12
Er hob, um Rache zu flehn?

13
Sie holt uns ein. Als vom Rumpf ich ihm schlug
14
Das greise Haupt mit dem Schwert,
15
Starb stumm auf seinen Lippen ein Fluch,
16
Gott aber hat ihn gehört.«

17
Die anderen lachen. »Furcht vor Spuk
18
Hat euch die Glieder gelähmt;
19
Vom Weine des Königs ein tüchtiger Schluck
20
Wird Mut euch geben, da nehmt!«

21
Im Kreise lassen sie gehn den Wein,
22
Um das starrende Blut zu taun.
23
»nun schnell! An der Grenze müssen wir sein,
24
Eh der Morgen beginnt zu graun.

25
Grad aus den Weg! nur immer gerad!
26
Rechts liegt die Gespensterheide;
27
Links führt auf den Farfarsee der Pfad;
28
Die müssen wir fliehen beide.«

29
Im Sturm, der die Stimmen übertäubt,
30
Nicht hören einander sie mehr;
31
Sie sehen sich nicht, so wirbelt und stäubt
32
Der Schnee in den Lüften umher.

33
Sieh da! was zuckt durch die Finsternis?
34
Ein Windstoß bricht herein;
35
Die Wolken zerstäuben; herab durch den Riß
36
Fällt matt des Mondes Schein.

37
»weh, weh, im Kreise sind wir geirrt!
38
Von Glamis das Schloß ragt dort.
39
Seht ihr, wie's hell an den Fenstern wird?
40
Hört ihr die Töne? Fort! fort!«

41
Klar leuchtet hernieder vom Kirchlein des Turms
42
Der Altarkerzen Strahl,
43
Und herüber hallt durch die Pausen des Sturms
44
Der Totenamtchoral.

45
Da dröhnt zu den Füßen der Mörder jäh
46
Ein Krachen wie Donnerrollen;
47
Sie stehn auf dem Eis; auf reißt sich der See,
48
Es bersten und knirschen die Schollen.

49
Durch gähnende Spalten schießt und quillt
50
Das Wasser mit schäumenden Wellen;
51
In den Strudel, der hoch und höher schwillt,
52
Versinken die Mordgesellen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Adolf Friedrich von Schack
(18151894)

* 02.08.1815 in Schwerin, † 14.04.1894 in Rom

männlich, geb. Schack

deutscher Dichter, Kunst- und Literaturhistoriker

(Aus: Wikidata.org)

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