Ragnars Tod

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Adolf Friedrich von Schack: Ragnars Tod (1854)

1
Geschlagen ist die blutige Schlacht;
2
Zu Fall hat Ragnar die Feinde gebracht
3
Und errungen ein Königreich.
4
Des Wegs nun zieht er zur Krönungsstadt,
5
Um ihn, vom Kampfe des Tages matt,
6
Die Seinen blutend und bleich.

7
Stolz wallen die Banner im Abendschein;
8
Doch bang hinflüstert es durch die Reihn:
9
»weh, weh um Ragnar den Guten!
10
Seht, wie an der Brust ihm die Wunde klafft!
11
Die Rechte preßt er darauf mit Kraft,
12
Um nicht zu früh zu verbluten!«

13
Er starrt zu Boden und reitet fürbaß.
14
»o Herr! Gebieter! wie schaust du so blaß?«
15
Doch Ragnar blickt nicht empor;
16
Mag bluten sein Renner mit wankendem Schritt,
17
Er spornt ihn zur Eile und hemmt nicht den Ritt,
18
Bis er steht an der Hauptstadt Thor.

19
Hinunter sich schwingt er vom stürzenden Roß
20
Und schreitet die Stufen hinauf zum Schloß,
21
Gestützt auf den weinenden Sohn;
22
Hell flammen im Saale die Fackeln ringsum,
23
Und durch die Reihen der Ritter stumm
24
Steigt Ragnar empor zum Thron.

25
Und als er aufs Haupt die Krone sich drückt,
26
Da steht er wie neu von Leben durchzückt,
27
Sein Auge in Glut erglommen;
28
Gebietend heischt er hin durch den Saal:
29
»herolde! nun dient mir zum letztenmal
30
Und kündet den Toten mein Kommen!

31
Zu tief ist die Wunde, sie heilet nicht;
32
Doch kühn nun kann ich vors Angesicht
33
Der tapferen Ahnen treten;
34
Eine Krone lass' ich dem Sohne mein
35
Und zieh' als König in Walhall ein –
36
Herolde, blast die Drommeten!«

37
Von der Wunde reißt er die Hand geschwind;
38
Laut schmettert das Erz; sein Leben verrinnt
39
In des Blutes strömenden Fluten.
40
Die Ritter löschen die Fackeln, und bang
41
Durch die Nacht hin tönt zum Drommetenklang
42
Ihr Klagen um Ragnar den Guten.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Dieser Text könnte aus folgender Literaturepoche stammen:

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Adolf Friedrich von Schack
(18151894)

* 02.08.1815 in Schwerin, † 14.04.1894 in Rom

männlich, geb. Schack

deutscher Dichter, Kunst- und Literaturhistoriker

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.