Der Triumphator

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Adolf Friedrich von Schack: Der Triumphator (1854)

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Stolz im Triumph glorreicher Siege,
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Wie keiner sie erkämpft zuvor,
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Zieht auf der leuchtenden Quadrige
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Aemilius Paulus durch das Thor;
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Es wirbelt Duft aus goldnen Becken;
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Roms Tempel sind mit Purpurdecken,
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So schön sie Tyrus beut, behängt,
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Und rauschend tönt's, wie Meeresbranden,
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Wo sich das Volk in Festgewanden,
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Des Feierzuges harrend, drängt.

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Auf Helmen, Schilden, Wurfgeschossen,
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Auf Rüstungen von blankem Stahl,
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Auf Marmorbildern, Erzkolossen
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Spielt wie verirrt der Sonnenstrahl;
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Jünglinge nerv'gen Armes führen
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Von des Clitumnus weißen Stieren
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Die schönsten hundert, kranzgeschmückt;
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In Reihen dann, ein Spott der Sieger,
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Nahn Macedoniens blasse Krieger,
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Von eh'rner Ketten Wucht gedrückt.

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Drauf er, dem bis zu Asiens Landen
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Sich gestern noch gedehnt das Reich,
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Der König selbst in Eisenbanden,
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Dem niedersten der Sklaven gleich;
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An seiner Seite flehn zwei Söhne,
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Fast Kinder noch, von holder Schöne,
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Der stolzen Römer Mitleid an;
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Dann siehe! durch die Ehrenbogen
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Der Legionen trunknes Wogen,
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Des Siegers weißes Roßgespann!

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Beim Jauchzen der Triumphgesänge,
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Das tausendstimmig rings erschallt,
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Rollt die Quadriga durch die Menge
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Und macht am Kapitole Halt.
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Aemilius steigt durchs Jubelrufen
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Des Volkes die phorphyrnen Stufen
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Zum Haus des Donnerers hinauf;
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Da, durch die Menschenwoge dringend,
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Stürzt, bleich von Antlitz, händeringend,
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Ein Sklav' ihm nach in hast'gem Lauf.

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»o Herr, vernimm die Trauerkunde!
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Was dir des Lebens Liebstes war,
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Ward dir geraubt in
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Der Zwillingssöhne blühend Paar!
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Ein Blitzstrahl hat die zwei erschlagen,
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Als mittags sie entschlummert lagen
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Im Oelwald der Akademie;
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Her von Athen, damit die Laren
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Der Heimat ihren Staub bewahren,
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Im Sarkophage bring' ich sie.«

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Die rings die Botschaft hören, schauen
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Voll Mitleid auf Aemilius:
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»weh, daß in Gram und Todesgrauen
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Ihm der Triumphtag enden muß!«
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Doch er tritt, kaum entfärbt die Wange,
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Zum Tempel ein mit festem Gange,
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Vollzieht das Opfer am Altar
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Und ruft, indes die Flammen lohen:
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»nun bring' ich erst, ihr Ew'gen, Hohen,
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Euch Dank aus vollem Herzen dar!

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Als kühn wie nie mit Siegesprangen
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Von Schlacht zu Schlacht Roms Adler flog,
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Als König Perseus selbst gefangen
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Einher vor meinem Wagen zog,
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Da bebt' ich vor des Schicksals Tücke;
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Da dacht' ich: allzugroßem Glücke
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Stürmt rächend das Verderben nach;
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Mir bangte, daß des Schicksals Bürde
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Sich über Rom entladen würde
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In ungeheurem Wetterschlag.

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Doch nun, ihr Götter, darf ich hoffen,
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Gerettet sei das Vaterland,
73
Da
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Den das Geschick herabgesandt;
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Gesättigt nun in einer vollen,
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Gewalt'gen Rache ward sein Grollen;
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Denn Unglück traf mein Haupt so schwer,
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Daß den Besiegten ich beneide;
79
Ihm blieben seine Söhne beide,
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Ich aber habe keinen mehr.«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Adolf Friedrich von Schack
(18151894)

* 02.08.1815 in Schwerin, † 14.04.1894 in Rom

männlich, geb. Schack

deutscher Dichter, Kunst- und Literaturhistoriker

(Aus: Wikidata.org)

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