Wohin, o Herz

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Adolf Friedrich von Schack: Wohin, o Herz Titel entspricht 1. Vers(1854)

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Wohin, o Herz,
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Das fort und fort im Busen mich stachelt,
3
In welches Wagnis mich hast du verlockt?
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Auf himmelnahem Gipfel,
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Den kaum der Gedanke erklimmt,
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Der einzig Atmende ich,
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Im unendlichen Raume verloren;
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Höher als ich nur der strahlende Orion,
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Den Schild durchs Unermeßliche streckend!
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Unten die Tiefe, die bodenlose,
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Drin Meer und Inseln begraben.

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Uralte Nacht,
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Riesige Sphinx, die in dunkler Brust
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Des Daseins Rätsel du hütest,
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An deines Reiches Pforten
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Hier steh' ich voll Grauen,
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Und schwindelnd, jähen Sturzes,
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Vom Kraterrande des Feuerberges
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Gleitet der Geist mir hinab
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In die unterirdischen Hallen,
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Wo deine Kinder, die finsteren Erdgewalten,
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Wie schlummernde Riesen
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Auf ihren Lagern ruhn.

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So durch des Menschen Seele
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Führen tiefe Schachte,
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Düstere, vielgewundne,
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Hinab in Finsternis,
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Und oft, hinunterstarrend,
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In sich selbst zu versinken zagt sie.
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Furchtbare Mächte
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Schlummern in ihrer Tiefe;
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Weh, wenn die entsetzlichen,
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Vom Unheil geweckt,
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Die schlaftrunknen Häupter schütteln!
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Wie die Titanen dort unten,
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Des schwarzen Kerkers Pforten sprengend,
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Ihr Fest der Zerstörung feiern,
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Gewitternd so aus der Seele Abgrund
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Steigen die grausen Dämonen
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Verzweiflung, Wahnsinn,
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Mit Wirbelrauch
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Ihr todgeweihtes Opfer umhüllend.

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Aber was zuckt durch das Dunkel?
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Dämmernd am Himmelsrande
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Glimmt es empor,
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Ein Flammenglanz umspielt den Gipfel,
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Wo gleich Adlern in Lüften ich schwebe;
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Wie glühende Tropfen
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Sinken die Sterne
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In die Wirbel des steigenden Tages;
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Unten in schwindelnder Tiefe
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Leuchtet und blitzt mit den duftenden Inseln
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Der unermeßliche Ocean,
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Und allein, allein,
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Wie in der Seele ein großer Gedanke,
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Schreitet der Lichtgeist
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Ueber den Weltrand.

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Heil, Glorreich-Herrlicher!
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Durch alle Räume
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Bis in des Dunkels tiefste Falten,
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Der Seele verborgensten Abgrund
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Laß deine Feuerströme fluten,
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Daß die finsteren Mächte
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Vor der Glanzfülle vergehn
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Und die Welt dem erlösenden Strahl
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In ewigem Hymnus erklinge.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Adolf Friedrich von Schack
(18151894)

* 02.08.1815 in Schwerin, † 14.04.1894 in Rom

männlich, geb. Schack

deutscher Dichter, Kunst- und Literaturhistoriker

(Aus: Wikidata.org)

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