Halb schon verschüttet von dem weh'nden Sande

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Adolf Friedrich von Schack: Halb schon verschüttet von dem weh'nden Sande Titel entspricht 1. Vers(1854)

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Halb schon verschüttet von dem weh'nden Sande
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Ragt einsam dies verfallne Grab;
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Die Sonne flammt darauf in lohem Brande,
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Wie vor Aeonen, noch herab.

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In keinem Grashalm, nicht im dürrsten Moose
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Ringsum von Leben eine Spur;
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Weit dehnen sich bis in das Grenzenlose
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Der Himmel und die Wüste nur.

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Und Bilder seh' ich auf dem Stein und Zeichen
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In einer Schrift, die keiner kennt,
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Gestalten, die der Völker keinem gleichen,
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So viele die Geschichte nennt.

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Wen birgt das Grabmal? Eines Königs Leiche,
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Der hier das Scepter schwang
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Und stolz hinunter sah auf seine Reiche
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Vom Aufgang bis zum Niedergang.

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In Sprachen, nun jahrtausendlang verklungen,
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Ward ihm vielleicht Unsterblichkeit,
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Wie den Gesängen, drin sie ihn besungen,
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Von seinen Dichtern prophezeit.

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Vielleicht – doch nein, nicht einen Laut mehr stammelt
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Von damals die Erinnerung,
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Und vor dem Staube, der sich hier gesammelt,
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Scheint jede andre Vorwelt jung.

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Wer giebt mir Kunde von der Zeit, der langen,
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Die schon auf Erden war?
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Wer nennt mir eine, die nicht schon vergangen,
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Und wär' es Platos Riesenjahr?

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Selbst fühl' ich hier das Haupt mir von der Schwinge
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Des Todesengels schon umkreist,
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Und schwindelnd in die große Nacht der Dinge
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Versinkt mit Zagen mir der Geist.

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O Mensch, mit deinem Schaffen, deinem Streben,
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Du Opfer der Vergessenheit,
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Was zählst du deine Jahre? Nur im Leben,
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Allein im Tod ist keine Zeit.

37
Im Tod ist keine Zeit. Führt er als Beute
38
Dich heute noch zum Hades ein,
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So wirst du in dem Schattenreich noch heute
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Gleich alt mit König Cheops sein.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Adolf Friedrich von Schack
(18151894)

* 02.08.1815 in Schwerin, † 14.04.1894 in Rom

männlich, geb. Schack

deutscher Dichter, Kunst- und Literaturhistoriker

(Aus: Wikidata.org)

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