Auf dem Nil

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Adolf Friedrich von Schack: Auf dem Nil (1854)

1
Welch ein Geheimnis bergen deine Wellen,
2
O alter Nil, der ferneher,
3
Wo Tropensonnenstrahlen deine Quellen
4
Am Gletscherhaupt des Mondgebirgs erhellen,
5
Du sinnend gleitest in das Meer?

6
Von deinem Wogenspiele sanft gehoben,
7
Blick' ich, ans Steuer hingeschmiegt,
8
Bald auf zur blauen Himmelswölbung droben,
9
Bald abwärts, wo, aus Silberglanz gewoben,
10
Ein zweiter Sternenhimmel liegt.

11
Bleikuppeln ragen, weißgezinnte Städte
12
Hervor aus dunklem Palmenwald,
13
Moscheen und goldne Halbmondminarete,
14
Von denen oft ein Rufen zum Gebete,
15
Die Flut im Nachtwind kräuselnd, schallt.

16
Grabhallen, draus den Staub der Pharaonen
17
Der Wind der Wüste lang verstreut,
18
Zertrümmerte Paläste und Pylonen
19
Bei Hütten Lehms, drin braune Fellahs wohnen,
20
Das ärmliche Geschlecht des Heut!

21
Dann Obelisken, noch zur Sonne steigend,
22
Und Pyramiden von Granit,
23
Gesunkne Riesentempel, ewig schweigend,
24
In Bildern noch des Rhamses Kämpfe zeigend,
25
Wie er das Weltreich sich erstritt!

26
An Säulenstürzen, die schon Trümmer waren,
27
Da Nacht Europa noch umschlang,
28
Zieht mit den hochgehalsten Dromedaren,
29
Umweht vom Staube von fünftausend Jahren,
30
Der Karawanenzug entlang.

31
Vorbei! Stets weiter werd' ich fortgezogen,
32
Als ende nimmerdar die Fahrt;
33
Wie traumhaft murmeln um mein Haupt die Wogen,
34
Und Sterne tauchen auf am Himmelsbogen,
35
Die nie des Nordens Blick gewahrt.

36
Welch ein Geheimnis bergen deine Wellen,
37
O alter Nil, der ferneher,
38
Wo Tropensonnenstrahlen deine Quellen
39
Am Gletscherhaupt des Mondgebirgs erhellen,
40
Du sinnend gleitest in das Meer?

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Dieser Text könnte aus folgender Literaturepoche stammen:

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Adolf Friedrich von Schack
(18151894)

* 02.08.1815 in Schwerin, † 14.04.1894 in Rom

männlich, geb. Schack

deutscher Dichter, Kunst- und Literaturhistoriker

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.