Prolog zu dem Buch »Anatol«

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Hugo von Hofmannsthal: Prolog zu dem Buch »Anatol« (1901)

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Hohe Gitter, Taxushecken,
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Wappen nimmermehr vergoldet,
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Sphinxe, durch das Dickicht schimmernd ...
4
... Knarrend öffnen sich die Tore. –
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Mit verschlafenen Kaskaden
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Und verschlafenen Tritonen,
7
Rokoko, verstaubt und lieblich,
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Seht ... das Wien des Canaletto,
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Wien von siebzehnhundertsechzig ...
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... Grüne, braune stille Teiche,
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Glatt und marmorweiß umrandet,
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In dem Spiegelbild der Nixen
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Spielen Gold- und Silberfische ...
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Auf dem glattgeschornen Rasen
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Liegen zierlich gleiche Schatten
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Schlanker Oleanderstämme;
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Zweige wölben sich zur Kuppel,
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Zweige neigen sich zur Nische
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Für die steifen Liebespaare,
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Heroinen und Heroen ...
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Drei Delphine gießen murmelnd
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Fluten in ein Muschelbecken ...
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Duftige Kastanienblüten
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Gleiten, schwirren leuchtend nieder
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Und ertrinken in den Becken ...
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... Hinter einer Taxusmauer
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Tönen Geigen, Klarinetten,
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Und sie scheinen den graziösen
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Amoretten zu entströmen,
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Die rings auf der Rampe sitzen,
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Fiedelnd oder Blumen windend,
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Selbst von Blumen bunt umgeben,
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Die aus Marmorvasen strömen:
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Goldlack und Jasmin und Flieder ...
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... Auf der Rampe, zwischen ihnen
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Sitzen auch kokette Frauen,
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Violette Monsignori ...
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Und im Gras, zu ihren Füßen
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Und auf Polstern, auf den Stufen
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Kavaliere und Abbati ...
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Andre heben andre Frauen
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Aus den parfümierten Sänften ...
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... Durch die Zweige brechen Lichter,
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Flimmern auf den blonden Köpfchen,
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Scheinen auf den bunten Polstern,
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Gleiten über Kies und Rasen,
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Gleiten über das Gerüste,
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Das wir flüchtig aufgeschlagen.
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Wein und Winde klettert aufwärts
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Und umhüllt die lichten Balken,
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Und dazwischen farbenüppig
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Flattert Teppich und Tapete,
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Schäferszenen, keck gewoben,
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Zierlich von Watteau entworfen ...

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Eine Laube statt der Bühne,
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Sommersonne statt der Lampen,
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Also spielen wir Theater,
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Spielen unsre eignen Stücke,
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Frühgereift und zart und traurig,
60
Die Komödie unsrer Seele,
61
Unsres Fühlens Heut und Gestern,
62
Böser Dinge hübsche Formel,
63
Glatte Worte, bunte Bilder,
64
Halbes, heimliches Empfinden,
65
Agonien, Episoden ...
66
Manche hören zu, nicht alle ...
67
Manche träumen, manche lachen,
68
Manche essen Eis ... und manche
69
Sprechen sehr galante Dinge ...
70
... Nelken wiegen sich im Winde,
71
Hochgestielte weiße Nelken,
72
Wie ein Schwarm von weißen Faltern,
73
Und ein Bologneserhündchen
74
Bellt verwundert einen Pfau an.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Hugo von Hofmannsthal
(18741929)

* 01.02.1874 in Wien, † 15.07.1929 in Rodaun

männlich, geb. von Hofmannsthal

| Schlaganfall

österreichischer Schriftsteller, Dramatiker, Lyriker und Librettist

(Aus: Wikidata.org)

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