Botschaft

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Hugo von Hofmannsthal: Botschaft (1901)

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Ich habe mich bedacht, daß schönste Tage
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Nur jene heißen dürfen, da wir redend
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Die Landschaft uns vor Augen in ein Reich
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Der Seele wandelten: da hügelan
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Dem Schatten zu wir stiegen in den Hain,
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Der uns umfing, wie schon einmal Erlebtes,
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Da wir auf abgetrennten Wiesen still
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Den Traum vom Leben niegeahnter Wesen,
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Ja ihres Gehns und Trinkens Spuren fanden
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Und übern Teich ein gleitendes Gespräch,
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Noch tiefere Wölbung spiegelnd als der Himmel:
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Ich habe mich bedacht auf solche Tage,
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Und daß nächst diesen drei: gesund zu sein,
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Am eignen Leib und Leben sich zu freuen,
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Und an Gedanken, Flügeln junger Adler,
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Nur eines frommt: gesellig sein mit Freunden.
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So will ich, daß du kommst und mit mir trinkst
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Aus jenen Krügen, die mein Erbe sind,
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Geschmückt mit Laubwerk und beschwingten Kindern,
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Und mit mir sitzest in dem Garten-Turm:
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Zwei Jünglinge bewachen seine Tür,
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In deren Köpfen mit gedämpftem Blick
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Halbabgewandt ein ungeheures
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Geschick dich steinern anschaut, daß du schweigst
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Und meine Landschaft hingebreitet siehst:
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Daß dann vielleicht ein Vers von dir sie mir
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Veredelt künftig in der Einsamkeit
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Und da und dort Erinnerung an dich
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Im Schatten nistet und zur Dämmerung
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Die Straße zwischen dunklen Wipfeln rollt
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Und schattenlose Wege in der Luft
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Dahinrollt wie ein ferner goldner Donner.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Hugo von Hofmannsthal
(18741929)

* 01.02.1874 in Wien, † 15.07.1929 in Rodaun

männlich, geb. von Hofmannsthal

| Schlaganfall

österreichischer Schriftsteller, Dramatiker, Lyriker und Librettist

(Aus: Wikidata.org)

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