5.

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Otto Julius Bierbaum: 5. (1887)

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Täglich fahr ich mit Pietro,
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Meinem wohlbeleibten Kutscher
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(und mit seinem Pferdchen Palle,
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Welches auch nicht mager ist),

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Täglich nachmittags um dreie
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Fahr ich auf der alten Straße,
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Die sehr steil ist und sehr holprig,
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Erst nach San Domenico

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Und sodann, vorbei der Villa,
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Wo Herr Dante einst verliebt war,
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Zwischen hohen Gartenmauern
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Nach Florenz. Dort trink ich Tee.

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»wie? Und der Palazzo Pitti?
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Accademia? Uffizien?
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Bibliotheca Laurenziana?
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Hast du nicht nach Schönheit Durst?«

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Oh ja. Aber für Museen
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Bin ich selten nur in Stimmung;
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Denn es sind Konservenbüchsen;
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Ihre Schönheit schmeckt nach Blech.

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»wie? Die himmlische Tribuna?
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Alessandro Botticelli?
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Cimabue? Donatello?«
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Alle schmecken dort nach Blech.

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Lieber wandre ich durch dunkle
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Kirchen mit dem Operngucker
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Und verrenke Hals und Kopf mir
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Nach der dort verstecken Kunst.

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Da nur wirkt sie noch ins Leben,
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Thront sie noch auf ihrem Throne,
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Frei, gebietend, nicht gefangen:
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Atmet aus und atmet ein.

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Denn ein Kunstwerk braucht den Atem,
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Braucht die Luft des tätigen Lebens;
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Seine Schönheit wird zum Schemen,
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Sperrt man sie vom Leben ab.

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Stünde David noch im Freien,
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Dort, wohin ihn schuf sein Schöpfer,
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Wohl, er wäre nicht so glänzend
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Weiß wie jetzt und »fast wie neu«,

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Aber, grau vielleicht und rissig,
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Mitgenommen von Frost und Feuchte,
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Leidend, wie das Leben immer
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Leiden muß, um

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Stünd er heldenhaft lebendig,
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Sterbend stünd er noch lebendiger,
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Herrlicher, strahlender da, als jetzt im
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Abgemessenen Oberlicht.

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»und verdürbe.« Freilich. Alles
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Leben muß einmal verderben.
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Aber leben soll es, leben:
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Wirklich leben, bis es stirbt.

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Denkt nicht immer an die Enkel!
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Denkt an euch, wie jene taten,
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Die ihr Leben sich verklärten,
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Bildner ihrer Gegenwart.

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Dann erst hättet ihr ein Recht, sie
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In die heiligen Leichenkammern
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Eurer Pietät zu stecken,
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Brauchtet ihr für Eignes Platz.

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Doch genug. Ich geh zu Gilli,
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Trinke Tee und esse Kuchen.
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Leider bin ich manchmal schwach und
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Lese Zeitungen dazu.

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Heiliger Marsyas! Noch immer,
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Simson Deutschland, sind Philister,
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Ach, und was für eine Sorte
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(frech und bieder), über dir.

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Deine Delila heißt Wohlstand.
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Üppigst hast du zugenommen.
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Wohl bekommt dein Fett dem Bauche,
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Doch dem Hirn bekommt es schlecht.

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Und der Seele, ach, der edlen
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Deutschen Seele fehlts am Raume,
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Scheint es, in dem kolossalen
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Korpus, der ganz Masse ist.

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Bocke, bocke nicht, Trochäus!
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Jetzo mußt du Zahlen buckeln.
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Schwer fällt wohl dabei das Tanzen,
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Doch dein Kriechen kündet Ruhm:

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Seit dem Jahre achtzehnhundert-
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Achtzig stieg von einunddreißig
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Teilen unser Kohlenkonsum
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Bis auf hundert heut. Respekt!

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Der Verbrauch von Weizen hat sich
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In derselben Zeit verdoppelt.
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Apfelsinen ißt man ditto
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Doppelt mehr als dazumal.

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Und nun gar der Heckepfennig,
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Symbolum des höheren Lebens,
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Hat um zweiundachtzig Hundert-
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Teile löblich sich vermehrt.

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Simson! Simson! Wahr die Haare!
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Delilachen liebt die Glatzen!
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Selbst die Haare auf den Zähnen
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Küßt sie, fürcht ich, dir noch weg.

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Schon hast du das Byzantinern
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Allzurasch gelernt, schon zieht dein
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Bauch dich tiefer auf die Erde,
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Als es Ehrerbietung heischt.

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Treibe andere Gymnastik,
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Als nach vorn die Rückenbeuge!
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Steige, Simson, wie du stiegst, als
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Michel Deutsch noch mager war!

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Cameriere! Cameriere!
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»subito!« – Pagare! – »Grazie!«
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So. Jetzt geh ich zum Lungarno,
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Schöne Damen anzusehn.

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Warum nicht? Ich kanns vergnüglich,
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Denn ich habe eine schönre.
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Treue ist für den kein Kunststück,
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Der bei jedem Tausch verliert.

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Ah, die Gräfin Montignoso!
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Na, so, so. Da: die Geliebte
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Des viel schönren Gabriele.
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(»Rübchen« heißt er eigentlich.)

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Nun, nicht übel: Rasse, Feuer,
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Gertenbiegsam, große Augen,
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Wie sie für die weite Bühnen-
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Perspektive nützlich sind.

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Dort: Amerika. Das ist nun
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Nicht mein Fall. Protzt Hygiene.
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Resultat der Speisekarte.
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Wenig Anmut, viel Effekt.

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England. Aoh! Noch immer schwärmt die
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Miß für »ihren« Botticelli.
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Engelhaft und englisch gibt ein
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Wunderliches Mischprodukt.

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Endlich kommt, der ich schon lange
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Aufgelauert habe, kommt die
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Große Modekurtisane,
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Die Bellezza von Florenz.

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La Signora Millelire
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Heißt man sie. Des zum Beweise
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Trägt sie eine Perlenkette,
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Die gewiß nicht billig ist.

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Sonst: Ich danke. Bloß Bellezza.
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Ansichtskarten-Schönheitstypus;
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Gut genug für jene Beutel,
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Die voll mille lire sind.

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Aber nun: Oh teure Heimat!
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Kommt da nicht das süße Gretchen,
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Das, weils seinen Hans gefunden,
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Schleunigst nach Florenz gemußt?

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Ja, sie kommt, und ja, sie lächelt,
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Ja, sie ist ganz hin vor Selig-
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Keit und großem Glücke, weil sie
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Wirklich in Italien ist.

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Spotte nicht, verruchter Knabe!
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Laß ihr auch das jugendstilig
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Künstlerich empfundne, aber
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Praktische Reformkostüm.

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Ist sie trotzdem nicht recht niedlich?
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Frage dich: wie viele solche
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Mündchen, Äugelchen und Näschen
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Haben ehmals dich entflammt?

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Außerdem: »Frühlings Erwachen«
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Hat auch diese tief begriffen,
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Und sie ist durchaus kein Gretchen
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Wie das alte Gretchen mehr.

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Neue Jugend! – »Jugend«! Präge
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Tief es dir in dein Gemüte:
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Von der alten »Gartenlaube«
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Sind wir absolut befreit.

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Auf, und greife in die Harfe!
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Unser Gretchen ist verwandelt,
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Unser Gretchen ist ästhetisch,
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Unser Gretchen ist modern.

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Sieh, sie geht in einen Laden,
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Wo man schöne Marmorsachen
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Billig kauft. Nun: was erstand sie?
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Ha! Ein nacktes Frauenbild!

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Schlag die Harfe! Schlag die Harfe!
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Denn Germania ist gerettet.
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Zwar: sie kaufte einen Kitsch, doch,
176
Heil, es war ein nackter Kitsch!

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Vetturino! »Sissignore«.
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Nach Fiesole! – Die Gäulchen
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Brauchen Gott sei Dank zwei Stunden,
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Bis ich wieder oben bin.

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Denn es ist ein schönes Fahren,
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Langsam, langsam, bis zur Höhe.
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Unten liegt, wie eine Muschel,
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Rosafleischig überhaucht,

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Traumhaft, wesenlos, ein sanftes,
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Zages Blinken, liegt phantomisch
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Diese Stadt der alten, edlen
188
Phrasenfeindlichen Kultur.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Otto Julius Bierbaum
(18651910)

* 28.06.1865 in Zielona Góra, † 01.02.1910 in Dresden

männlich

deutscher Autor und Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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