1
Als sich zum fünften Male im Westen
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Die Sonne verbarg vor des Mondes Schein,
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Bedrückte wieder die Luft Chodschesten,
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Des schönen Fremdlings Lust zu sein.
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Und sprach mit Seufzern, tief entpreßten,
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Zu unserm klugen Papagein:
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Wie kannst du mich so bangen sehn!
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Grausamer Vogel, laß heute mich gehn!
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Der Papagei benetzte sich
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Die dicke Zung, tat einen Strich
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Mit seinem Schnabel am Gefieder,
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Hob müd die schweren Augenlider
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Und sprach, ein wenig schläferig:
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Geh, schöne Frau! Beeile dich!
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Denn, Herrin, sieh, es kann geschehn,
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Dein Gatte kehrt mit einmal wieder,
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Und, was du dir in Wünschen baust,
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In heißen Sinnen lebend schaust,
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Wirst plötzlich du verschwinden sehn,
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Wie jene Vier ihr Meisterstück.
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Verschwunden wars, kam nie zurück.
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Was denn? Was wars? Was ist verschwunden?
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Ein Meisterstück? Nie mehr gefunden?
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Wars wirklich so ein kostbar Ding?
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Ein Bild? Ein Lied? Ein Kleid? Ein Ring?
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Ach, liebes, gutes Papchen, sprich!
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Der Vogel kraute sich am Schopfe
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Und wackelte mit seinem Kopfe
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Und tat das linke Auge zu
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Und sprach nach seiner Art, gemessen,
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Langsam, um ja nichts zu vergessen:
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Ein Goldschmied und ein Zimmermann,
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Die huben eine Reise an
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Und fanden, wie sie fürbaß schritten,
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Am Wege als willkommnen Dritten
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Einen alt ehrwürdigen Eremiten,
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Und, als sie weiter pilgerierten,
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Gleichfalls willkommen einen Vierten.
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Das war ein Schneider lobesan,
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Mit dem sie fleißig diskutierten.
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So kam denn bald die Nacht heran.
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Kein Baum, kein Strauch in weiter Runden:
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Die Wüste wars, in der sie stunden.
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»ich mein, wir wolln uns schlafen legen!«
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Der Schneider sprach. Und »meinetwegen«
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Erwiderte der Zimmermann.
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Der Goldschmied war auch nicht dagegen,
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Und, weil man zu nachtschlafner Zeit
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Nichts Beßres tun, als schlafen kann,
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Gab auch Einsiedel seinen Segen.
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Jedoch gebot Fürsichtigkeit,
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Daß jeder einmal nach der Reih
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Zur Sicherheit der Kumpanei
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Gebotner Wache mußte pflegen.
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Daß ihm nicht auch die Lider sänken,
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Begann im Kreise weit herum
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Der Zimmermann den Schritt zu lenken.
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Und, siehe da, er fand ein Trumm
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Von einem Lorbeerbaum am Wege.
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»du kommst mir recht in mein Gehege«,
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Sprach allsogleich der Zimmermann
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Den schönen dicken Baumstamm an,
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Und nahm sein Beil und hieb ihn glatt
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Und rund und schön. Und, noch nicht satt
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Der lieben Arbeit, sachte, sachte
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Er ein Figürchen daraus machte,
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Schöngliederig und schlank und fein,
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So, wie er sich das Mädchen dachte,
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Das einmal möcht sein Weibchen sein.
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Der Goldschmied sah das Dingchen an
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Und dachte sich: »Da fehlt was dran.
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Ein Mädchen ohne Kett und Ring,
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Das ist fürwahr ein halbes Ding.«
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Und tät sogleich den zierlichen Gelenken
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An Fuß und Hand Goldreife schenken
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Und eine Perlschnur um den Hals.
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Brust, Stirn und Ohren ebenfalls
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Bedacht er kunstreich mit Geschmeiden.
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Dann tippte er den Schneidersmann
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Mit leisem Finger weckend an
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Und sprach: »Ich laß dir was zu kleiden!«
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»was!?« rief der Schneider, »in der Nacht?!
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In dieser leeren Wüstenei?«
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Dann aber: »Himmel! Welche Pracht!«
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Und gleich begann die Schneiderei.
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Denn, was ein rechter Schneider heißt,
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Die Nacktheit nicht als höchstes preist,
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Und wenn sie zehnmal göttlich sei.
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Hat also Kleiderchen gemacht
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Dem Weibchen so aufs allerbeste,
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Daß es, obwohl aus Holze, lacht
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(das gleiche tat Madam Chodscheste)
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Und selig in die Wüste schaut,
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Als wärs lebendig eine Braut.
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Der Schneider sehr zufrieden war.
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Zupfte Einsiedelmann am Haar
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Und sprach: »Hochwürden wollt geruhn,
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Einen frommen Blick dorthin zu tun,
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Wo uns Besuch geworden ist,
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Erbaulich für Moslem und Christ.
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Ich weiß, es wird Euch nicht verdrießen,
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Einer Huri Anblick zu genießen,
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Und sicher ist, wie müd Ihr seid:
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Vor Schlaf seid Ihr anjetzt gefeit!«
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Und also wars. Einsiedelmann
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(dieweil ein Frommer sonst nichts kann)
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Hub allsogleich zu beten an
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Mit selig hochgezogenen Braun
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Zum Dank, daß ihm das Glück beschert,
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In Wüstennacht ein Weib zu schaun,
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An Schönheit des Propheten wert.
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»nur«, sprach er zu sich selber dann,
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»wie schade, daß das Ding nicht lebt,
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Der Busen sich nicht senkt und hebt,
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Der volle Arm ans Herz nicht drückt,
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Das dunkle Aug ins Herz nicht blickt!«
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Und warf sich nieder auf die Erden:
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»bei Allah! Das muß anders werden!
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Allah ist groß! Allah vermag
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Aus Nacht zu machen hellen Tag;
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Drum wird er, wenn ein Frommer fleht
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(wie ich), auf herzliches Gebet
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Gewiß, gewiß ein Wunder tun!
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Allah, nicht wahr, du wirst geruhn
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Und allsogleich befehlen nun,
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Daß Lebensodem in sie weht,
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Die viel zu schön ist, tot zu bleiben!
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O Allah, laß sie nicht bloß leiben!
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Laß sie auch leben! Und – laß sie lieben!
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Wir alle wären ja Staub geblieben,
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Hättest nicht du in unsre Nasen
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Deines Geistes einen Hauch geblasen.«
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Und sieh: Ein Wehn kam durch die Nacht
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Und hat lebendig das Holz gemacht,
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Das augenblicks mit seinem Munde
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Silberhell zu lachen begunnte,
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Daß Zimmermann, Schneider und Juwelier
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Aufwachten und rasten vor Liebe schier.
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Das Weiblein aber, was tat – Es?
152
Je nun, – nichts weiter Besonderes.
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Setzte sich still auf den Bettelsack
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Des Eremiten in guter Ruh
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Und schaute dem Tanze der Viere zu,
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Die sich traktierten wie Lumpenpack.
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Mit viel Gefuchtel, Geschimpf, Geschrei
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Rief jeder, daß sie sein Eigen sei
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Und jeder andre ein Schubiak.
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Indessen trat durch Ostens Tor
169
Die Sonne königlich hervor
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Und tauchte in Gold mit ihrem Schein
171
Die weite Wüste leuchtend ein.
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Und sieh: Es war in ihrem Strahle
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Die Wüste eine goldne Schale,
174
Nur ein Gefäß für deren Pracht,
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Die in der wunderlichen Nacht
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Die Viere wie im Traum gemacht.
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Und auf die Kniee hin vor ihr,
178
Der Lächelnden, die sich nicht rührte,
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Stürzten verzückt, berückt die Vier,
180
Als ob nicht Allah das Gebet gebührte.
182
Doch Strafe folgt der Sünde auf dem Fuß.
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Dies, Herrin, ist nicht eines Kakadus
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Private Meinung, sondern tief erwiesen.
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Ein süß Konfekt ist sündiges Genießen,
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Doch nachher kommt das bittre Myrrhenmus
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Verdienter Strafe. Niemand feiert Feste
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Verbotenen Rausches ohne Nachgeschmack!
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Wie du befiehlst! Also: Das Schnick und Schnack
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Der Viere, die verzückt auf ihren Knien lagen,
192
Ward plötzlich unterbrochen. Hüh! und hoh!
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Erscholl und das Geknirsch von einem Reisewagen,
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Auf dem, im Sande nicht prestissimo,
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Ein reicher Mann herbeigefahren kam.
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Wie der das Weib sah auf dem Bettelsack,
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Gabs einen Ruck ihm, und er rief: »O scham-,
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Schamloseste von allen Frauen! Da,
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Auf diesem Bettelsacke sitzt sie, ha!
200
Die ich verliebt zum Eheweibe nahm!
201
Ein schönes Wiedersehn, fürwahr, Madam!
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Mit Vieren, Vieren! ist sie durchgegangen,
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Drum ist nicht ein-, nein viermal sie infam,
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Und diese Viere müssen schleunigst hangen!
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Auf! Bindet sie – und sie! Bei meinem Gram!
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Ich will mein Recht und ihren Tod erlangen!«
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Es schrie das Weib. Die vier Verliebten schrien.
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Es schrie der reiche Mann und seine Knechte.
209
Es war, als ob ein Heer von Moslemin
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Für Allah schrie im heiligen Gefechte.
211
Doch, als die Fünfe dann gebunden waren,
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Ist schweigend man zu einer nahen Feste,
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In ders an Galgen keineswegs gebrach,
214
Durch tiefen Wüstensand langsam gefahren.
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Gleich, Herrin, gleich! Du weißt es ja: das Beste
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Kommt bei Geschichten immer hintennach.
220
Denk dir! Der Kommandeur, kaum, daß ein Blick
221
Aus seinem dunklen Aug das Weib gestreift,
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Ruft aus: »Dank, Allah, dir und dem Geschick!
223
Da ist sie, sie, die scham- und treuelose,
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Die viel zu früh mein Jugendhaar bereift
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Mit schneeigem Schimmer hat, die meine Rose
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Verliebt ich hieß, und die ich jetzt,
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Da sie mein Herz zerrissen und zerfetzt,
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Den Dornbusch aller Schande nenne,
229
Den Dornbusch, den ich, wenn Gerechtigkeit
230
In unserm Land noch herrscht, bei meinem Eid,
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Samt dem Gestrüpp, das ihn umgibt, verbrenne!
232
Zum Kadi! Auf zum Kadi augenblicks
233
Mit ihr und jenen, die mir hinterrücks,
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Die frechen Hunde, sie, mein Weib, geraubt!«
235
Der reiche Mann reibt sich die Augen, glaubt,
236
Er träume, ringt nach Worten, stottert, stöhnt, –
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Es hilft ihm nichts, man läßt ihn nicht beginnen.
238
Es wird die Hand, des Hanfschmucks nicht gewöhnt,
239
Seilfest gefesselt, und er muß von hinnen.
242
Nur das Madamchen bleibt ganz still und laß;
243
Sie hat sogar, obgleich auch sie gebunden
244
Und an den Knöchelchen leicht aufgeschunden
245
Von diesen dummen Stricken war, etwas
246
Wie kitzelnde Genugtuung empfunden:
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Ob auch die Fessel ihr das Pülschen preßte,
248
Sie fühlte sich wie Vögelchen im Neste
249
Bei der sehr angenehmen Rechnung, daß
250
Sechs Männer sich in sie verliebt in wenigen Stunden.
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Und nun zum Kadi denn! Hoch zu Kamele
253
Ritt schlanken Paßtrabs schnell der Kommandeur
254
Voll Rachedurst voraus, und seiner Seele
255
Hinströmender Erguß fand huldreiches Gehör.
256
Der Kadi sprach: »Bei Gott! die Philomele,
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Die dich betrogen hat, singt bald nicht mehr!
258
Denn Ehebruch heißt Kapitalverbrechen,
259
Und nur der Tod kann den Gehörnten rächen!«
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Der unsere wars, d.h. – nun, du wirst sehn.
263
Er war schon alt. Schwer wurde ihm das Gehn,
264
Und reichlich fettbeladen war er auch.
265
Nie sah die Welt so ungeheuren Bauch,
266
Und niemals, glaub ich, sieht sie mehr
267
An einem Menschen soviel Schmeer.
268
Die Augen aber waren winzig,
269
Der Blick war blöde, müde, blinzig,
270
Die Haut war, ja, wie sag ich gleich,
271
Nicht seiden- oder sammetweich:
272
Mehr lederartig und dabei
273
Nicht ganz von kleinen Flecken frei,
274
Die ab und an ein wenig näßten.
276
Kurz: reizend war er eben nicht.
277
Doch, wer sucht Reize bei Gericht?
278
Auch hatte er, das muß der Neid ihm lassen,
279
Die Kunst der niederschmetternden Grimassen,
280
Vor denen, wer mit Sündenlast
281
In ihr Bereich tritt, jäh erblaßt.
282
So saß er da mit fürchterlichen Mienen,
283
Als unsere Vier vor ihm erschienen,
284
Und, – na, was ist? um Gottes willen,
285
Was ist denn los? –: der Kadi schreit
286
Und reißt die kleinen Augen weit,
287
Unglaublich weit auf: »Meine Brillen!
288
So bringt mir doch die Brillen!« – Da, –
289
Er setzt sie auf: – »Bei Allah! Ja!
290
Sie ists! Sie ists! O welch Entzücken!
291
Komm, laß an meine Brust dich drücken!
292
Hab keine Angst, ich straf dich nicht,
293
O du mein Mond- und Sonnenlicht!
294
Was du auch tatst, es ist verziehn,
295
Willst du nur nicht noch einmal fliehn!
296
Mein Zuckerschötchen! Mein Perlenschneckchen!
297
Mein Sammetfüßchen! Mein Honigweckchen!
298
O komm, sei gut, o komm zu mir,
299
Mein Seligkeitenelixier!
300
Was du verlangst, ich will dir alles schenken,
301
Und bloß die andern laß ich henken!«
302
Bei diesen Worten des alten Kadi
303
Standen bildsäulenähnlich da die
304
Männlichen Personen dieser Geschichte.
305
Doch auf des Weibes schönem Gesichte
306
War immer das gleiche Lächeln zu sehn
308
Es schien, was alles auch passierte,
309
Das holde Dämchen fand es bloß scharmant,
310
Daß jeder Mann für sich sie reklamierte.
311
Die ganze Welt schien ihr ein Zuckerkant,
312
Den sie mit Lächeln schnabulierte,
313
Im Süßigkeitenknabbern höchst gewandt.
316
Die andern aber, als das starre Staunen
317
Vorüber war, empörten sich gewaltig
318
Und äußerten mit Worten mannigfaltig,
319
Doch mehr mit Brüllen, als mit leisem Raunen,
320
Sie seien nicht im mindesten gesonnen,
321
Beim Fest der richterlichen Liebeswonnen
322
Als Fahnenschmuck am Galgenstamm zu dienen.
323
»das Weib ist mein!« rief jeglicher von ihnen,
324
»und der Herr Kadi ist jetzt selbst Partei.«
325
Es war ein Armefuchteln, ein Geschrei,
326
Ein Fäusteballen, Hälserecken, Toben,
327
Daß selbst die Seligen im Himmel oben
328
Sich wolkennieder bückten, was denn sei;
329
Und alles Volk, aus Küchen, Kellern, Koben,
330
Wer sich nur regen konnte, kam herbei;
331
Sogar die Koranschüler kriegten frei
332
Und hatten einen Grund
333
So groß war das Getrubel und Geschwärme,
334
So ungeheuer war des Volks Gelärme,
335
Daß selbst ein Dschogi, der nun schon ein Jahr,
336
Andächtig, aller Weltgedanken bar,
337
Verzückt auf einer hohen Säule Knauf
338
Gleich einem Ölbaumstrunk gestanden war,
339
Das Wesen merkte. Niemand sah hinauf
340
Zu seiner frommen Pose. Selbst die Weiberschar,
341
Die stets bewundernd ihm zu Füßen stand
342
Und nie genug Bewunderungsworte fand,
343
Des Heiligen Kraft und Wundertum zu preisen:
344
Selbst sie war weg, war einfach durchgebrannt.
345
Der Dschogi kam sich vor wie altes Eisen.
346
»das also ist der Welten Lauf!«
347
So rief er aus: »Ich laß mir durch die Hand
348
Das ganze liebe Jahr die Nägel wachsen,
349
Und die Bewunderung hört mit einmal auf,
350
Macht irgendwer, Gott weiß es was für Faxen,
351
Die, darauf nehm ich Gift, gar nichts bedeuten.
352
Schlimm ist die Welt, weiß Gott, die Zeit ist bös;
353
Sogar die Weiber sind irreligiös,
354
Und überhaupt, es ist nichts mit den Leuten.«
355
Nach diesen Worten drehte er sich um
356
Und hob die dünnen Hände (krumm,
357
Weil wirklich sie durchwachsen waren
358
Von seinen Nägeln) übers Augenpaar,
359
Zu sehn, wohin das Volk in Scharen
360
Denn eigentlich gelaufen war.
361
»natürlich! Ein Prozeß! Beim Kadi. Hum!
362
Gewiß ein schöner Fall! Wie dumm, wie dumm,
363
Daß just der göttlichste Jurist
364
Vom Zuhörn ausgeschlossen ist!«
365
(der Dschogi nämlich, daß ihrs wißt,
366
War früher, eh ihm klar geworden,
367
Daß nichts vergleichbar sei im ganzen Staat
368
An innerem Wert dem Bettelorden,
369
Ein höchst berühmter Advokat.)
370
»ich, gerade ich! Beim Himmel: nein!
371
Ich will und muß zugegen sein!
372
Ein Fall, der alle interessiert,
373
Wird würdig nur durch mich plädiert.«
374
Und sieh, der Heilige, der sonst nichts kannte,
375
Als tiefste Selbstversunkenheit,
376
Der allem Leben Abgewandte
377
In tiefster Seelentrunkenheit,
378
Der alles Wollen aus sich bannte
379
In dieser Welt Halunkenheit:
380
Der Säulenheilige umspannte
381
Mit seinem dürren Beinepaar
382
Der Säule Schaft – und war viel eher unten,
383
Als seinem Hinterteile dienlich war.
384
Er hat nicht leicht das Gleichgewicht gefunden.
385
Doch, als ers hatte, hei, wie rannte er!
386
Sein Lendenschurz genierte ihn nicht sehr,
387
Und, als er ihn verlor im heißen Lauf,
388
Hielt unsern guten Dschogi gar nichts mehr,
389
Als höchstens seine schwache Lunge auf.
390
Mit Keuchen kam der heilige Mann
391
In des Gerichts Getümmel an,
392
Und alles schrie: »Paßt auf! Jetzt wird es Licht!
393
Jetzt sitzt der Heilige zu Gericht!«
394
Und als nun Seit an Seit das Paar,
395
Der Dicke und der Dünne saß,
396
Da sah das Publikum erst klar,
397
Wie dick sein dicker Kadi war:
398
Der Dünne war des Dicken Maß.
399
Und zu gemeinem Gaudium
400
Rief einer aus dem Publikum:
401
»seht, welch ein Spaß:
402
Die Mutterzwiebel und das Zittergras!«
406
Und aller Blicke wandten sich
407
Dem heiligen Manne zu, und: »Sprich!
408
Sprich Recht, du Unbefleckter!« schrien
409
Die Tausende und nannten ihn
410
Bei tausend Heiligen- und Ehrennamen.
411
Er aber sprang in seiner Nacktheit hoch
412
Vom Sitz empor und drehte sich im Kreise,
413
Indes den Leib er wie im Krampfe bog,
414
Und schrie auf fürchterliche Weise:
418
Kniet nieder! Nieder! Nieder!
419
Der Vogel des Paradieses kam wieder!
420
Mein Glück ist wieder da!
421
Und nun auf von den Knien!
426
Tanzt um den Vogel mit goldnem Gefieder!
427
Viel besser ists, um ihn sich drehn,
429
Als auf dem Säulenknauf zu stehn,
431
Und der Sonne ins goldne Gesicht zu sehn.
432
Ich tu es niemals wieder,
435
Und nie soll sie wieder von mir gehn!«
436
Du siehst, o Herrin, unser Dschogi war
437
Seit Jahresfrist ein Heiliger zwar,
438
Jedoch in puncto puncti just auch nicht der beste.
439
(das dünkt mich weiter nicht so wunderbar,
440
Dieweil ein Mönch – ein Mann, erwiderte Chodscheste.
441
Und wieder zeigt der alte Spruch sich wahr:
442
Wie klein davon auch immer sein die Reste:
443
Moschus und Liebe sind un-aus-treib-bar.
444
Die Tugend kann ein jeder Mensch verhehlen,
445
Vertreibbar ist Geruch selbst von Kamelen,
446
Doch, wo nur Liebe je und Moschus war:
447
Ein Rüchlein bleibt in Kästen oder Seelen.)
448
Sehr richtig, Herrin! Und in diesem Falle
449
Rochen den Braten auf der Stelle Alle.
450
Und wie aus einem Munde schrie
451
Das ganze Volk: »Schon wieder sie!
452
Das Weibchen, scheints, hat eine gute Kralle!
453
Wer soll hier richten, wenn ein Heiliger gar
454
Bekennen muß verliebtestes Verfehlen?
455
Sie kann wohl selbst nicht ihre Liebsten zählen,
456
Und niemals wird ihr dunkler Rechtsstreit klar,
457
Wolln wir zu Richtern nicht die Weiber wählen.«
458
Der Punkt war kritisch. Denn die Weiber, jetzt
459
Durch Eifersucht und – Tugend aufgehetzt,
460
Begannen in der Tat, ein wenig Lust zu spüren,
461
Dem Weibe, das (gewiß mit Hexerei) betört
462
So viele Männer schon, was sich gehört
463
Für eine brave Frau, scharf zu Gemüt zu führen.
464
Schon rief, Xanthippen gleich, ein krasses Weib: »So setzt
465
Ihr doch die Daumenschrauben an!
466
Ich will doch sehn, ob nicht mit meinem Mann
467
Sie auch das heilige Eherecht verletzt
468
So wie mit jenen hat. Und dann:
469
Ins Feuer, Feuer mit dem Höllenbraten
470
Für seine schauderhaften Freveltaten,
471
Daß er nicht weiter Unheil stiften kann!«
472
So, Mann und Weib verschiedentlich bewegt,
473
War unseres dicken Kadi Tribunal
474
Dem Meere gleich, vom Nordwind überfegt.
475
Nur sie, die den Spektakel hat erregt,
476
Steht ruhig da, als wär es ihr egal,
477
Woher, wohin die wilde Woge schlägt.
478
Sie hüllt ihr Haupt in ihren seidnen Schal
479
Und hat sich, unerhört! dem Eremiten,
480
Als wollte schlafen sie, jetzt, hier, inmitten
481
Des tollen Tobens, an die Brust gelegt.
482
Und sieh, wie sie die Augen schloß,
483
Da ward es still mit einemmal,
484
Indes vom Himmel sich ein breiter Strahl
485
Von Sonnenlicht durch Wolkenspalt ergoß.
486
Und durch die Menge, die sich teilte, ritt,
487
Man wußte, ahnte nicht woher, ein greiser,
488
Doch schöner Mann, ein Herrscher oder Weiser,
489
Gemächlich, lächelnd, ritt im Schritt
490
Bis zu der Stelle, wo der Eremit
491
Mit unserm Weibchen stand, das ruhig, tief,
492
Mit vollen Kinderatemzügen schlief
493
Und längst wer weiß in welchen Traums Bereichen
494
Zufrieden und zu Hause war.
495
Hier hielt der alte würdevolle Mann
497
Und gab, so schien es, einer Dienerschar,
498
Die, allem Volke unsichtbar,
499
Ihn dienstbereit umgab, ein Zeichen.
500
Drauf ward, von wem ist nicht zu sagen,
501
Das Weib behutsam, daß es nicht erwachte,
502
Von unsichtbaren Armen sachte, sachte
503
Erhoben und in einer Sänfte, nein,
504
Es war ja keine da, doch wars der Schein,
505
Als lägs in einer Sänfte, still davongetragen.
507
Lautlos, als wärs mit einmal stumm,
508
Das eben noch so laute, auf Geheiß
509
Allahs geworden, schritt das Publikum,
510
Voran die immer noch verliebten Achte,
511
Zum Zug geordnet gleichfalls hinterher,
512
Als ob die Schwebende ein zaubrischer Magnet,
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Das ganze Tribunal ein Zauberkreis
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Und jeder einzelne ein Mensch nicht mehr,
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Nein, eine willenlose Puppe wär,
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Von unsichtbarer Hand bewegt, gedreht.
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Und, wunderlich, ein jeder sagte sich:
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Nicht jene Achte oder irgendwen: nein: mich
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Geht diese Sache an, – das Weib ist mein!
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Die Weiber aber trollten hinterdrein
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Und fühlten nicht den allermindsten Stich
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Von Eifersucht. Im Gegenteil, sie schienen
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Geschmeichelt und zufrieden wie noch nie.
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So ganz vollkommen war die Harmonie
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In allen Blicken, allen Mienen,
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Daß diese selig stille Prozession
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Ein Zug von Engeln schien und nicht von Leuten,
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Von denen doch ein jedes schon
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Gebrandmarkt war von Schmerzen und von Freuden.
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Bei Allah, ja! Es war kein Gehn: ein Wallen;
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So mancher Schuft auch unter ihnen war.
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Es schwebte wie durch Paradieseshallen
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Dem allgeliebten Weibe nach die Schar.
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Wie lang dies währte, weiß ich nicht zu künden.
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Es hielt die Zeit, so schiens, den Atem an.
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Vielleicht gabs überhaupt in diesen Gründen
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Das gar nicht mehr, was Zeit man nennen kann,
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Dies Stundenlaufen und Zusammenründen
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Von War und Ist und Einst und Nun und Dann.
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Nur Eines sah man grell als wie im Traum:
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Auf einem Hügel einen Lorbeerbaum,
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Uralt und hoch und bis hinauf gespalten,
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Wies sonst des Ölbaums Art, und neben ihm,
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Umleuchtet wie die ewigen Seraphim
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Von überirdisch mildem Glanz, den Alten,
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Vor dem das Weib, ein wenig dunkler, stand.
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Dunkler, obwohl kein Fäserchen Gewand
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Den wundervollen Leib umpreßte.
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(vor allen Leuten? Pfui! Wie kann man nur!
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Ereiferte sich stark chokiert Chodscheste,
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Indem sie über Jäckchen, Höschen, Weste
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Mit schambeflissenen Fingern fuhr.)
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Es tut mir leid, daß ichs nicht leugnen kann:
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Sie hatte wirklich nicht das mindste an:
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Nackt war sie, nackt; nackt wie die liebe Sonne.
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Und niemand, sonderbar, nicht Weib noch Mann,
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Nahm irgendwie den kleinsten Anstoß dran,
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Erfüllt von andachtsvoller heiliger Wonne.
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Es war so ein erhabener Moment
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(sie sind sehr selten unter Menschgebornen),
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Wo männiglich nichts weiter fühlt und kennt,
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Als tiefe Ahnung eines längst Verlornen;
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Und bei Empfindungen von solcher Stärke
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Denkt selbst ein Schneider nicht an Schneiders Werke.
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Wahrlich, ich sage dir: durch jede Brust,
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Ein Strom, ein Sturm, fuhr ungeheure Lust
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Des allertiefsten innigsten Begreifens,
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Des Lebensinnersten, des Urgebots,
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Des dunklen Werdens, stätig hellen Reifens,
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Des Zeugens und Gebärens und des Tods.
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All in die Knie nieder sanken sie, wie wenn
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Der Gottheit Odem über ihnen bliese,
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Die Stirn zur Erde nieder schlugen sie, wie wenn
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Der Gottheit Hand sie auf die Erde stieße,
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Und wieder hoch sodann die Köpfe all, wie wenn
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Der Gottheit Mund sie rief zum Paradiese.
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Es ist nicht leicht zu sagen, wie das war.
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Denn, war bisher schon manches wunderbar,
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Dies, Herrin, war noch wunder-wunderbarer.
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Er nahm sie in sich auf mit Haut und Haar
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Und schloß sich dann, gleich einem Schatzbewahrer;
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Verschwunden war sie in ihm ganz und gar.
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Der Alte aber, schien es, war der Paarer,
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Der Priester Gottes, der den Segen gibt,
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Wenn er vereint, was sich so innig liebt,
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Daß es allein nicht fürder leben mag. –
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Zum Tage aber will kein Wunder taugen.
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Das Volk stand auf und wischte sich die Augen,
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Rieb sich die Kniee, kraute sich am Ohr
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Und kam sich eigentlich belämmert vor.
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»herr Gott!« schrie auf ein Weib, »mein Mittagsessen!
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Ganz sicher, es ist angebrannt.«
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»ich hab den Schlüssel abzuziehn vergessen
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Von meinem Geldschrank,« rief ein Bankier.
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»gerechter Himmel! Ich muß ins Café!«
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Ein Müßiggänger. Ein Schmuckfabrikant
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Rang wild die Hände: »Meine neuen Tressen!«
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Ein Priester wimmerte: »O domine!
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Die Vesperlitanei! Die Seelenmessen!«
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Und ein Konditor, völlig wie besessen,
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Riß sich am Bart: »Verpappt ist mein Tragant!«
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Ein tausendstimmiges Herrjemineh
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Tät tausend Lippen kreischend sich entpressen,
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Und alles ist davongerannt.
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Nur jener Alte blieb am Baume stehn
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Und blickte lächelnd hinterher dem Volke,
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Von dem bald nichts als eine dicke Wolke
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Von aufgetriebenem Staube war zu sehn.
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Im Lorbeerzweigicht aber hob ein Wehn
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Als wie von Windesstimmen säuselnd an,
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Aus dem, o wie so süß, ein Zwiegesang,
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Adams und Evas Liebeslied, begann:
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Ein Sichdurchflechten, Miteinanderschweben,
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Ein Insichdringen, Durcheinanderweben,
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Ein Insichsterben, Insichwiederleben,
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Ein Durcheinanderblühn im Doppelklang.
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Der Alte kreuzte über seiner Brust
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Andachtdurchseligt seine schönen Hände
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Und murmelte: »Von Anfang bis zu Ende,
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Allüberall ist Gott, und Gott ist Lust.
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Gepriesen sei die Welt! Die Welt ist recht.
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Kein Strähnchen Irrtum geht durch das Geflecht
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Des Lebensteppichs, der die Tempelwände
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Des urvollkommnen Alls bespannt,
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Und wer es auch im Traume nur erkannt,
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Einmal im Traume nur und unbewußt:
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Er ist voll Gott und ewiglich gerecht.
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Was sahen sie, die jetzt davongerannt sind
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Und wieder nun ins Enge eingebannt sind? –:
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Ins Feuer sahn sie und ins Herz der Welt.
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Allahs Augapfel sahen sie: das Weib,
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Ein Püppchen erst, geschnitzt zum Zeitvertreib,
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Und dann der Sinn des Seins, der alles hält:
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Natur und Liebe, Weg zur Ewigkeit
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Aus eines Augenblicks Vergessenheit, –
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Ein Nichts und Alles, – wie es euch gefällt.«