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Jüngst trieb michs auf eine Kirchturmplatte,
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Weil ich genug des Winkelwerks hatte
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Da unten in den staubigen Straßen.
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Genug für Aug und Ohr und Nasen.
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Ich wollte mirs mal von oben besehn,
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Wo frei und rein die Winde wehn.
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Auch heißt es, man sei dort oben näher
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Dem Herrgott, dem stummen Herunterspäher,
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Und wunderlich blicke sichs in die Tiefe
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Aus der himmlischen Herrgottsperspektive.
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So macht ich mich ans Steigen keck,
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Hub wacker die stadtmüden Füße vom Fleck,
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Es mündete der Wendelgang
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In ein Gemach, so nett und rein,
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Als heimte drin ein Mädel fein,
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Deß zarte Patschhand froh und frisch
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Gern regt den Federflederwisch.
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Blank Tisch und Diele, weiß das Bett,
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Ein Epheustock am Fensterbrett;
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Von dem kroch friedsam das Gerank
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Um einen Wanduhrkasten schlank,
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Aus dem es feierlich ticktackte.
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Auf der Kommode die gezackte
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Schneeweiße Decke sonder Tadel
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Verriet die fleißige Häkelnadel.
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Auch Vasen viel und bunte Gläser.
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Darinnen graue Raschelgräser
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Aus Feldblumsträußen, längst verdorrten;
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Nippsächelchen von allen Sorten,
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In einem Glasschrank schön plaziert;
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Ein Bücherbrettchen, braun poliert;
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Die Bücher drauf in Goldschnitt fein; –
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Macht wohl »Die deutsche Jungfrau« sein,
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Kochbücher auch und auch Traktätchen.
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Ich sah mich um: Kam niemand her,
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War, wie wenns ausgestorben wär
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Und wär doch jemand in der Nähe.
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Und wie ich durch die Thüre spähe,
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Die in ein Nebenstübchen führt,
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Werd ich von hinten angerührt;
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Und bis zum Tod vergeß ich nicht
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Des alten Jüngferchens Gesicht,
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Das plötzlich in der Stube stund.
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Ein wenig schmerzlich schien der Mund,
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So säuerlich und lippenschmal;
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Stand drauf geschrieben manche Qual,
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Doch Liebe auch und Gütigkeit.
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Zur Nase wars ein wenig weit,
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Schien mirs, von diesem Lippenbogen.
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Streng war und länglich sie gezogen
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Von einer Stirne groß und klar.
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Still, wie ein graues Taubenpaar,
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Die Augen unter dünnen Brauen.
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Sie träumten in gelassenem Schauen,
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Als sähen sie nichts um sich her.
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Als sähen weiter sie und mehr –:
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Ein reiches Land voll Friedensglanz.
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Vom Scheitel fiel, ein loser Kranz,
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Aschblondes Haar zur Schulter weich.
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Die Kleidung war nicht arm, nicht reich.
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Aus keiner Mode kam sie her,
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Wie wenn aus keiner Zeit sie wär.
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Ganz wunderlich! Antik beinah,
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Doch ärmellang und gar zu glatt.
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Von Farbe war sie bläulich matt,
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Stand ich und schaute, schaute bloß.
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Gewöhnlich alles, ganz und gar,
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Und doch im Tiefsten – Wunder war.
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Ein zarter Glanz, ein dünner Duft
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Lag wie vibrierend in der Luft,
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Und aus dem leeren Weben höre
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Aus alter Zeit ich leise Chöre,
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Uralt, urfern und urvertraut ...
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Da hat sie groß mich angeschaut,
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Als fragte sie: Was willtu hier,
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Du Mensch von unten, im Revier
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Der hohen Stille ...? ... Doch ihr Mund
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That Frage nicht und Deutung kund.
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Da, plötzlich, von den Lippen klang
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Es lind: »Der Vater kommt.« Und, weiß
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Von Haar und Bart, stand still ein Greis
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Im Thürgevierte. – Wundersam:
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Mich wieder Staunen überkam.
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Mir wars, als kennt ich lange ihn,
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Als hätt ich einst auf seinen Knien
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Gesessen in der Kindheit Jahren,
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Gezaust ihn in den weißen Haaren,
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Indes er tiefe Worte sprach.
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Die klangen lang im Herzen nach,
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Bis Gassenlärm sie draus vertrieb;
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Oh, Worte heimlich, heilig, lieb ...! ...
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Kannt ich den Türmer? Wie ich sann,
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Kam näher her, gebückt, der Mann
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Und fragte mich, was mein Begehr
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Und meines Kommens Ursach' wär.
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»von oben säh ich gern die Stadt,
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Der ich in innrer Seele satt!«
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Sprach ich. Da lächelte er eigen:
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»ich will dir alles, alles zeigen.
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Doch bist du auch von Schwindel frei?«
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»meint nicht, daß gar so hoch ich sei.«
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Erwidert ich. »Nun, eben g'nung;
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Es huben schnell dich Beine jung.
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Ich brauchte viele tausend Jahr,
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Bis ich hier angekommen war.
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Altherrgottsruh heißt dieser Turm,
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Hoch steht er über Staub und Sturm,
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Hoch steht er steinern aufgericht,
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Die Menschen sehn den Türmer nicht.
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Sie haben hier zu guterletzt
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Hübsch hoch und weit mich weggesetzt,
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Dieweil sie meiner überdrüssig;
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Auch war ich wirklich überflüssig;
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Und schließlich, grad wie du, mein Sohn,
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Recht satt hatt' ich den Trubel schon.
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Von oben läßt sichs noch besehn,
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Muß man nicht mitten drinnen stehn.«
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Da faßte mich ein Ahnen an:
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»wer bist du denn, du alter Mann?«
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»ich? Oh, nichts, das der Frage wert,
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Ein weißes Haupt, höchst ungeehrt.
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Wie sagt Ihr doch ...? ...Na ... ein Rentier
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Mit Sorgenstuhl und Kanapee
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Und einer alten Wärterin,
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(er strich dem Jüngferchen das Kinn)
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Im Austragsstüberl recht gemütlich,
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Und thu mir an Erinnrung gütlich.
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Still, meine gute Gabriele,
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Du liebe, letztgetreue Seele .....«
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Das alte Mädchen nickte leis
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Und beugte tief ihr Haupt dem Greis,
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Der seine Hände auf sie legte.
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Mir wars, als ob sichs sachte regte
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An ihrer Schulter zitterzart
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Wie Flügelschlag verborgener Art.
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Dann sah er scharf mir ins Gesicht:
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»du, höre Sohn, verrat mich nicht!
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Daß sie mich nicht noch einmal stören,
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Mit Opferdünsten, Bittechören
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Jetzt war sein Auge sturmesgrau,
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Und seine Worte klangen rauh,
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Und ich erschrak im Herzen tief,
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Und wußte, wer die Worte rief,
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Und wollte gehn und wandte mich;
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Da klang es wieder sänftiglich:
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»bleib nur, mein Sohn, und sieh die Stadt,
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An der dein junges Herz schon satt;
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Bleib nur bei mir ganz ohne Scheu.
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Ich bin euch Deutschen heut noch treu,
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Wenn ihr auch derb mir zugesetzt
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Und furchtbar gründlich mich gehetzt
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Durch eure graue Philosophie.
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Er schob mich sanft zur Thür hinaus.
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Still war und hell die Luft da drauß.
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Hoch über uns die schwarze Leere,
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Zu Füßen tiefst die Sternenheere.
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»wo ist der Turm denn festgesetzt?«
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»mein Seel! Der Deutsche fragt noch jetzt!
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Könnt ihr denn nie das Fragen lassen?
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Du wirst den ganzen Blick verpassen.
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Paß auf! Schau dort: im rechten Eck,
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Siehst du den gelben Flammefleck?«
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Er deutet aus. Ich folge: »Wohl!«
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»siehst du! Lateinisch heißt ihrs Sol;
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Die Sonne das. Es spritzt herum
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Wie Bienenschwarm mit Bienensumm
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Bunt eine Funkenglitzerherde;
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Das weiße Glitzchen nennt ihr Erde.
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Du sollst sie dir genau besehn,
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Wir wollen etwas näher gehn.«
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Und wie im Fahrstuhl sanken wir
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Gemächlich durch das Weltrevier,
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Von Surresumm allwegs begleitet,
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Bis unten sich die Erde breitet.
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Und spöttisch sprach der Alte: »Such,
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Such deine Stadt, an der du satt,
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Was sie für eine Farbe hat
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In dieser bunten Narrenjacke.
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Denn wisse: Eine reine Schlacke
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Ist jeder Stern; der Menschen Hand
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Wirft über sie das Buntgewand
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Und meint, sie mache damit Staat
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Im großen Weltenhohenrat.
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Koketterie und Mummenschanz
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Ist dieser ganze Tummeltanz.
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Mir wenigstens wills also scheinen,
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Wenn ich einmal herunter seh
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Auf dieses bunte Zeug von meinem
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Blaßblaugeblümten Kanapee.«
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Er lachte, stieß mich in die Seite:
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»was meinst du von dem Erdenkleide,
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Mein Staunekindchen? Schau nur, schau:
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Hier schwarz, hier grün, hier rot, hier grau,
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Hier weiß, hier gelb, hier blau, hier braun;
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Ist das nicht lustig anzuschaun?
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Nur bitt ich: Schau mir nicht hinein,
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Sonst fliegt davon der schöne Schein,
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Und eine Wahrheit liegt am Grund,
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Die für euch Menschen nicht gesund.«
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Ich hörte nicht des Alten Spruch.
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Ich sah aufs bunte Erdentuch.
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Oh blutig Rot, wie Flammenwut!
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Oh giftig gelbe Giereglut!
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Oh kaltes Weiß! Oh Gramesgrau!
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Oh Schwarz, wie steiniger Acker rauh!
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Das Blau verblaßt, das Grün verdrängt,
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Von bösen Farben eingeengt ...
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Und schob mir unter seinen Arm
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Und führte mich in die Stube warm
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Und sah mir ernsthaft ins Gesicht:
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»du höre, Sohn, verrat mich nicht!
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Ich sah dem Ding zu lange zu,
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Nun will ich endlich meine Ruh.
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Doch du, wenn du heruntersteigst,
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Daß du mir nun nicht Wehmut geigst,
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Weil du gesehn die Narrenjacke:
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Nein, Junge, hoch das Herz und packe
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Die Flinte fest und gehe kühn
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Ins Zeug fürs arme Blau und Grün;
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Und geht dirs bös in diesem Kampfe,
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So denke still im Pulverdampfe
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An Herrgottsruh und den Rentier
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Im blaugeblümten Kanapee.«