Nachtwandel zum Glück

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Otto Julius Bierbaum: Nachtwandel zum Glück (1887)

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Schwül war die Frühlingsnacht, es sang
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Die Sehnsucht aus der Nachtigall;
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Des Mondes Scheibe, groß und gelb,
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Stand über dem Kastanienbusch
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Und sog der Erde Atem auf;
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Im Wildbach kollerte vom Berg
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Gekiesel, unterm Wasser klangs
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Wie Glockenläuten. Sonst wars still.
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Ich weiß nicht, ob ich schlief; mir war,
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Da draußen winkte eine Hand:
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Steh leise auf und komm heraus,
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Verlaß die Enge, die dich hält,
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Geh frisch den hellen Weg der Nacht,
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Geh grade aus: es gilt dein Glück.
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Es drängte dich schon lange, sieh:
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Jetzt zieht es dich. Du mußt! Du mußt!
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Mit offenen Armen steht es da.
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So.!. Leise ... leise ... komm ... komm ... so!
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Das Gartenthor ist aufgeklinkt ...
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Nun geh! ...

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Und ich ging durch Wies und Wald,
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Lief ins Ungefähre;
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Sah ein Schloß ich liegen bald
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Hinter Mauernwehre.

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War die Thüre leider zu;
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Ließ ich michs erfrechen,
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In des alten Gartens Ruh
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Kletternd einzubrechen.

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Standen schwarze Tannen rings,
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Alte Paladine,
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Treppenhoch lag eine Sphinx
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Mit verdrossener Miene.

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War verdrossen, weil ihr Bug,
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Ungewöhnt, zu tragen,
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Einen frechen Reiter trug,
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Herrisch und verschlagen:

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Amor wars; er zauste sie
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Keck am linken Ohre.
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Es vertragen Sphinxe nie
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Solcherlei Humore.

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Und mir schien, der Knabe Gott
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Sei hier nicht am Platze.
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Hüte dich! Dein nackter Spott
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Spürt die Löwentatze!

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Hüte dich! In diesem Haus
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Ist kein Ort zum Necken.
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Schweres Leiden schläft hier aus;
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Hüte dich, 's zu wecken!

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So dem kleinen Gotte sehr
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Ins Gewissen redend,
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Ging ich würdevoll umher,
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Langsam näher tretend.

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Dachte mir: Sprang ich einmal
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Ueber Thür und Mauer,
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Seh ich auch in Flur und Saal
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Mich noch um genauer.

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Stieg die Treppe drum hinan,
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Wagte mich zum Thore;
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War ein Löwenkopf daran;
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Nahm ich den am Ohre.

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Klopfte. Bum, bum, bum, bum, bum.
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Hört es innen hallen.
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Horch: Geschlürfe und Gebrumm,
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Dumpfes Thürenfallen.

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Kommt wer? ... Nein. Rief da nicht wer?
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Wie? »Die Thür ist offen!«
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Wie? »Bloß drücken!« Danke sehr!
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Und ich steh betroffen:

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War ein langer, dunkler Gang,
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Gobelinverhangen;
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War mir auch ein wenig bang,
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Bin ich doch gegangen.

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Rechts und links in Blau und Grau,
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Teppicheingewoben,
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Rittersmann und Rittersfrau;
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An der Decke oben

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Braun Gebälke tief und schwer;
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Nirgends eine Thüre;
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Niemand da; all-alles leer;
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Niemand, der mich führe.

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Ist das ein Gespensterhaus?
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Ward mir ängstlich enge.
83
Ungemütlich! Schnell hinaus!
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Hebt sich das Gehänge:

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Eine Thüre thut sich auf
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Wie von Geisterhänden,
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Eine Treppe führt hinauf
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Zwischen bunten Wänden.

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Rot und grün und gelb und blau,
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Alle Farben sangen;
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Rittersmann und Rittersfrau
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Reigenketten schwangen.

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Eine Falkenjagd dabei;
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Vom Dekamerone
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Manche gute Märe frei;
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Amor auf dem Throne.

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Neben ihm ein junges Kind
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In der Schönheit Kleide;
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Gottseidank, ich bin nicht blind
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Solcher Augenweide.

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Nacktheit ist mir kein Verdruß,
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Danke dem Geschicke,
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Daß ich nicht erröten muß
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Vor der Schönheit Blicke.

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Also: An dem Throne stand
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Neben Amors Gnaden
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Nackt ein Fräulein, und das wand
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Einen roten Faden

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Linde sich wie einen Ring
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Um den linken kleinen
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Finger. Ach, das süße Ding!
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Ihrer Augen Scheinen

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Ging mir so lebendig tief
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In mein bestes Leben,
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Daß ich einen Namen rief,
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Der mir Glück gegeben.

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Sieh! da hebt ein Teppich sich,
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Und es kommt gegangen,
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Die in goldene Ketten mich
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Lange schon gefangen.

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Doch mir wars, ich sähe sie
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Heut zum erstenmale;
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Sank verliebt vor ihr aufs Knie
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In dem bunten Saale.

125
Ach, wie schön sie vor mir stand
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In der gelben Seide;
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Lange küßt ich ihre Hand,
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Und wir lachten beide.

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Sprach ich: Alles fällt von mir,
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Was an mir gehangen,
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Seit ich heute her zu dir
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Wie im Traum gegangen.

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Komm aus einer grauen Welt
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Voller Spinneweben,
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Und nun seh ich lusterhellt
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In ein buntes Leben.

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Sprach sie: Denke nicht zurück
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An die grauen Tage,
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Küß von meinem Mund das Glück,
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Das ich in mir trage.

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Denn für dich wards mir geschenkt
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Von der hohen Güte,
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Die zu mir dich hergelenkt.
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Dein ist meine Blüte.

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Und es sank um uns die Nacht,
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Duftgewobene Flöre,
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Aus den alten Bildern sacht
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Sangen süße Chöre.

149
Wie zwei Kinder schliefen wir
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In das Land der Träume,
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Hand in Hand durchliefen wir
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Alle Weltenräume.

153
Wanderten von Stern zu Stern,
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Sahn in alle Weiten,
155
Sahen selber Gott den Herrn
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Durch die Himmel schreiten.

157
Wanderten von Kuß zu Kuß
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Mitten durchs Gebrause
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Allen Seins. Zum guten Schluß
160
Waren wir zuhause.

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Wie wir morgens aufgewacht,
162
Hand in Hand geschlungen,
163
Hat sie hell mich angelacht
164
Und ein Lied gesungen:

165
»ich weiß im tiefen Walde, ja Walde,
166
Ein ururaltes Schloß,
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Dahin, da will ich reiten
168
Auf einem weißen Roß.

169
Komm, spring du in den Sattel, ja Sattel,
170
Und heb mich hinter dich,
171
Allein will ich nicht reiten,
172
Im Walde fürcht ich mich.

173
Das Schloß ist mein und deine, ja deine,
174
Und es ist garnicht weit,
175
Zwei Stunden hinter Mitternacht,
176
Wo die Schleiereule schreit.

177
Ach Gott, wo ist der Schimmel? Ja, Schimmel?
178
Der ist am Anger drauß.
179
So laß den Schimmel weiden,
180
Und wir, wir bleib'n zuhaus.«

181
Und die Sonne übergoß
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Sie mit goldenem Schimmer,
183
Schöner als das alte Schloß
184
Schien mir da mein Zimmer.

185
Ich verstand des Traumes Hand
186
Und sein weises Führen,
187
Daß ich, was ich hatte, fand
188
Hinter fremden Thüren.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Otto Julius Bierbaum
(18651910)

* 28.06.1865 in Zielona Góra, † 01.02.1910 in Dresden

männlich

deutscher Autor und Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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