28
– Ich bin sehr gnädig heute, findst du nicht?
29
»ich finde, daß Ihr immer huldreich seid.«
30
– Ich bin zu gut für diese Welt. Sag mal:
31
Weißt du denn, wer ich bin? »I, keine Spur!«
32
– Und willst es auch nicht wissen? – »Pfui, wer wird,
33
Neugierig sein, wenn er im Glücke sitzt!?
34
Du bist mir meine rote Herzogin,
35
Denn deine Grazie, dein Wuchs, dein Gang,
36
Die Art, wie du die Handschuh von den Fingern streifst,
37
Wie du den Kopf zurückbeugst, küß ich dich,
38
Wie du Bonbons ißst, lächelst, dir den Schleier steckst,
39
Und, ach, die Art, wie du mich küßst, Madam,
40
Ist herzoglich, – ich sagte königlich,
41
Wär mir dies Wort für dich nicht zu verbraucht.
42
Und nun zu denken, daß dein Mann vielleicht
43
Banquier ist, Rechtsanwalt, Professor, Arzt,
44
Major, Regierungsrat, Großbrauer, Maler,
45
Kurz irgend was, dem man begegnen kann,
46
Im Trambahnwagen, auf der Straße, im Café –
47
Entsetzlich! Nein, du bist die Herzogin.
48
Dein Mann (sie lächelt seltsam) wohnt im Schloß,
49
Ist alt und gnädig, geistreich, tolerant,
50
Trägt Escarpins, Jabots, sagt ma chérie,
51
Regiert ein Volk, das sehr zufrieden ist,
52
Pflegt das Ballet, liebt altes Porzellan,
53
Bläst etwas Flöte, hüstelt in die Hand,
54
Hat hie und da ein bischen Podagra
55
Und lächelt etwas schmerzlich, wenn er hört,
56
Die Liebe sei ein göttliches Pläsier,
57
Kurz, Serenissimus ist comme il faut
58
Und hat nicht viel dagegen einzuwenden,
59
Daß Serenissima den Dichter küßt,
60
Der schon manch Carmen ihm zu Ehren sang
61
Und am orange-grünen Band das Kreuz
62
Vom weißen Papageienorden trägt.«
63
– Oh mein Schnabunkel, welch ein Narr du bist!
64
In deinem gelben Kanapee vergeß ich
65
Sehr viel, – vergeß ich mich und bin ein Kind,
66
Leichtsinnig, treulos, hingegeben, – gut.
67
Nein, du sollst nie erfahren, wer ich bin.
68
Wir wollen hier in diesem kleinen Haus
69
Verstecken spielen vor uns selbst, nicht wahr,
70
Und glücklich sein, weil wir bloß Menschen sind,
71
Nicht der und der und die und die – bloß ich und du.
72
Auch sei nicht Treue hier geschworen, und
73
Kein Band geknüpft; das Heute ist uns hold,
74
Das Morgen mög es sein; was später kommt,
75
Das mag die Götter kümmern, die es walten;
76
Uns wächst kein graues Haar um dies Vielleicht.
77
Küß mich, Schnabunkel! Serenissima
78
Ist küssedurstig und so sehr verliebt
79
In diesen Herrn vom gelben Kanapee,
80
Daß sie nichts hat, was nicht auch ihm gehörte.
81
Sie lebt nur hier; was draußen ist, ist Tod;
82
Ein Vers von dir, ihr in das Herz gehaucht,
83
Ist Lebens mehr, als alle ihre Welt.
84
Hier ist ihr Traum, und sie genießt ihn ganz,
85
Sieht alles glänzend, wies im Traumland ist,
86
Fühlt alles hundertfach, weil sie es träumt.
87
Du bist mein Page, reizend und verrucht,
88
Ich schlich zu dir, die Nacht war warm und feucht,
89
Aus meinem Bette in den Pavillon,
90
Die Sterne blinzeln, und die Nachtigall
91
Schluchzt Liebe aus der Laube von Jasmin.
92
Das Leben ist ein Abenteurerspiel,
93
Gefahr giebt heiße Süße dem Genuß,
94
Die Sünde ist ein wunderbarer Trost
95
Im Leben, das so trostlos grade geht.
96
Ich habe keine Kunst: was Sünde heißt,
97
»ich sehe, daß dein Mund ein Leuchten hat
98
Wie Rosenblätter, und dein Auge schwimmt
99
In Wollust; alles ist so schön erregt,
100
Daß ich empfinde, wie du glücklich bist.
101
Und sieh, mir ist, du wärst von mir ein Lied,
102
Das mir in heitrer Unbewußtheit kam,
103
Ich sag mirs immer, immer wieder vor
104
Und wundre mich beglückt: Das kam von mir?
105
Oh du mein schönes Lied, geschenktes Glück,
106
Du Leben, Traum, Gleichklang und Wiederklang:
107
Daß du mir kamst, zeigt mir, daß Götter sind,
108
Die Gnaden für mich haben und mich führen.
109
Aus Ketten haben sie mich frei gemacht,
110
Wie einen Vogel machten sie mich leicht
111
Und gaben auch den leichten Sinn ins Herz,
112
Der nicht bedenkt und frägt, nur nimmt und singt.«