Elegie

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Ludwig Gotthard Kosegarten: Elegie (1802)

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Krank für Liebe zu seyn, getroffen vom Pfeil des
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Verlangens
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Speis' und Trank zu verschmähn, Menschen
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und Freuden zu fliehn —
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Thorheit däuchte mich dies. Ich spottete strenge
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des Thoren;
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Aber ich büsse verdient für den unheiligen Spott.
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Krank bin ich, wie keiner gewesen, vor sehnender
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Liebe.
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Schier aus den Röhren das Mark zehret die
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sengende Glut.
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Nicht die Gaben der Ceres vermögen zu stärken
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den Matten,
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Jacchos erlesenster Most löscht nicht den dur-
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Denn es fehlt mir der Einen belebende Nähe, sie
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fehlt mir,
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Deren ambrosischem Mund heilendes Labsal
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entquillt.
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Siebenmal thaute die Früh', und siebenmal wehte
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die Dämmrung,
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Seit du, Geliebte, mir fehlst, seit ich ver-
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Ja ich verschmachte nach dir. Nicht länger zu mis-
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Deinen erheiternden Blick, deinen erquicken-
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Siehe die Aue draussen. Auch ihr ist die freund-
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Untergegangen; schon längst birgt sie ein nei-
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Glanzlos liegt nun die Flur und traurend der An-
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Seit ich dein sonnig Gesicht, freundliche Ida,
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nicht sah.
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O so strahle denn wieder hervor aus dem hüllen-
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Morgenröthliches Licht, kläre die Seele mir auf.
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Tritt hervor, o siegende Sonn', in schimmernder
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Schönheit.
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Bringe mir Klarheit und Glanz, Kraft und Ge-
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Die du zu lange verzogst, erscheine, Geliebte, er-
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Stille das schlagende Herz, letze den lechzen-
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Dein beraubt verschmachtet das Herz, wie die wel-
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In der Schwüle des Tags schmachtet nach
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Abend und Thau.
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Lieber entbehr' ich des Lichts, als deines begei-
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Lieber des Liedes Besuch, als dein entzücken-
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Silberner klingt mir dein Gruss, als der Lyra Lis-
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Lieber von dir mich genannt, als von der Zun-
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Seliger ruht es sich, Edle, an deinem steigenden
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Busen,
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Als in der Mutter Natur blüthenbeschneyetem
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Schooss.
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Glücklicher bin ich, umweht von deinen goldenen
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Locken,
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Als von des röthlichen May's schimmernden
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Blüthen beschneyt.
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Tausend sind der Blüthen des May's, und tausend-
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Würzige Düft' entwehn seinem balsamischen
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Hauch.
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Aber du bist die schönste von allen, die frischeste,
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schönste,
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Duftendste Blüthe. Nur säumt, Traute, zu
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lange dein Kelch
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Sich zu erschliessen. Ach eile! dir winken der
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Lenz und die Liebe,
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Dir der erlauende Hauch, dir der belebende
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Strahl.
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Eil', hochschwellende Knospe, verbreite die Krone
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der Blätter,
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Öffne den duftenden Kelch, würze die schmei-
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Lass, zu Säumige! lass den ambrosiaduftenden Torus,
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Zeige dem Harrenden dich, lächel' erbarmend
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ihn an.
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Eines Grusses nur würdige ihn, nur Eines Hand-
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Eines bedeutenden Winks, Eines liebkosenden
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Lauts,
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Und genesen der Quaal, von unsterblichem Leben
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durchfluthet,
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Strebt er empor zum Olymp unter den Göttern
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ein Gott.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ludwig Gotthard Kosegarten
(17581818)

* 01.02.1758 in Grevesmühlen, † 26.10.1818 in Greifswald

männlich

deutscher Pastor, Professor und Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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