Elegie

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Ludwig Gotthard Kosegarten: Elegie (1802)

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Welche fremde Gefühle durchschaudern mich!
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Welche Verwirrung
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Wölket die Sinne! Mich fasst wechselnd Ent-
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Itzt hebt seliges Ahnen empor zu den Sternen die
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Seele;
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Tödtliches Zagen sodann senkt in den Hades
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den Geist.
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Mächte, die mich befehden, ihr feindlichen fremden
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Gewalten,
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Sagt, was verbrach ich? was ists, dass ihr mich
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rächend verfolgt;
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Dass ihr mit dieser Erynnis mich straft, die Frie-
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Bösslich mir raubet, mit Gift wechselnd und
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Nektar mich tränkt!
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Lass, lass ab von mir, gefürchtete Liebe! Nicht
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mag ich
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Kosten des Kelches, der einst selbst den Alci-
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Lass, lass ab von mir. Von deinem Athem be-
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Taumel' ich, schwindel' ich schier. Schone,
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Gefährliche, mein!
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Nein du willst nicht schonen. Mit jeglichem sie-
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Jeder gewinnenden Huld hast du die Feindinn
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geschmückt,
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Diese zu freundliche Feindinn — dich, meine Ida!
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Vergönne,
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Dass die Seinige dich grüsset das liebende
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Herz.
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Freundliche Ida, du bist so hold, wie die Schim-
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Wenn der erwachende Tag röthet das dämmern-
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Bläue des Himmels umrieselt dein schimmerrollen-
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Röthe des Aufgangs verklärt, Huldinn, dein
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blühend Gesicht.
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Dunklere Tinten verschönern den Mund, und lich-
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Schwelgrisch umwallt dich die Fluth goldenen
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ringelnden Haars.
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Abgewogen aufs strengste ward dieser Glieder Ver-
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Dieser Formen Kontur ward von Apelles be-
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Doch wer redet es aus, was diese Formen veredelt,
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Diese Züge verklärt, dieses Gebilde beseelt!
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Wer die rährende Huld, die herzgewinnende Milde,
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Wer die Ruh im Blick, wer in den Augen den
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Sinn!
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Wer die Einfalt und Demuth, die Zucht und Zart-
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Welche dir jegliches Herz, erstes der Mädchen,
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gewinnt.
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Also fand ich dich, Ida. So siegtest du, wenig es
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ahnend,
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Wenig es wollend fürwahr, über des Sicheren
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Herz.
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Ach zu sicheres Herz, wird dir auch Ihres begegnen?
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Allzuvermessenes, wird Ida nicht stolz dich ver-
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Wirst du mich lieben, Geliebte? Dein schmach-
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Dein Erröthen verräth, dass du zu lieben ver-
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Liebe, liebe mich dann! Wohl arm an Schönheit
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und Gaben
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Ward mir doch Reichthum gewährt, Reichthum
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des Herzens und Sinns.
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Liebe des Schönen büsst für den Mangel eigener
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Schönheit,
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Zartheit des Sinns ersetzt, was sonst versagte
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der Gott.
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Liebe, liebe mich, Ida. Es ist der Tugenden
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Schönste,
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Treu zu lieben, das Herz einzig dem Einzigen
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weihn.
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Liebe mich, meine Erwählte. Es ist die höchste
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der Freuden,
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Innig zu lieben, geliebt von dem Geliebten zu
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seyn.
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Ach, dass du mich liebtest! Wie würde das freund-
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Ein Elysischer Traum, Traute, so lind uns ent-
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Arm geschlungen in Arm, und Seele verlohren in
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Seele
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Würden wir wandeln den Pfad, welcher zum
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Cocytus führt,
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Würden vom grauenden Tag bis zu den Schatten
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des Abends
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Irren im flisternden Busch, kosen am kosenden
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Bach,
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Würden, wenn thaute die Nacht, zu ambrosischem
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Schlummer uns lagern,
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Meine Rechte dich gürtend, die deinige mich!
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Würden jede Sekunde mit Küssen beflügeln, und
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jede
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Fesseln mit reinem Genuss, würden in Einem
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Moment
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Beyd', in Einem inbrünstigen Kuss, in Einer Um-
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Zu den Liebenden über den Sternen entfliehn.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ludwig Gotthard Kosegarten
(17581818)

* 01.02.1758 in Grevesmühlen, † 26.10.1818 in Greifswald

männlich

deutscher Pastor, Professor und Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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