Der transparente Mondschein

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Ludwig Gotthard Kosegarten: Der transparente Mondschein (1802)

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Sey mir gegrüsst, sanftdämmernde Landschaft, im
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täuschenden Zwielicht!
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Siehe, wie rollet der Mond über den Bergen
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daher.
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Glänzende Wolken verschleyern des Wandelnden
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freundliches Antlitz,
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Siehe, sie wallen hinweg, glänzender wandelt
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er hin.
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Rings erschimmern die Häupter der Berge, die
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Wipfel des Waldes,
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Silberne Strahlen durchsprühn flitternd das säu-
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Schau, es glänzet der Bach, und jegliche zitternde
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Welle
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Spiegelt dein leuchtendes Bild, freundliche Lu-
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Komm, Geliebte, mit mir in die traulich dämmernde
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Gegend,
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Hier durch die thauige Flur, dort durch das
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grasichte Ried,
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Hier an den blumigen Rand des kalmusduftenden
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Sees,
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Dort in den dämmernden Hayn, drinnen die
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Nachtigal schlägt.
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Horch, wie sie schlägt! Wie dämmerts im Hayn!
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Hellsilberne Tropfen
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Regnen die Wipfel herab. Kühl ists und schau-
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Inniger, meine Geliebte, umflicht mich, noch inniger,
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enger.
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Schaurig und kühl ist der Hayn, einsam und
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schaurig die Nacht — —
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Bey den Schatten des Hayns, bey des Waldes hei-
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Bey den Gestalten, die blass wanken im ra-
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Bey den Schauern der Nacht, bey jenem rollenden
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Monde,
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Welcher dein Antlitz bestrahlt, welcher dein
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Auge verklärt —
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Wie ich dich liebe, Geliebte, so liebte dich keiner,
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so liebet
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Keiner in Ewigkeit dich, ewiglich lieb ich
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dich so.
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Bey den Düften des Hayns, bey dem Ambraathem
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der Matten,
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Bey den Stimmen, die rings flüstern im säuseln-
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Bey den Gewalten der Nacht, bey jenem rollenden
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Monde,
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Der in der Thräne glänzt, die in den Wimpern
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dir bebt — —
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Liebe, liebe auch mich, wie ich dich liebe, Ge-
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Herzlich und schmerzlich und wahr liebe, Ge-
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Inniger, Traute, umflicht mich, noch brünstiger,
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inniger, enger!
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Beben Entzückungen nicht rings durch das Herz
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der Natur?
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Zittern nicht funkelnde Thränen auf Gräsern und
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Blättern und Blumen,
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Strömt nicht edenischer Glanz, magische Hel-
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Weinet nicht lächelnd der Mond? erschauert nicht
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liebend die Landschaft? —
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— — Ach, die Landschaft erblasst! Ach, es er-
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Ausgestorben ist alles, und alles erloschen und
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öde — —
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Ewig im Innersten nur glänzet und glühet es
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mir.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ludwig Gotthard Kosegarten
(17581818)

* 01.02.1758 in Grevesmühlen, † 26.10.1818 in Greifswald

männlich

deutscher Pastor, Professor und Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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