Edmunds Nachtgesang

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Ludwig Gotthard Kosegarten: Edmunds Nachtgesang (1802)

1
Nein, es ist kein täuschend Sehnen,
2
Nein, mich neckt kein eitler Traum.
3
Wohl vermag ich Seyn und Wähnen,
4
Wohl zu scheiden Zeit und Raum.
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Prägt nicht itzt noch diesen Boden
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Ihres Trittes Rehenspur?
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Würzt nicht ihr Ambrosiaodem
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Rings die amaranthne Flur?

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Fühlt' ich nicht, wie leis' und bange
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Mich ihr Lilienarm umwand?
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Flammt nicht noch auf dieser Wange
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Ihrer Wange keuscher Brand?
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Bin ich nicht des Weins noch trunken,
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Der auf ihren Lippen glüht?
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Dessen Gluthstrom Lebensfunken
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Mir durch Mark und Adern sprüht?

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Schäumt nicht noch der Becher über,
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Dess ich bis zum Taumeln trank?
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Bebt nicht noch in Nerv' und Fiber
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Des Entzückens Überschwang?
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Nein, mich trügt kein täuschend Sehnen;
22
Nein, mich neckt kein nicht'ger Traum.
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Noch vermag ich Seyn und Wähnen,
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Noch zu scheiden Zeit und Raum.

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Und so wär' ein Kranz errungen,
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Wie er keinen noch gekrönt?
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Und die Möre wär' bezwungen,
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Und die Nemesis versöhnt?
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Ihn, den Matten, ihn, den Kranken,
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Lezte Labsal, reich und kühl,
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Und nach kühn durchmessnen Schranken
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Wär' erreicht der Ziele Ziel?

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Dennoch hüllt mich leise Wehmuth,
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Mich umflort Melancholie.
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Ich versink' in Schaam und Demuth.
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Edle, dich verdien' ich nie — —
37
Lass, Geliebte, lass gewähren — —
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Nieder sink ich kraftberaubt,
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Und gebadet gar in Zähren,
40
Neigt verzagend sich das Haupt — —

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Weg jedoch mit feigen Thränen!
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Genius, gürte dich zum Streit!
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Spanne die erschlafften Sehnen,
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Ringe nach Vortrefflichkeit.
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Weggeschmelzt sey jede Schlacke,
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Die dein reines Gold versehrt!
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Kühn erklommen jede Zacke,
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Die dem Flug des Adlers wehrt.

49
Nein, Erhabne, nie erröthen
50
Sollst du über deinen Freund!
51
Mag Apollons Pfeil mich tödten,
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Eh dein Liebling dich verneint,
53
Eh der Treffliche mich tadelt,
54
Eh sich Pflicht und Ich entzweyn —
55
Der, den Ida's Wahl geadelt,
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Muss der Menschen Erster seyn.

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Sinken nur, lass nimmer sinken,
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Der durch dich so hoch sich hob!
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Kräft'ge mich mit Blick und Winken:
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Lohne mir mit süssem Lob.
61
Reiche mir zum tapfern Kriege
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Schleiff' und Schärpe, Band und Tuch,
63
Und wenn ich erlieg' im Siege,
64
Kränze meinen Aschenkrug.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ludwig Gotthard Kosegarten
(17581818)

* 01.02.1758 in Grevesmühlen, † 26.10.1818 in Greifswald

männlich

deutscher Pastor, Professor und Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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