Riesenprügelei

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N. N.: Riesenprügelei (1885)

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Er stand vor einer Schmiede tief im Walde
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Und schaute durch die ruß’ge Fensterhöhle,
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Wo drinnen riesige Gestalten regsam
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Mit langen Haken schürten wilde Gluthen,
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Wo fauchend in die Flamme fuhr der Sturmwind,
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Der aus dem Blasebalg gewaltig schnob,
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Wo glühend Eisen schleppend trug ein Riese
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Und auf den Ambos legte und der Andre
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Den wucht’gen Hammer in die Höhe schwang
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Und seine Sehnen kraftvoll dehnend reckte
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Und klingend, schmetternd auf das sprühende Eisen
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Den Hammer warf, indeß der Flamme Glühen
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Des Mannes Antlitz purpurroth umschien.
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Da staunt er ob der kräftigen Gesellen
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Und mächtig faßte ihn der Anblick an,
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Der riesenhafte und vulkanisch-schöne.

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Da trat ein schwarzer Kerl her aus der Schmiede
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Zu ihm, der fuhr ihn höhnisch lachend an:
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„was gaffst du hier, du Milchgesicht, gewaschnes?!
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Kannst du den Hammer schwingen? Was? Und nieder
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Den Ambos schmettern, daß der Boden raucht?
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Heb dich hinweg, sonst haucht der Blasebalg
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Dich wie ein Stückchen Wolle aus dem Wege!“
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Und sprach’s und packte zu und warf ihn nieder
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Und prügelt ihn nach Leibeskräften durch.
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Es traten die Gesellen in das Thor hin
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Und lachten vor Vergnügen, daß die Sterne
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Vom Dröhnen der Erschütt’rung zitternd bebten
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Und fast vor Schreck herabgefallen wären.
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Sternschnuppen fielen wie die Prügel nieder,
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Der Mond verzog sein breites Angesicht
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Und lachte, daß die heitren Thränen nieder
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In weißem Schimmer auf die Bäume flossen
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Und in den Teich in hellen Tropfen fielen.
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Es lächelte der Teich sogar in Wellen
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Und sah den Mond verständnißinnig an
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Und schluckte vor Vergnügen all’ die Thränen,
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Die von dem Mond in weißen Lichtern fielen.
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Und Alles lachte auf der weiten Erde,
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Bis die Gesellen prügelsatt ihn ließen;
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Sie schritten wieder in die heiße Schmiede
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Und schürten lachend neue Gluthen auf.

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Er lag am Boden, blickte auf zum Himmel
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Und fühlte selber schmerzliches Vergnügen
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Und rief die Sterne und die Monde an:
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„ihr kleinen Sterne, o du breiter Mond,
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Ihr großen Götter, o du weiter Himmel,
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Seht mich Zerschlag’nen an! Und ahnt ihr Guten,
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Was der Humor von der Geschichte ist?
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Bewund’re die Natur in ihrer Größe,
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In ihrer Allmacht und erhab’nen Schönheit,
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Sie frißt dich doch zuletzt und drückt dich todt
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Wer ist der Stärk’re nun, ihr Schandgesellen?
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Seid ihr’s? Bin ich’s, der euren Prügel spürt
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Und ’was Gescheidtes noch dazu sich denkt?
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Wer macht den bess’ren Witz? Ich oder ihr?!“

(Arent, Wilhelm (Hrsg.): Moderne Dichter-Charaktere. Leipzig, [1885].Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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