1
Wende Dein Antlitz mir zu, o Herr,
2
Denn mich dürstet nach seinem Lichte!
3
Mich umnachtet Entsetzen und Grau’n.
4
Schick’ Deinen Odem mir zu, o Herr,
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Denn mich verlangt nach seinem Wehen,
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In mir ringet Leben und Tod!
7
Du hörst mein Rufen, ich weiß es!
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Ob ich stehe in Wolken des Himmels
9
Weit entrückt den Gefilden der Flur,
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Auf des Gebirges zackigem Haupt —
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Oder liege, umgähnt von Schlünden,
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In der Erde gräßlichem Bauche,
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Du vernimmst meine Stimme, o Herr!
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Dein Blick ist auf mir, ich weiß es!
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Ob Deine Sonne den Himmel durchwandelt,
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Tränkend die Welten mit Licht,
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Oder Orion die Nacht durchflammet
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Und des Wagens siebenstirnige Pracht, —
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Du siehst meine Nöthe, o Herr! —
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Schrecken waffnen sich wider mich!
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Brüllend lechzet nach mir der Tod!
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Schaudernde Aengste, ein eisiger Strom,
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Wälzen sich über den sterblichen Leib!
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Recke die Hand, o Herr und rühre an meine Seele!
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Daß sie auf himmlischen Schwingen sich hebe
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Aus des Entsetzens erstarrender Fluth.
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Haß und Verhöhnung umtoben mein Ohr —
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Zagend verstummet die Stimme der Hoffnung —
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Oeffne den Mund, o Herr und rede zu meiner Seele,
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Daß sie erwache aus todtem Verstummen!
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Daß Du entstammst von Gott,
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Sei muthig drum im Unheil
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Und trage stolz den Spott!
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Streb’ auf, o meine Seele,
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Sei würdig deines Herrn,
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Er harret, daß du kommest
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Und er empfängt dich gern!
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Soll er herab sich neigen
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Dann kommt er dir entgegen
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Und neiget dir sein Ohr;
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Dann sei bereit, o Seele,
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Dein Gott zieht in dich ein,
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Groß wird und schwer dein Leiden
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Doch du wirst größer sein!
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Ich halt’ es in Händen und lasse es nicht
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Das Band, das, o Herr, mit Dir mich verbindet:
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Glauben und brünstig Vertrau’n!
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Ich wandle in Nacht, doch am Ziele ist Licht,
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Da lodert die Leuchte, die Du mir entzündet,
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Dahin denn, zum Ziel will ich schau’n!
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Nicht gehört meine Seele der Erde
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Keine Erdengewalt zerreißt dieses Band!
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Dir, o Herr, gehört meine Seele,
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Nichts entreißt sie aus Deinem Schooß!
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Ihr Wüstenlöwen mit rollendem Schweif,
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Die die Flanken ihr peitscht, die Tatzen spannt,
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Ist’s seine Kraft nicht, die in euch tost?
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Ihr, deren Rachen wider mich schäumt,
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Deren Auge mir glüht, deren Stimme mir schallt,
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Ist’s nicht sein Donner, der aus euch grollt?
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Seid ihr nicht Kraft seiner Kraft? Zorn seines Zornes?
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Beugt euch vor mir, der ich Geist seines Geistes!