Andacht

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N. N.: Andacht (1885)

1
Vor dem Bild der Mutter Gottes sah ich Dich, Geliebte, beten,
2
Und es trieb mein volles Herz mich, leis an Dich heranzutreten,
3
Und ich blickte Dir in’s Auge, jenes Auge zauberklar,
4
Das umflort vom keuschen Glanze heißer Andachtsthränen war.

5
O Geliebte, dieses Auge, diese jugendfrischen Wangen,
6
Laß sie nicht an jener Heilgen, laß an mir sie glühend hangen!
7
Denn ich fühl es, daß die Gottheit nicht zur Andacht Dich erschuf,
8
Daß der Feuerdienst der Liebe, schönes Mädchen, Dein Beruf.

(Arent, Wilhelm (Hrsg.): Moderne Dichter-Charaktere. Leipzig, [1885].Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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