1
Manchmal ist’s mir, als packte mich ein Krampf,
2
Wenn ich halbmüde, halbverdrossen,
3
Verträumt, mechanisch dem Gewölk nachstarre,
4
Das sich in zarten, duftig blauen Ringen
5
Von der Cigarre mählich löst . . . . — — —:
6
Da ist es mir, als packte mich ein Krampf —
7
Als schlüg’ an’s Ohr mir dröhnend Roßgestampf —
8
Als schlüg’ an’s Ohr mir gellend Horngeschmetter —
9
Als riefe mich Posaunenton zum Kampf
10
Für einen neuen Heiland — einen neuen Retter!
11
In wilden Rhythmen pulst mein Blut —
12
Aufschwillt mir jauchzender Titanenmuth —
14
Und wirbelt auseinander wie der Blätter
15
Zermürbte Spreu im Herbststurmtosen! . . . . .
18
Blüh’n auf in meiner qualzerspaltenen Brust . . . . . .
22
Es dampft das Roß — und in die Locken wühlt
25
Des Mondes gleißend weiße Silberschleier
26
In fahl cristall’nem Schein
28
Auf dem Haideland . . . .
30
Wird da des Zweifels leichenfarbner Dunst! —
31
Es athmet freier auf und freier
33
Und in allmächt’ger Brunst,
34
In neugeborner Werdelust,
35
Umfaßt sie tief und voll
39
Flammt auf wie greller blut’ger Nordlichtschein,
41
Am Heiligsten begangen ward!
43
Hab’ ich gefröhnt nur blödem
44
— — — — — — — — — — — — — — — — —
45
— — — — — — — — — — — — — — — — —
46
Hei! Wie der Sturm in gellender Melodei,
47
Mit dröhnend heis’rem Schrei,
48
Mir um das Haupt braust!
49
Wie die Wolken flattern
51
Zerrissen und zerfetzt,
52
Zu Riesenbänken sich zusammenschieben! … — — —
53
Ich balle wild die Faust:
54
Das war dein Sein? — das war dein Lieben?
55
Verflucht! Nur Nattern,
57
Hast du an deiner Brust genährt,
58
Hast dich erbärmlich nur gescheert
59
Nach Hinz und Kunz und ihrem Alltagsschnattern!
60
Liebäugeltest mit Basen und Gevattern —
61
War das ein Leben aus dem
63
Von heil’ger Leidenschaft,
64
In unversöhnlich großem Rächergrollen
65
Du niederschlugst der Buben feilen Tand?!
66
Und wo mit schwertbewehrter Siegerhand
68
Wo du mit der Parole: „ich vollbrings!“
70
Ein starker Siegfried, sprengtest aus den Fugen?!
71
Und ihre Räthselfragen,
73
Die manchen Schwächling schon zerbrochen,
78
So leichte Beute nächtiger Gewalten! …
79
— — — — — — — — — — — — — — — — —
80
So schreit’s in mir, und wilder Durst entbrennt
81
In meiner Brust nach stürzender Zerstörung!
82
Stolz wogt des Hasses Flammenelement
83
Und lechzt nach Rache und Empörung!
84
Satt hab’ ich endlich diese Hirnbethörung —
85
Satt diese dunst’ge Trugbelehrung!
86
Der Afterweisheit Götzen will ich fegen
87
Von ihren gleißenden Despotensesseln —
88
Will mit der That gewucht’gen Donnerschlägen
89
Ihr Reich in Schutt und Trümmer legen:
90
Denn — nein! — nicht länger trag' ich diese Fesseln!