Pallas lunatica

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N. N.: Pallas lunatica (1885)

1
Es war in einer blauen Sommernacht;
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Vom Himmel schien, wie blüh’nd in Lilienpracht,
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Der Mond hernieder in mein Kämmerlein,
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In dem ich saß am Fenster und allein.

5
Ich saß allein, das Herz von Trauer schwer,
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Indeß aus einem fernen Garten her
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Brummbaß und Geige durch die Stille klang
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Zu wildem Tanz und lustig tollem Sang.

9
Das Herz von Trauer schwer, saß ich allein,
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Sah wie gebannt in diesen weißen Schein
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Des Mondenlichts, und geisterhaft und mild
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Schien auf mich nieder, ach ein leuchtend’ Bild.

13
Ich kenne dich, o Antlitz, edelbleich,
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Wer riß dich aufwärts aus dem Schattenreich,
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Wo du seit Jahren schliefest wonnestill,
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Die blasse Stirn umkränzt von Asphodill?

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Was siehst du mich so glänzend schweigsam an?
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Ha, immer wirket noch dein Zauberbann,
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Der mich emporträgt mit des Adlers Schwung —
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O Sehnsucht, Sehnsucht, o Beseligung!

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Vergessen wie ein Traum der Erde Leid!
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O Himmelslust! O
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Ach, weißes Antlitz, lotosblumenschön,
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Was blickst du sinnend auf zu

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„schau’st du dort oben jenes höchste Licht“ —
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O frommes Kind, ich seh es nicht,
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Ich seh’ nur, wie versinkt das Blau der Nacht
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In immer düst’rer glänzend schwarze Pracht.

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„geduld! wir sind von ihm nicht mehr so weit“ —
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O du mein Stern, umhüllt von Seligkeit,
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Wag’ ich zu ahnen kaum das höchste Licht,
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Von dem dein blasser Mund verheißend spricht.

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„o weiter, weiter nur zum Flug hinan“ —
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Mein heilig Kind, ich bin ein kranker Mann,
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Bin müde, grenzenlos, schon sink’ ich, weh …
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Von unten winkt ein nachtschwarz stummer See.

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O du mein Stern, o weiße Blume du,
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Mein Himmel, ach, ich sehne mich nach Ruh —
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„geliebter, siehst du nicht den ros’gen Schein?“ …
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Mein Muth zerbricht, weh’ mir, flieg du allein!

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Umathmet schon vom Hauch des ew’gen Lichts,
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Sank ich hinab ins bodenlose Nichts;
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Und während aus den Tiefen ich so nah
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Des ries’gen Dämons höhnisch’ Grinsen sah,

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Da scholl es wild wie ein Verzweiflungsschrei
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Von oben her in grauser Melodei:
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„getrennt auf immerdar! Du
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An der Verheißung ewig leuchtend Licht!“

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Schweiß stand auf meiner Stirn. Ich war erwacht
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Aus meinem Traum; und in die blaue Nacht
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Sah ich hinaus; verstummt war Sang und Tanz —
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Und nur zu fühlen noch des Mondes Glanz.

(Arent, Wilhelm (Hrsg.): Moderne Dichter-Charaktere. Leipzig, [1885].Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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