Abenddämmern

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N. N.: Abenddämmern (1885)

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Abenddämmern trüb und fahl,
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Tiefe Stille webt im Thal.
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Schleier rings die Berge kränzt,
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Selten nur ein Stern erglänzt.
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Wellen zieh’n und Winde rauschen,
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Träumend neig’ ich mich, zu lauschen
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Und mir dünkt, daß Höh’n und Tiefen
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Und die Wälder all’ mich riefen.
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Unbegreiflich Heimathsehnen —
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Strömt hervor mir heiße Thränen.
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Seele möcht’ den Leib’ verlassen,
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Möchte gern ein Ewiges fassen:
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Das in süßem Friedgewähren
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Sie entrückt in holde Sphären …

(Arent, Wilhelm (Hrsg.): Moderne Dichter-Charaktere. Leipzig, [1885].Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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