Ekloge

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Ludwig Gotthard Kosegarten: Ekloge (1798)

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Die ihr vom Sund bis zum Istrischen Golf,
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vom Rhein bis zur Dwina
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Öfter den Niegeseh'nen begrüsset mit freundlichen
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Zeilen,
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Eurer Liebe Kund' ihm bringet, und Kunde da-
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gegen
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Seines Leidens und Thuns von dem Nimmerzusehen-
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den heischet;
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Hört, wie ich leb', ihr Guten, in meiner äusser-
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sten Thule,
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Wie am Gestade des wogenden Meers, wie so fern
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von der Städte
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Lärmendem Prunk, von den Freuden des Klubs,
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von den Zirkeln der Weisen
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Und von der Freund' erquickendem Umgang; wie
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mir des Tages
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Zögernde Stunden entfliehn, und die einsamen
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Stunden des Abends —
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Dieses alles vernehmt, dieweil ihr es heischtet,
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Geliebte.

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Zwischen wallenden Saaten, und zwischen den
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Pappeln des Kirchhofs,
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Rechts und links umgürtet mit labyrinthischen Gär-
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ten,
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Von Sturmweiden bekränzt und hundertjährigen
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Eschen,
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Ruhet des Einsamen stilles Gehöft am Saume des
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Fleckens.
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Räumig und rein ist der ländliche Hof. In des Ho-
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fes Vorgrund
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Wohnt im bescheidenen Häuschen der wohlbeleibte
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Colonus.
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Manche zog er der rüstigen Söhne, der blühenden
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Töchter,
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Deren die Einen am Pflug', an der Sens', in der
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Scheun' und der Wiese,
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Diese mit hochgeschürztem Gewand am Herd und
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der Krippe,
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Auf der Bleich' und am Webstuhl die alternden
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Eltern erleichtern.
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Reges Leben, und fröhlicher Fleiss, unendlicher
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Jubel
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Tönt um uns her in die sinkende Nacht vom däm-
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mernden Morgen.
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Horch, es pfeift im Verschlag der Hechselschneider.
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Es flöten
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Während des Sägens die munteren Bursche. Die
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fröhlichen Dirnen
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Säubern dahlend den Stall, und bleichen jachternd
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die Leinwand.
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Siehe, wie brausen im Weiher des Hofes die dam-
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pfenden Pferde!
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Siehe den breitgestirnten Stier, die hüpfende
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Starke,
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Und die ehrbarwandelnde Kuh mit strotzendem
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Euter.
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Schnaufend stehen sie, schlürfen des trüben Teiches.
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Die Enten
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Lärmen dazwischen; es schnattern die Gäns'; es
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kollert der Truthahn.
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Lauter denn all' erjauchzt der schwemmende Junge.
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Das Mägdlein
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Kniet am Eimer indess und singt sich ein lustiges
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Stuckchen.

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Aber ein wenig zurückgerückt vom Lärmen der
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Wirthschaft
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Ruht an des Hofes fernstem Saume das ländliche
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Wohnhaus.
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Finster belaubte Kastanien schirmen die Stufen des
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Eingangs
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Vor der Sonne mittäglichem Brand. Ein lachender
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Rasen
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Dienet zum Tummelplatze, zum fröhlichen, wei-
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ten, den Kleinen,
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Welche das rothe Staket vor des Teichs Gefahren
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beschützet.
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Schlecht und recht ist mein ländliches Haus. Nicht
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Pfannen noch Zungen
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Decken es, sondern der wärmende Halm, und die
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Wand ist nur leimern.
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Aber drinnen ist's dämmernd und kühl. Es umsäu-
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seln den Gastfreund
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Fried' und Still' und vertrauliche Ruh. Nicht tauscht'
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ich mein Halmdach
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Gegen Potemkins Eisenpallast, mein freundliches
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Zimmer
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Nicht um den Bernsteinsaal der grossen Frauen in
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Osten.

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Wie ich verlebe den zögernden Tag, wie des
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einsamen Abends
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Langsam gleitende Stunden dem Abgeschiedenen
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fliehen,
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Dieses vernehmt nunmehr, dieweil ihr es heischtet,
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Geliebte.
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Dämmernd erwacht in Osten der Tag. Die Blume
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des Morgens
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Öffnet die tausendblättrige Knospe. Die Rosen, die
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Krokos
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Regnen mir zwischen den Vorhang hinein. Die
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wachsende Helle
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Reget mir leise die Wimper, und sanft erwach' ich
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ins Leben.
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Angelächelt vom werdenden Tag' entschlüpf' ich
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dem Lager,
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Lehn' ins offene Fenster hinaus, und Augen und
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Seele
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Weiden sich, wiedergeborne Natur, an deiner Ver-
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jüngung.

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Dieses lautere Blau, und diese lebendige
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Kühle,
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Diese duftende Frisch', und dieses wogende Licht-
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meer —
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Quellen sie, rieseln sie nicht aus des Ewigen strö-
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mender Urne?
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Heben sie nicht den ermatteten Geist zu dämoni-
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schem Leben,
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Blähen mit Äther die Brust, und schwellen die
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Adern mit Ichor?
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Sieh, wie das springende Licht in immer mäch-
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tigern Strahlen
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Aufsprüht! Wega erblasst; es verbleicht die Wange
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Selenens;
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Phosphoros hängt mit geschorenen Locken. Im lo-
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dernden Frühroth,
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Siehe, wie funkeln die Gärten! Wie weben die
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Wipfel der Esche!
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Siehe, wie blitzet die thauende Flur! Der blühende
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Himmel
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Strahlet gemildert zurück aus des Meers geschliffe-
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nem Spiegel.

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Also entstieg dem Bade des Meers der Dulder
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Odysseus,
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Schimmernd von Schönheit und Reiz. Wie die pur-
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purne Blum' Hyakinthos
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Wallte geringeltes Haar um seine blendenden
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Schultern.
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Also enttauchet in blendendem Glanze, von bren-
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nenden Locken
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Rings umrollt die Sonne den öftlichen Fluthen.
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Wie glühet
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In ihr fliessendes Gold getaucht des
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Graue Scheitel. Wie flimmern die Wetterfahnen des
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Dorfes,
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Wie die Fenster der Burg, worinnen mein
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wohnet!

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Aber schon wird dem Betrachter des unermess-
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lichen Himmels
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Und der lebenernährenden Erde zu enge das Zim-
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mer.
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Lechzend den volllebendigen Strom mit lüsternen
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Zügen
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Einzuschlürfen, mich sehnend an deinen wallenden
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Busen,
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Mutter Natur, mich anzuschmiegen, mit Inbrunst
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des Kindes,
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Flieg' ich die Stufen hinab, entschlüpfe den Pfor-
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ten, und schreite
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Selig hinaus in den seligen Tag; die Kühle des
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Morgens
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Wehet schauernd mich an, wie Säusel der nahen
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Gottheit!

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Sinnend wandl' ich nun auf und ab auf duften-
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dem Rasen,
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In der Kastanien fächerndem Schirm, erfrische die
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Glieder
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Mit der Kühle des Quells und mit der Kühlung des
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Morgens,
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Mustre die Blumen, die hinter den grünen Staketen
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am Fenster
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Etwa die thauende Nacht erschloss, und die freund-
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liche Frühe,
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Breche die blühendste mir, die blätterreichste der
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Rosen,
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Höre der Melkerin Morgengesang, des tränkenden
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Jungen
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Frohes Gejauchz', und bedenke die Pflichten des
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eigenen Tagwerks.

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Itzund träget der Diener der gabenreichen Le-
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vante
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Balsamhauchendes Öl hinan die Stufen. Nicht un-
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gern
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Folg' ich dem Knaben. Und während noch säuselt
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die freundliche Frühe,
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Während noch schlummern das liebende Weib und
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die lärmenden Kleinen,
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Tauch' ich hinunter in seliger Muss' in die Wonne
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des Denkens,
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Steige hinab in die Tiefen des Ich, in den Schacht
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des Bewusstseyns,
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Lüpfe den Schleyer des Denkens und lausch' am
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Vorhang des Wollens;
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Suche das ewig entschlüpfende Band, das mit dem
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Gedanken
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Das Gedachte verknüpft und mit dem Grunde die
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Wirkung;
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Grübl' über Raum und Zeit, und über das Seyn und
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das Nichtseyn,
198
Über die Form und den Stoff, und über das Ich
199
und das Nicht-Ich;
200
Über den Trieb und die Pflicht, und über das Thun
201
und das Leiden;
202
Über den schwerzuschlichtenden Zwist der Natur
203
und der Satzung,
204
Über den ewigen Kreisgang, und den unendlichen
205
Fortschritt;
206
Über das eiserne Fatum, und den anarchischen Zu-
207
fall;
208
Über des Weisen tröstende Ahnung, den Glauben
209
der Guten
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An moralische Ordnung und weise Güte des Welt-
211
plans —
212
Über diess alles versteigt sich der Grübler in schau-
213
dernde Tiefen,
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Thürmet Soriten, und spaltet Begriffe, und wäget
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den Ausdruck,
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Bis es ihm schwindelt. Der Faden entschlüpft, die
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Fackel erlischt ihm.
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Undurchdringliche Nacht und ausganglose Verwir-
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rung
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Starren um den Tappenden her. Es retten ihn kaum
221
noch
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Des Gemeinsinns leitender Strahl und der Rufer
223
im Busen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ludwig Gotthard Kosegarten
(17581818)

* 01.02.1758 in Grevesmühlen, † 26.10.1818 in Greifswald

männlich

deutscher Pastor, Professor und Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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