Cidli und Meli. Eine Idylle aus dem Paradiese

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Ludwig Gotthard Kosegarten: Cidli und Meli. Eine Idylle aus dem Paradiese (1798)

1
Zilia sass in Zederschatten. Die liebliche
2
Cidli
3
Sass auf Ziliens Schooss. Es flog dem blühenden
4
Mägdlein
5
Rings um die Schultern das ringelnde Haar im Säu-
6
sel des Abends.
7
Staunend sass sie. So staunt, wer süss geträumet,
8
und plötzlich
9
Aus dem Traum' erwacht. So staunte die sinnende
10
Cidli
11
Ob dem jüngst verflatterten Traume des nichtigen
12
Lebens.
13
Manches fragte die Kleine; und manche lehrende
14
Antwort
15
Gab ihr Zilia schonend zurück. Mit vertraulicher
16
Liebe
17
Hing des Mägdleins glänzendes Aug' an der Führerin
18
Antlitz.

19
Und es neigte der Tag. Auf des Meers lasure-
20
nem Bette
21
Ruhete grossgeaugt und segenspendend die Sonne.
22
Feyrend lag vor der Segnenden Auge die freundliche
23
Schöpfung.
24
Düft' entströmten dem Wipfel der Zedern; melodi-
25
sche Stimmen
26
Rieselten durch ihr säuselndes Laub. Aus der Näh'
27
und der Ferne
28
Wehten äolischer Harfen Kläng' und der Orphica
29
Lispel.
30
Cidli's staunende Seele durchzitterten Schauer auf
31
Schauer.
32
Inniger schmiegte sie sich und fester an Ziliens
33
Busen.

34
Und nun waltete heilig die Nacht auf Hügeln
35
und Thalen,
36
Lau und frisch und strömend von Düften. Es
37
glimmte das Spätroth
38
Durch das flitternde Laub, und färbte die Wangen
39
des Mägdleins.
40
Staunend empor sah Cidli zum sternebesäeten
41
Himmel.
42
Andere Stern' erschienen der Wundernden; andre,
43
als jene,
44
Die ihr der Vater gezeigt, wenn gegenüber den
45
Fenstern
46
Sirius flammten und Rigel, und Betegeuze die
47
Schöne;
48
Andere, schönere, funkelndre Stern' erschienen der
49
Kleinen.
50
Emsig schaute sie auf. Und sieh! am Saume des
51
Osten
52
Glomm ein weisslicher Schimmer empor. Der sil-
53
berne Schimmer
54
Lichtete sich mit jeglichem Nu. Und siehe, mit
55
einmal
56
Quoll ein leuchtender Ball herauf aus den grollenden
57
Fluthen.
58
Weithin glänzte die Fluth; es glänzten die Häupter
59
der Berge.
60
Ziliens hehres Aug' erglänzt' in Thränen der Rüh-
61
rung.
62
Zärtlicher schmiegte sich Cidli an sie; und „Zilia“
63
sprach sie:
64
„welch ein Mond ist diess! Viel schöner wahrlich
65
ist dieser,
66
„als der blasse, der manche Nacht mit fliessendem
67
Silber
68
„unsre Wände daheim besprengt' und mein schwel-
69
lendes Lager.
70
„lieb war jener und gut; doch grösser ist dieser
71
und schöner.“

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Ludwig Gotthard Kosegarten
(17581818)

* 01.02.1758 in Grevesmühlen, † 26.10.1818 in Greifswald

männlich

deutscher Pastor, Professor und Dichter

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.