Eusebia

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Ludwig Gotthard Kosegarten: Eusebia (1798)

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Wem, o Freundin, als dir, die du den einsa-
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men Waller
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Auf der Reis' in das Grab leitest mit freund-
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licher Hand,
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In den einsamen Weg manch duftendes Blümchen
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ihm streutest,
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Aus dem Antlitz ihm bogst manchen ver-
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wundenden Dorn;
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Die du, sorgsam den Frieden der eigenen Seele
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bewahrend,
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In des Gefährten Brust öfter die Stürme
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beschworst,
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Jede Schickung ertrugst mit überwindender Liebe,
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Immer wahr und treu jegliche Prüfung be-
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standst;

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Die du uns, Beste, umschlangst mit dieser Blu-
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menguirlande
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Knospender Menschen, sie pflegt liebend
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der Strahl und der Thau.
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Horch, wie jauchzen die Frohen! wie stürmen die
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Freudigen, siehe!
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Diese mit Anmuth geschmückt, jene gerüstet
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mit Kraft!
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Zwischen den Lilien spielt, selbst Lilie, unsre
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Allwine,
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Hinter dem Schmetterling jagt
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der Schmetterer, her;
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Während am Saume der kosenden Mutter sich
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anschmiegt,
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Und in dem Schooss, der ihn trug, lächelnd
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Emilius ruht Diese blühende Guirlande ist nun zerrissen. Unsre engelgleiche Julie entschlief drey Tage nach Abfassung dieser Elegie; unser lächelnder Emilius drey Wochen später. —
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Edele, Anspruchlose, Demüthige, Friedliche, Stille,
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Wem, Geliebte, als dir, sollt' ich Eu-
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sebien weihn!

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Hast du Eusebien wohl, die Tochter des Himmels,
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gesehen?
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Zu den Hütten des Grams stieg sie erbar-
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mend herab.

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Ihre Lippen umfliesst ein trostverkündendes Lä-
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cheln;
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Ihrer Augen Gewalt mildert der Mensch-
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lichkeit Thau.
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Freundlich leitet und sicher die Höhe den tappenden
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Wandrer
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Auf der Pflicht und des Rechts stickelen
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Pfaden hinan;
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Leuchtet im Nebel des Meinens ihm vor mit der
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Lampe des Glaubens;
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Rettet auf schmalem Steg ihn durch die
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Sümpfe des Wahns,
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Mahlt ihm in jegliche träufelnde Wolke den Bogen
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des Friedens,
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Färbet mit Lasur und Gold jeden zerfliessen-
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den Duft;
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Und wenn hinter die Gräber die Sonne des Lebens
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hinabsinkt,
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Wenn erebische Nacht um die Erblindenden
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starrt,
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Zeigt sie der Ewigkeit Riesenscheitel uns funkeln
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im Goldglanz
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Einer Aurora, die dir, Insel der Seligen,
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strahlt.

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Mög' Eusebia uns durchs trübe Leben geleiten!
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Möge sie Kühlungen uns wehn in der
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Schwüle des Tags,

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In den Frösten der Nacht uns decken mit wärmen-
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dem Fittig,
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Uns in der ehernen Schlacht wapnen mit
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ehernem Muth!
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Möge sie letzen das Sehnen des schwerbefriedigten
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Herzens,
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Möge sie schlichten den Streit zwischen
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dem Nicht-Ich und Ich!
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Wenn der Vergangenheit Leichenflor die Gegenwart
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einhüllt,
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Wenn die Gegenwart selbst schwindelt am
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Rande der Zeit,
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Möge die Gütige dann den dichtgewebeten Schleyer,
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Welcher die Zukunft deckt, lüpfen mit
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freundlicher Hand,
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Dass umgossen vom Glanz des nie erblassenden Früh-
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roths,
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Von Accorden umtönt, welche kein
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zart vernahm,
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Von Gestalten begrüsst, die keine
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Über die Sterne hinaus schwebe der trun-
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kene Geist!

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Friede, Beste, mit dir! Mit unsern Lieblingen
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Freude!
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Deine Liebe dem Mann, der dir Eusebien
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weiht!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ludwig Gotthard Kosegarten
(17581818)

* 01.02.1758 in Grevesmühlen, † 26.10.1818 in Greifswald

männlich

deutscher Pastor, Professor und Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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