An Fanny

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Ludwig Gotthard Kosegarten: An Fanny (1798)

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Warum bleichet Kummerblässe,
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Fanny, dein Gesicht?
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Warum wölket Thränennässe
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Deines Auges Licht?
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Um dich lärmen laute Freuden.
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Aber tiefverhohlnes Leiden
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Nagt an deiner wunden Brust,
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Und dir widern Scherz und Lust.

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Klagst du ob der Guten, Frommen,
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Die der Tod dir nahm?
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Klage nicht um sie; entnommen
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Ist sie jedem Gram.
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Alles Herzeleids entbunden,
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Jedem Ungemach entwunden,
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Ruht sie in der Schwester Arm,
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Härmt sich nur um deinen Harm.

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Lass sie schlummern ihren Schlummer
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Nach des Tages Last.
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Süss behagt nach Müh' und Kummer,
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Sanft und süss die Rast.
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Wenig waren ihrer Freuden;
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Zahllos waren ihre Leiden.
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Schwerermattet sank sie hin,
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Eine fromme Dulderin —

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Warum blicken wir so traurig
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In die Nacht hinab?
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Warum dünkst du uns so schaurig,
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Stilles kühles Grab?
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Bist du doch die traute Kammer,
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Welche schwichtigt jeden Jammer,
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Welche jede Unruh stillt,
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Schonend jede Schuld verhüllt.

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Warum macht uns dein Erscheinen,
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Tod, so angst und bang?
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Säumst du doch dem Frommen Reinen,
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Retter, nur zu lang!
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Heil und Preis dem Abgesandten,
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Der den schmachtenden Verbannten
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Ruft aus seines
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Heim ins süsse Vaterland.

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Warum ängstigt uns dein Dunkel,
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Ewigkeit, so sehr!
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Schönrer Welten Sterngefunkel
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Glänzt durch dich daher!
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Bürgt der Mond nicht für die Sonne?
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Kränzt nicht Wehmuth sich mit Wonne?
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Deutet Ahnen nicht auf Schaun,
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Nicht auf Geister unser Graun?

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Selig, die im Herrn entschliefen!
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Selig, Fanny, sie!
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Die die Engel dir entriefen,
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Schau, sie führten sie
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Aus den Nebeln in die Klarheit,
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Aus den Träumen in die Wahrheit,
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Durch das Zweifeln zum Vertraun,
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Durch das Ahnen hin zum Schaun.

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Darum trockne deine Thränen!
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Heitre deinen Blick!
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Nicht dein Jammern, nicht dein Sehnen
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Bringt sie dir zurück.
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Liebe! hoffe! dulde! glaube!
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Und aus Edens schönster Laube
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Schaut sie lächelnd deiner Ruh,
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Segnend deinen Thaten zu!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ludwig Gotthard Kosegarten
(17581818)

* 01.02.1758 in Grevesmühlen, † 26.10.1818 in Greifswald

männlich

deutscher Pastor, Professor und Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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