Der Sternhimmel

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Ludwig Gotthard Kosegarten: Der Sternhimmel (1798)

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Freund, in welchen fernen Regionen,
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Welchen sterngestickten Himmelszonen,
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Schwebst du itzt auf unerspähter Bahn?
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Schaust im ungeheuren Weltenraume
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Ebentheuer, welche selbst im Traume
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Kepler nicht, noch Galiläi sahn.

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Musterst du der Allmacht Kriegesheere?
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Siehst den drangen Halmwald ihrer Speere?
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Horchst dem Sturmwind ihres Riesengangs?
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Siehst das Funkeln ihrer Blitzgeschosse,
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Hörst das Wiehern ihrer Flammenrosse,
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Und die Donner ihres Schlachtgesangs?

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Fliegst du mit
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Weit und breit umher im Schlangenringe
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An dem Finger der Unendlichkeit?
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Ruderst du mit
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In dem inselvollen Oceane
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Uferloser Unermesslichkeit?

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Landest itzt am Ufer der
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Itzt am Archipelag der
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Itzt an
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Klimmst empor auf
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Rollst hinab auf
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An des Horizontes fernsten Rand?

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Tauchest dich in
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Badest dich in
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Schwimmst im silbernen
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Steigst empor mit
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Schiffst hinab des Milchwegs schroffen Bogen
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Bis zum Flammenschleudrer

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Staunst du ob
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Folgst begeistert seinem Siegeszuge
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Durch der Urnacht alte Dämmerung?
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Bebst nicht vor
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Nicht vor
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Nicht vor

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Fährst du mit Allvaters Sieges
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Siehst
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Siehst, wie
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Wie vor
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Dubhe's goldne Mähnen auseinander stieben,
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Und der trotz'ge

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Oder flüchtetest du wallfahrtmüde
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Zu des
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Pflegst auf seinem Söller stolzer Ruh?
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Siehst der Welten Labyrinthentänzen
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Sonder Stillstand, sonder Ziel und Gränzen
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In erhabener Bewundrung zu?

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Schwebe, wo du schwebst, in welchen Fernen,
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Walle, wo du wallst, auf welchen Sternen —
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Weiss ich doch, dein wonnetrunkner Blick
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Schauet oft aus jenen Glanzgefilden
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Wehmuthdämmernd nach dem blassen milden
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Mutterstern, der dich gebar, zurück.

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Wo dir sieben und zwanzig Lenze sprossten,
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Sieben und zwanzig Winter dich umschlossten,
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Sieben und zwanzigmal der Herbst dein Haupt umflog;
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Wo in ihrem warmen Mutterschoosse
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Für das Gute, Wahre, Schöne, Grosse
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Dich die freundliche Natur erzog;

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Wo manch gutes Herz sich zu dir fügte,
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Manches Freundes Arm sich um dich schmiegte,
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Mancher Fühlende sich an dich hing;
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Wo
65
Wo
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Und mein Jugendfreund auch dich umfing —

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Ja, ich weiss, du schaust mit sanftem Sehnen
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Oft hinunter nach dem Stern voll Thränen,
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Der dich keimen, blühn und welken sah.
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Reifte doch dein Geist in seinen Strahlen,
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Wandeln doch in seinen stillen Thalen
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Noch Ellwina und Rosalia!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ludwig Gotthard Kosegarten
(17581818)

* 01.02.1758 in Grevesmühlen, † 26.10.1818 in Greifswald

männlich

deutscher Pastor, Professor und Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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