Phillis, die Helferin. Eine Idylle an Damon . 1763.

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Anna Luise Karsch: Phillis, die Helferin. Eine Idylle an Damon . 1763. (1792)

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Hellaugigte, dem Frühling ähnliche Tage wünsch ich
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O Damon! dir, und jeglichem zartfühlenden Schäfer,
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Dem sein Schicksal verlieh eine Hütte von dünnen
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Gewebten Widerstand gegen die herbstlichen Sturm-
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winde,
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Welche gefiedert mit Schneeflocken, oder mit peit-
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schenden
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Wolkengüssen daher kommen, und in mitternächtlicher
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Stunde
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Feindseelig von deinem Auge verscheuchen den Kraft
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einflößenden
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Schlummer. Du lächelst meinen Bedaurungen, denn
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Deine zufriedne ruhige Seele schätzt dich glückseelig
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Gegen einer unzählbaren Menge von Menschen, de-
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nen nicht
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Das gefräßige Raubthier, der Krieg, gelassen hat
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das Fell
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Eines Lammes, um ihre Schultern zu schützen vor
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Dem Mauerdurchdringenden Nordwind, der
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Die Wälder entblößt, und abstreift sorgfältig gepfle-
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geten Bäumen
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Des ungezäuneten Gartens jegliches Blatt. Traurig
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Stehen sie da! gleich der nakkenden Armuth weinen
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Sie von ihrer schmucklosen Stirn herunter die Nässe
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Der dicken niederfallenden Luft, voll Schauer einhau-
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chenden
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Kälte. Dieser Anblick, o Damon! erinnertdeine Phillis
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An das Bild einer unglücklichen Hirtin. Höre von mir
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Du leisefühlender Schäfer! Diese das Herz angreifende
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Geschichte, und liebe noch anbetender Deine Phillis.

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Sie bewohnte mit ihrer trauertragenden Mutter
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Eine nicht weiträumichte Hütte auf wehrloser Trift
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In jenen schrecklichen Tagen, als Räuberheerden
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Aus fernen Wüsteneyen gezogen kamen. Gleich den
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Verderblichen Wetterwolken hagelten sie Verwüstung
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Auf blühende Fluren, nnd dichtverwachsene Weitzen-
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furchen,
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Und zerbissen mit schäumendem Zahn den grasgrünen
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Apfel
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Und die unvollkommene, steinharte Birn
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Abgerissen von den widerstrebenden Aesten des un-
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willigen
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Baumes. Brüllend stürzten sie über die Felder
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Auf Pfeilschnellen Roß. Ihr Ansehn war das furchtbare
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Bild eines Thraciers oder Parthers, vor welchen in
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alten Zeiten
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Gezittert haben die Schäfer unter den Mandelbäumen
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Und Weinstökken der immergrünenden Hügel
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Und blumvollen Thälern Italiens. Phillis tröstete
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Mit überredender Stimme ihre zaghafte Mutter;
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Zärtlich drückte sie das bebende Herz an ihren kindlichen
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Busen, in welchem mehr männlicher Muth klopfte,
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Und mehr Zuversicht redete von den beschützenden
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Göttern.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Anna Louisa Karsch
(17221791)

* 01.12.1722 in Skąpe, † 12.10.1791 in Berlin

weiblich, geb. Karsch

deutsche Dichterin

(Aus: Wikidata.org)

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