An die Ostersonne

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Anna Luise Karsch: An die Ostersonne (1792)

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Ostersonne! du bist schön
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Meiner Freundin aufgegangen,
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Kinder werden um sie stehn,
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Ihren Seegen zu empfangen,
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Und dazu ein buntes Ei,
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Und ich hoffe, daß sie heiter
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Wie der Ostermorgen sey,
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Hoffe, daß sie mich noch weiter
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Lieb behalten wird, ob ich
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Gleich ihr Antlitz nicht mehr sehe —
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Osterwasser läßt Sie sich
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Wol nicht schöpfen in der Nähe
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Aus der Elbe, wo du dich
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Dreymal hüpfend hast gespiegelt,
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Sie will nicht verschönert seyn —
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Grüße hat Sie fortgeflügelt,
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Und vielleicht ist einer mein
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Unter diesen Ostergrüßen,
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Und in diesem Erdenthal
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Werd ich heute Dich genießen
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Ganz gewiß zum letztenmal;
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Denn ich darf nichts mehr versuchen
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Vom gebratnen Osterlamm,
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Oder auch vom Osterkuchen;
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Ich bin wie ein Weidenstamm,
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Den der Wurm ganz hohl gefressen
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Und die Fluth halb abgespühlt
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Von dem Raum, wo er gesessen.
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Meine Seele lebt und fühlt
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Nur noch deinen Glanz, du milde
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Süße Knospenöfnerin!
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Nur mein Auge sieht noch hin
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Ins beblümte Grasgefilde,
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Bleibt noch munter, bis es bricht;
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Brechen wirds eh du vorhanden
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Wieder bist, und singen hörst:
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Von dem, den du hüpfend ehrst,
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Er sey auferstanden —
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Auferstehen soll auch ich,
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Aber ob mit diesem Leibe,
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Den du wärmest, wenn ich dich
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Sehe durch die Fensterscheibe,
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Ob mit dieser welken Haut
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Und mit diesen morschen Knochen?
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Ob mein Grab wird durchgebrochen
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Von dem Kopfe, der jezt sich
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In die Höhe kann erheben,
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Wenn die Nacht dem Tage wich
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Und du Thätigkeit gegeben
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Einer halben Welt wie mir —
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Ob du mich siehst auferstehen,
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Oder ob auch deine Zier
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Mit den Bergen untergehen,
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Mit den Thürmen stürzen muß? —
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Ach! dies kann kein Weiser sagen,
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Und ich wills auch beim Genuß
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Nicht ergrübeln, nicht erfragen,
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Will genießen deinen Glanz
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In des jungen Frühlings Tagen,
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Will mir einen Blumenkranz
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Noch um meine Schläfe winden,
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Wo sich hin und wieder nur
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Läßt ein graues Härlein finden,
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Des gestiegnen Alters Spur. —
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Soll mir nun mein Auge brechen,
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Ehe noch ein Jahr entschlüpft
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Und von dir viel Christen sprechen,
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Daß du dreimal aufgehüpft
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An des Ostertages Morgen,
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Dann hab’ ich den Engel lieb,
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Der aus einer Welt voll Sorgen
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Mich in eine beßre trieb —

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Anna Louisa Karsch
(17221791)

* 01.12.1722 in Skąpe, † 12.10.1791 in Berlin

weiblich, geb. Karsch

deutsche Dichterin

(Aus: Wikidata.org)

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