An die Königl. Hof-Bauadministration wegen ein paar geschenkter eiserner Spahröfen

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Anna Luise Karsch: An die Königl. Hof-Bauadministration wegen ein paar geschenkter eiserner Spahröfen (1792)

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Verzeihung von der Königlichen
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Administration, bitt’ ich,
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Weil mancher Tag schon fortgewichen,
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Und auch des Winters Länge sich
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So nach und nach hinweg geschlichen,
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Eh die dankbare Karschin sich
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Mit großem Dank hat abgefunden
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Für ein paar Oefchen, ihr geschenkt.
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Sie zählte gar viel kranke Stunden,
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War halb schon aus der Welt gelenkt
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In andre nicht bekannte Welten,
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Wo man Bestrafung und Vergelten
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Für gut’ und böse That empfängt —
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Wär nicht mein Geist von seltner Stärke,
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Er wäre längst hinweggedrängt,
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Denn schwach sind nur die Außenwerke,
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Sie werden wahrlich keinen Schmaus
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Für irgend einen Grabwurm geben,
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Man trägt nur Haut und Bein ins finstre Leichenhaus.
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Ich denk es ohne grauses Beben.
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Warum sollt ich betrübt ein Achgeschrey erheben
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Beim Anblick meines Bleichgesichts?

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Kalt ist das Grab, davon empfindet nichts
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Das Wesen, welches in mir denket,
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Sein Feuer widersprichts —
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Und daß sich’s dermaleinst an Lethens Ufer tränket;
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Dieß glaube wer da mag und kann,
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Ich nehme diesen Wahn nicht an,
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Weil ich durchaus nicht will vergessen,
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Was mir hienieden Guts geschehn;
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Weil ich auch dort noch will ermessen,
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Welch Auge mich hier gern gesehn,
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Und welche Hand mirs leichter machte
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Zu wallen auf dem Lebenspfad,
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Wo oft mein Fuß auf Dornen trat —
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Selbst da der beste König dachte,
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Daß meine Laufbahn bis ans Ziel,
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Nun Rosen ohne Dornen brachte,
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Denn so befahls Sein Königlich Gefühl —
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Wie der Befehl ward ausgerichtet,
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Ist Jedermann zur Augenschau,
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Der auf der neuen Brücke Bau
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Die Sphinx betrachtet, die erdichtet
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Von großen Fabeldichtern ward.
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Er darf nur rechter Hand sich drehen,
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Da wird er mit Verwundrungsart
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Das Eckchen meines Hauses sehen —
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Das ein recht hochgewachsner Mann,
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Wie weiland Potsdams Gardemänner,
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Mit seinem Arm umspannen kann.
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Indessen lad’ ich meine Gönner
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Und Gönnerinnen freundlich ein,
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Nicht auf sechs Schüsseln, nicht auf Wein:
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Nein, meine Wohnung nur zu schauen,
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Lad ich Sie ein,
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Und kann’s Euch schwören mit Vertrauen,
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Daß ihre Niedlichkeit Sie reizt,
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So wahr mit wenig Glut das Eisenöfchen heizt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Anna Louisa Karsch
(17221791)

* 01.12.1722 in Skąpe, † 12.10.1791 in Berlin

weiblich, geb. Karsch

deutsche Dichterin

(Aus: Wikidata.org)

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