An Ebendesselben Hochfürstl. Durchl

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Anna Luise Karsch: An Ebendesselben Hochfürstl. Durchl (1792)

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Durchlauchter Fels, der ehemals den Wogen
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Des Krieges mächtig widerstand,
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Warum ist Dir nicht jüngst die Muse zugeflogen,
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Als sie den bittern Schimpf empfand,
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Den König Friedrichs Kammerknechte
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Ihr höhnisch lachend angethan.
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Ich schrieb an Ihn und sprach: daß Er bedenken möchte,
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Wie zehnmal schon auf seiner Bahn
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Sich Phöbus umgewandt, seitdem mir Friedrich sagte
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Er wollte mein Versorger seyn.

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Ich hatte Recht, daß ich Ihn zu erinnern wagte,
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Er aber schätzt die Deutschen klein.
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Man siegelte auf Sein Befehlen
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Zwo ganze Friedrichsthaler ein,
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Und wollt’ es öffentlich erzählen,
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Indem man auf den Umschlag schrieb:
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„zwey Thaler zum genädigen Geschenke
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„für Deutschlands Dichterin.“ Dies that man, wie
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ich denke,

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Aus eignem schadenfreuden Trieb.
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Ich faßte kurzen Schluß; ich lächelte catonisch
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Auf dies Geschenk herab, und schrieb
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Mit kaltem Blute ganz laconisch,
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Weil mir nichts weiter übrig blieb:

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„zwei Thaler giebt kein großer König;
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„ein solch Geschenk vergrößert nicht mein Glück,
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„nein, es erniedrigt mich ein wenig,
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„drum geb ich es zurück.

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So sprach ich, und so mußt’ ich sprechen,
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Und siegelte die Thaler ein,
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Und sandte sie zurück, und will sich Friedrich rächen,
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So mag Er Dir an Großmuth ähnlich seyn
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Und mir ein Jahrgeschenke geben.
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Er sündigte bei Seinem Leben

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An Seiner eignen Ehre durch die That,
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Und ich betrug mich, wie ich sollte,
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Für mich war gar kein andrer Rath.
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Denn wenn ich dies Geschenk behalten wollte,
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Mit solcher niedern Art gesandt,
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Alsdann verdient’ ich künftig nimmer
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Die Ehre, daß der große Ferdinand
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Sich meiner kühnen Sangart immer
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Mit günstiglichem Auge neigt.
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Ich folgte einem meiner Freunde,
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Der ehrlich denkt und ehrlich sich bezeigt,
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Und schrieb dem Könige, der tausend neue Feinde
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Mit tausend neuen Dörfern sich erstrebt.

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Der Freund hat’s gut gemeint, indem Er mich belebt,
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Den König an Sein Wort zu denken
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Nach zehn verflogner Jahre Frist,
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Und ich bin ohne Philosophengründe
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So ruhig wie ein Weiser ist.
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Rings um mich her blick ich und finde
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Viel Tausend mir an Glück nicht gleich,
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Und auch nicht gleich an Ruhm und Würde.
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Hab ich nicht eine Goldesbürde,
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So bin ich doch an Briefen reich,
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Die mir mein göttlichgroßer Gönner,
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Held Ferdinand von Herzen zugeschickt,
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Und stolzer bin ich drauf, als Weiber auf die Männer,
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Die sie mit Steinchen ausgeschmückt
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Und ihnen Titeldunst gegeben —
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Ich brüste mich mit ganz erhabnem Geist,
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So oft der Held, für den noch jezt die Franzen beben,
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Mich „Seine liebe Karschin„ heißt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Anna Louisa Karsch
(17221791)

* 01.12.1722 in Skąpe, † 12.10.1791 in Berlin

weiblich, geb. Karsch

deutsche Dichterin

(Aus: Wikidata.org)

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