Die Spinne

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Johann Peter Hebel: Die Spinne (1803)

1
Nei lueget doch das Spinnli a,
2
wie ’s zarti Fäde zwirne cha!
3
Bas Gvatter meinsch, chasch’s au ne so?
4
De wirsch mers, traui, blibe lo.
5
Es machts so subtil und so nett,
6
i wott nit, aßi ’s z’ hasple hätt.

7
Wo het’s die fini Riste g’no,
8
by wellem Meister hechle lo?
9
Meinsch, wemme ’s wüßt, e mengi Frau,
10
sie wär so gscheit, und holti au!
11
Jez lueg mer, wie ’s si Füeßli sezt,
12
und spinne will, und d’ Finger nezt.

13
Es zieht e lange Faden us,
14
es spinnt e Bruck ans Nochbers Hus,
15
es baut e Land-Stroß in der Luft,
16
morn hangt sie scho voll Morgeduft,
17
es baut e Fußweg nebe dra,
18
’s isch, aß es ehne dure cha.

19
Es spinnt und wandlet uf und ab,
20
Potz tausig, im Gallop und Trap! —
21
Jez gohts ring um, was hesch, was gisch!
22
Siehsch, wie ne Ringli worden isch!
23
Jez schießt’s die zarte Fäden i.
24
Wirds öbbe solle gwobe sy?

25
Es isch verstuunt, es haltet still,
26
es weiß nit recht, wo ’s ane will.
27
’s goht weger z’ruck, i sieh’s em a;
28
’s muß näumis rechts vergesse ha.
29
„zwor, denkt es, sel pressiert io nit,
30
i halt mi nummen uf dermit.“

31
Es spinnt und webt, und het kei Rast,
32
so gliichlig, me verluegt si fast
33
Und ’s Pfarers Christoph het no gseit,
34
’s seig iede Fade zseme gleit.
35
Es mueß ein guti Auge ha,
36
wers zehlen und erchenne cha.

37
Jez puzt es sini Händli ab,
38
es stoht, und haut der Faden ab.
39
Jez sizt es in si Summer-Hus,
40
und luegt die lange Stroßen us.
41
Es seit: „Me baut si halber z’ tod,
42
doch freuts ein au, wenns Hüsli stoht.“

43
In freie Lüste wogt und schwankts,
44
und an der liebe Sunne hangts;
45
sie schint em frey dur d’ Beinli dur,
46
und ’s isch em wohl. In Feld und Flur
47
sieht ’s Mückli tanze, iung und feiß;
48
’s denkt by nem selber: „Hätti eis!“

49
O Thierli, wie hesch mi vertzückt!
50
Wie bisch so chlei, und doch so gschickt!
51
Wer het di au die Sache glehrt?
52
Denkwol der, wonis alli nährt,
53
mit milde Händen alle git.
54
Bis zfrieden! Er vergißt di nit.

([Hebel, Johann Peter]: Allemannische Gedichte. Karlsruhe, 1803.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Johann Peter Hebel
(17601826)

* 10.05.1760 in Geburtshaus Johann Peter Hebel, † 22.09.1826 in Schwetzingen

männlich, geb. Hebel

deutscher Dichter, evangelischer Theologe und Pädagoge

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.