Sonntagsfrühe

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Johann Peter Hebel: Sonntagsfrühe (1803)

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Der Samstig het zum Sunntig gseit;
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„jez hani alli schlofe gleit;
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„sie sin vom Schaffe her und hi
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„gar sölli müed und schlösrig gsi,
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„und ’s gohtmer schier gar selber so,
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„i cha fast uf ke Bei me stoh.“

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So seit er, und wo’s Zwölfi schlacht,
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se sinkt er aben in d’ Mitternacht.
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Der Sunntig seit: „Jez ischs an mir!“
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Gar still und heimli bschließt er d’ Thür;
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er düselet hinter de Sterne no,
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und cha schier gar nit obsi cho.

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Doch endli ribt er d’ Augen us,
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er chunnt der Sunn an Thür und Hus;
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sie schloft im stille Chämmerli;
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er pöpperlet am Lädemli;
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er rüeft der Sunne: „d’ Zit isch do!“
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Sie seit: „J chumm enanderno!“ —

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Und lisli uf de Zeche goht,
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und fründli uf de Berge stoht
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der Sunntig, und ’s schloft alles no;
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es sieht und hört en niemes goh;
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er chunnt ins Dorf mit stillem Tritt,
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und winkt im Guhl: „Verroth mi nit!“

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Und wemmen endli au verwacht,
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und gschlofe het die ganzi Nacht,
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se stoht er do im Sunne-Schi’,
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und luegt eim zu de Fenstern i
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mit sinen Auge mild und gut,
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und mittem Meyen uffem Hut.

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Drum meint ers treu, und was i sag,
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es freut en wemme schlofe mag,
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und meint es seig no dunkel Nacht,
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wenn d’ Sunn am heitere Himmel lacht;
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drum isch er au so lisli cho,
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drum stoht er au so liebli do.

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Wie glitzeret uf Gras und Laub
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vom Morgethau der Silberstaub!
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Wie weiht e frische Mayeluft,
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voll Chriesi-Blust und Schleche-Duft!
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Und d’ Immli sammle flink und frisch,
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sie wüsse nit, aß ’s Sunntig isch.

43
Wie pranget nit im Garte-Land
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der Chriesi-Baum im Maye-Gwand,
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Gel Veieli und Tulipa,
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und Sterneblume nebe dra,
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und gfüllti Zinkli blau und wiiß,
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me meint, me lueg ins Paredies!

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Und ’s isch so still und heimli do,
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men isch so rüeihig und so froh!
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me hört im Dorf kei
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e
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und ’s
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isch alles, was me höre mag.

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Und ’s Vögeli seit: „Frili io!
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„potz tausig, io, er isch scho do:
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„er dringtmer scho im Himmels-Glast
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„dur Bluest und Laub in Hurst und Nast!“
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Und ’s Distelzwigli vorne dra
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het ’s Sunntig-Röckli au scho a.

61
Sie lüte weger ’s Zeiche scho,
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der Pfarer, schints, well zitli cho.
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Gang, brechmer eis Aurikli ab,
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verwüschet mer der Staub nit drab,
65
und Chüngeli, leg di weidli a,
66
de muesch derno ne Meje ha!

([Hebel, Johann Peter]: Allemannische Gedichte. Karlsruhe, 1803.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Johann Peter Hebel
(17601826)

* 10.05.1760 in Geburtshaus Johann Peter Hebel, † 22.09.1826 in Schwetzingen

männlich, geb. Hebel

deutscher Dichter, evangelischer Theologe und Pädagoge

(Aus: Wikidata.org)

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