Der Sommerabend

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Johann Peter Hebel: Der Sommerabend (1803)

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O, lueg doch, wie isch d' Sunn so müed,
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lueg, wie sie d’ Heimeth abezieht!
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O lueg, wie Stral um Stral verglimmt,
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und wie sie ’s Fazenetli nimmt,
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e Wülkli, blau mit roth vermüscht,
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und wie sie an der Stirne wüscht.

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’s isch wohr, sie het au übel Zit,
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im Summer gar, der Weg isch wit,
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und z’ schaffe findt sie überal
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in Hus und Feld, in Berg und Thal;
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’s will alles Liecht und Wärmi ha,
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und spricht sie um e Segen a.

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Meng Blümli het sie usstaffirt,
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und mit scharmante Farbe ziert,
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und mengem Immli z’trinke ge,
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und gfrogt: Hesch gnug und witt no meh?
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und ’s Chäferli het hinte no
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doch au si Tröpfli übercho.

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Meng Some-Chöpfli het sie gsprengt,
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und ’s zitig Sömli use g’lengt.
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Hen d’ Vögel nit bis z’ allerlezt
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e Bettles gha, und d’ Schnäbel g’wezt?
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Und kein goht hungerig ins Bett,
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wo nit si Theil im Chröpfli het.

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Und wo am Baum e Chriesi lacht,
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se het sie’m rothi Bäckli gmacht;
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und wo im Feld en Aehri schwankt,
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und wo am Pfohl e Rebe rankt,
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se het sie eben abe glengt,
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und het’s mit Laub und Bluest umhengt.

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Und uf der Bleichi het sie gschaft
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hütie und ie us aller Chraft;
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der Bleicher het si selber gfreut,
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doch hätt’ er nit: Vergelts Gott! gseit;
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und het e Frau ne Wöschli gha,
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se het sie trochnet druf und dra.

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’s isch weger wohr, und überal
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wo d’ Sägesen im ganze Thal
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dur Gras und Halme gangen isch,
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se het sie g’heuet froh und frisch.
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Es isch e Sach, by miner Treu,
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am Morge Gras und z’obe Heu!

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Drum isch sie iez so sölli müed,
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und brucht zum Schlof kei Obe-Lied;
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kei Wunder, wenn sie schnuft und schwizt,
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lueg wie sie dört uf ’s Bergli sizt!
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Jez lächlet sie zum lezte mol,
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jez seit sie: Schlofet alli wohl!

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Und d’unten isch sie! B’hüt di Gott!
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Der Guhl, wo uffem Chilch-Thurn stoht,
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het no nit gnug, er bschaut sie no.
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Du Wundervitz was gafsch denn so?
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Was gilts, sie thut der bald derfür,
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und zieht e rothen Umhaug für!

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Sie duuret ein, die guti Frau,
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sie het ihr redli Hus-Chrütz au.
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Sie lebt gwiß mittem Ma nit gut,
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und chunnt sie heim, nimmt er si Hut;
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und was i sag, iez chunnt er bald,
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dört sizt er scho im Fohre-Wald.

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Er macht so lang, was tribt er echt?
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Me meint schier gar er trau nit recht.
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Chumm numme, sie isch nümme do,
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’s wird alles sy, se schloft sie scho!
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Jez stoht er uf, er luegt ins Thal,
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und ’s Möhnli grüeßt en überal.

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Denkwol, mer göhn iez au ins Bett,
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und wer kei Dorn im Gwiße het,
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der brucht zum Schlofen au kei Lied;
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me wird vom Schaffe selber müed;
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und öbbe hemmer Schöchli gmacht,
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drum gebis Gott e guti Nacht!

([Hebel, Johann Peter]: Allemannische Gedichte. Karlsruhe, 1803.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Johann Peter Hebel
(17601826)

* 10.05.1760 in Geburtshaus Johann Peter Hebel, † 22.09.1826 in Schwetzingen

männlich, geb. Hebel

deutscher Dichter, evangelischer Theologe und Pädagoge

(Aus: Wikidata.org)

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